Back in Black

Oh My God von Kevin Morby

Das Vinyl der Woche

Die CD ist längst vom Aussterben bedroht und das MP3 viel zu virtuell. Darum feiert radioeins das schwarze Gold – zusammen mit den Berliner Plattendealern unseres Vertrauens. Jede Woche stellen sie uns ein Album vor, das nur auf Vinyl so klingt, wie es klingen soll. Die Schallplatte lebt - immer mittwochs um 13:40 live auf radioeins.

Oh My God von Kevin Morby
Oh My God von Kevin Morby | © Dead Oceans

Den Vergleich mit Bob Dylan wird Kevin Morby wohl nicht los. Nicht nur, dass der amerikanische Singer und Songwriter optisch eine gewisse Ähnlichkeit aufweist, gerade musikalisch wirst du auf jedem seiner Schallplatten Momente finden, bei denen du an einen Song von Bob Dylan erinnerst wirst.

So auch auf seinem fünften Album. Auf »Oh My God« beschäftigt sich der gebürtige Texaner mit Spiritualität und schon heißt es, Kevin Morby klinge wie Bob Dylan während seiner Gospel-Phase Ende der 1970er Jahre. Und in gewisser Weise stimmt das auch, aber »Oh My God« klingt manchmal eben auch wie Bob Dylan zu Beginn der Siebziger, oder wie Bob Dylan Ende der Sechziger, aber eben auch nicht selten wie Van Morrison Leonard Cohen auf »New Skin for the Old Ceremony«. Eigentlich am meisten wie er.

Und dann ist »Oh My God« wie der Mittlere Westen: von Küste zu Küste reisend, braucht man eine Weile um dort durchzukommen (hier sind es 50 Minuten), alles ähnelt sich ein wenig, die Musik ist hoffnungsvoll und hoffnungslos zugleich, Gott zugewandt und jenseits jeden Glaubens. Und in dieser Gemengelage von Gleichförmigkeit und Anspannung liegt das Potenzial dieser Musik. Es ist eben auch ein Statement über den inneren Kern der USA. Und da kennt Morby sich aus, der an der Ostküste wohnte, zur Westküste weiterzog und nun seit einigen Jahren in Kansas City, Missouri zu Hause ist, der Stadt, in der er auch seine Kindheit verbrachte. Und so klingt »Oh My God« sehr Missouri’isch: »Savannah«, »Storm«, »Piss River«. Die Dreifaltigkeit des Mittleren Westen eben.

Natürlich ist das konzeptionell und oft müssen Kompromisse eingegangen werden, damit ein Konzept aufgehen kann. Das ist hier nicht anders. Das Resultat ist ein schlüssiges, großartig vorgetragenes Werk eines der mit Matthew Houck (Phosphorecent) und Phil Elverum (Mount Eerie) vielleicht interessantesten Songwriter der Vereinigten Staaten.

Philipp Michalke  (HVV Records)

Oh My God von Kevin Morby
Dead Oceans
Back in Black © radioeins/Warnow
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Norman Dietze

(Plattenladen: Bis Aufs Messer)

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Philipp Michalke

(Plattenladen: hhv Records)

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Stephan Schulz

(Plattenladen "Dodo Beach")

Thomas und Bernd (RockSteady Records)
Thomas und Bernd (RockSteady Records)

Thomas & Bernd

(Plattenladen: Rock Steady Records)

Der Beitrag ist noch bis zum 15.05.2020 00:00:00 verfügbar.