Das Vinyl der Woche

I'm New Here (10th Anniversary Edition) von Gil Scott-Heron

Die CD ist längst vom Aussterben bedroht und das MP3 viel zu virtuell. Darum feiert radioeins das schwarze Gold – zusammen mit den Berliner Plattendealern unseres Vertrauens. Jede Woche stellen sie uns ein Album vor, das nur auf Vinyl so klingt, wie es klingen soll. Die Schallplatte lebt - immer mittwochs um 13.40 Uhr auf radioeins.

I'm New Here (10th Anniversary Edition) von Gil Scott-Heron
I'm New Here (10th Anniversary Edition) von Gil Scott-Heron | © XL-Recordings

Als Gil Scott-Heron 1970 sein Album »Small Talk at 125th and Lenox« veröffentlichte, verstand er sich eher als Autor, denn als Musiker. Er war keine 21 Jahre alt, hatte zwei Romane geschrieben, »The Vulture« und »The Nigger Factory«, das erste von beiden war auch schon veröffentlicht und von der Kritik wohlwollend aufgenommen. Ins Studio musste er vom Produzenten Bob Thiele, der zwischen 1961 und 1969 das Jazzlabel Impulse! Leitete und mit Musikern wie John Coltrane, Charles Mingus, Dizzy Gillespie, Sonny Rollins, Archie Shepp und Albert Ayler arbeitete, quasi gezwungen werden. Dort begann er seine Gedichte zu performen und es entstand etwas gänzlich Neues, etwas, das viele Jahre später als Rap in die Kulturgeschichte eingehen würde. Gesprochene Worte, vorgetragen aus der Sicht der afroamerikanischen Minderheit.

Als 2010 das Album »I’m New Here« entstand, hatte Gil Scott-Heron seit 16 Jahren keine Schallplatten mehr aufgenommen. Von der Mehrheit der Menschen war er vergessen worden, für die meisten anderen war er eine Ikone, aber auch eine Stimme aus einer längst vergangenen Zeit. Wieder war es ein Produzent, diesmal Richard Russell, der Chef von XL Recordings, der ihn ins Studio »zwang« über eine Zeit von 12 Monaten das Album mit ihm aufnahm. Ein Album von nur 28 Minuten Länge, 15  konzentrierte Tracks, auf den Punkt, schnörkellos, schonungslos bisweilen. Richard Russell hatte auf seinem Label gerade eine junge Band namens The xx unter Vertrag genommen und war begeistert von dem Sound von deren Debüt. Ein sehr intimer Sound, sehr viel Hall, kein Gramm zu viel. Richard Russell übertrug das auf »I’m New Here« und schuf damit eines der besten Alben des Jahrtausends. Durch eine von Jamie xx produzierte besondere Version des Albums wurde er einem jungen Publikum gewahr. Gil Scott-Heron wurde noch ein letztes Mal gefeiert, bevor er 2011 nur 62-jährig starb.

Zum zehnjährigen Jubiläum von »I’m New Here« veröffentlicht XL Recordings das Album erneut, ergänzt um eine weitere Schallplatte und 10 bislang unveröffentlichten Tracks und Versionen. Ebenso hat der Chicagoer Jazz-Schlagzeuger Makaya McCraven (ähnlich wie einst Jamie xx) unter dem Titel »We’re New Again« eine neue Version des Albums vorgelegt, der beim Radio Eins Soundcheck vier Mal das Prädikat »Hit« zugestanden wurde.

Sebastian Hinz (HHV Records)

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Thorsten Pfeiffer

Der Beitrag ist noch bis zum 19.02.2021 00:00:00 verfügbar.