Das Vinyl der Woche

I'm Cindy von Cindy

Die CD ist längst vom Aussterben bedroht und das MP3 viel zu virtuell. Darum feiert radioeins das schwarze Gold – zusammen mit den Berliner Plattendealern unseres Vertrauens. Jede Woche stellen sie uns ein Album vor, das nur auf Vinyl so klingt, wie es klingen soll. Die Schallplatte lebt - immer mittwochs um 13.40 Uhr auf radioeins.

I'm Cindy von Cindy
I'm Cindy von Cindy | © World Of Paint

Aus neurowissenschaftlicher Sicht ist jede Erinnerung nur Erfindung. Die Prozesse sind dieselben. Unsere Wahrnehmungsprozesse, so haben Neurobiologen erforscht, sind konstruktivistisch und wenig objektiv. Erinnerungen sind also "fake". Eine gute Erzählung, mehr nicht.

An dieser Stelle setzt die Musik des Niederländers Kai Hugo an, der sich als Musiker (nach dem niederländischen Wort für Palmenbaum) Palmbomen II nennt. Auf seinem Debüt von 2015 waren 14 Tracks zu finden, die allesamt nach Personen bezeichnet waren. Es war ein bisschen wie in einem Jahrbuch, in dem «Peter Tanaka», «Teena Mulder», «Carina Sayles», «Leo Danziger» oder «Cindy Savalas» sich vorstellten. Letztere hatte es ihm besonders angetan und es folgte zwei Jahre später die Vinyl 3LP «Memories Of Cindy», die Cindy und ihre Jugend in der Stadt Carmel Vista in den 1980er Jahren beleuchtete.

Nun wurde das fiktive Spiel noch eine Stufe weitergetrieben und das «verschollene» Debütalbum seiner Kunstfigur veröffentlicht. Dafür hat Kai Hugo mit der Schauspielerin, Regisseurin und Sängerin Blue LoLãn zusammengearbeitet, die hier die Cindy mimt und dabei klingt wie Julee Cruise, wodurch das eh schon an «Twin Peaks» erinnernde Setting (Kleinstadt, das Spiel mit Erinnerungen, junge Frau mit verschiedenen Gesichtern) noch einmal mehr die Stimmung von David Lynchs Fernsehserie aufnimmt.

Musikalisch klingt das wie in unserer Vorstellung die 1980er Jahre geklungen haben und ist gleichzeitig hypermodern. Zum Release hat Palmbomen II auch eine Spotify-Playlist mit «Cindy Inspirations« zusammengestellt, auf der sich dann die Cocteau Twins, Slowdive, Mazzy Star, Julee Cruise, Jason Donovan und F.R. David, aber auch aktuelle Wiedergänger der Achtziger wie Deux, Oppenheimer Analysis oder Turquoise Days wiederfinden. Das passt.

Sebastian Hinz (HHV Records)

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Thorsten Pfeiffer

Der Beitrag ist noch bis zum 19.08.2021 00:00:00 verfügbar.