Das Vinyl der Woche

Free von Iggy Pop

Die CD ist längst vom Aussterben bedroht und das MP3 viel zu virtuell. Darum feiert radioeins das schwarze Gold – zusammen mit den Berliner Plattendealern unseres Vertrauens. Jede Woche stellen sie uns ein Album vor, das nur auf Vinyl so klingt, wie es klingen soll. Die Schallplatte lebt - immer mittwochs um 13.40 Uhr auf radioeins.

Free von Iggy Pop
Free von Iggy Pop | © Caroline

Man muss schon ein Stück weit besessen sein, wenn man sich mit 72 Jahren aufmacht, ein weiteres Album aufzunehmen. Sein achtzehntes, die Studioalben von The Stooges nicht mitgezählt. Und wir alle wissen: Iggy Pop ist weit mehr als nur besessen. Er ist the real wild child, ein Punk bevor es den Punk gab, ein praktizierender Stage Diver schon als es noch gar kein Begriff für dieses schwebende Bad in der Menge gab (zugegeben: beim ersten Mal ging das schief und er verlor einen Schneidezahn). Er ist wie ein Gespenst, das unruhig durch unser Leben geistert und nicht aufhören wird »I wanna be free« zu hauchen, bis dieses Verlangen endlich universell eingelöst wird. Das könnte noch ein bisschen dauern.
»I wanna be free« sind auch die ersten Worte auf seinem neuen Album »Free«.

Es ist 34 Minuten lang und die Kürze der Spielzeit ist vielleicht die letzte Gemeinsamkeit seit den punkrockigen Tagen. Zwischen »Wanna Be Your Dog« und »Free« liegen die Erfahrung von 200 Songs. Die zehn aktuellen Songs sind in Zusammenarbeit mit dem Jazztrompeter Leron Thomas und der Gitarristin Sarah Lipstate entstanden. Das Ergebnis sind zunächst Songs mit eigenwilligem, aber durchdringendem Groove, wie er beispielsweise auf der Singleauskopplung »Sonali« zu hören ist. Auf der zweiten Seite kippt das Ganze dann in atmosphärische Klangcollagen, die nur noch von Iggy Pops sonorer Stimme getragen werden, die Gedichte von Dylan Thomas (»Do Not Go Gentle into That Good Night«) oder Lou Reed (»We Are The People«) rezitiert.

So zeigt »Free« den Künstler Iggy Pop wirklich noch mal von einer anderen Seite: weise, reflektiert, feinsinnig mitunter. Ein bisschen wie ein Film von Jim Jarmusch, in dessen jüngstem Streifen »The Dead Don’t Die« einen Zombie gab. Verglichen mit diesem Auftritt ist Iggy Pop hier wirklich quicklebendig.

Sebastian Hinz (HHV Records)

Free von Iggy Pop
Caroline
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Norman Dietze

(Plattenladen: Bis Aufs Messer)

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(Plattenladen: hhv Records)

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Stephan Schulz

Plattenladen: Dodo Beach Record Store

Bernd Buchrucker und Thomas Eicher (re.) (RockSteady Records)
RockSteady Records

Thomas Eicher & Bernd Buchrucker

(Plattenladen: Rock Steady Records)

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Thorsten Pfeiffer

(Plattenladen: Holy’s Hit Records)

Der Beitrag ist noch bis zum 20.11.2020 00:00:00 verfügbar.