Jahresauftakt der Clubcommission

Studie über Berliner Clubs mit überraschenden Ergebnissen

Wenn es um die Berliner Clubs geht, dann geht es eigentlich fast immer um das Clubsterben. Denn immer wieder mussten in den vergangenen Jahren Clubs dichtmachen: Allein letztes Jahr das Johnny Knüppel, das Bassy und der Keller.  

Discokugel © imago/blickwinkel
Discokugel | © imago/blickwinkel

Die Berliner Clubcommission, ein Zusammenschluss der Berliner Clubs und sozusagen ihr Sprachrohr, hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben. Gestern Abend wurden im queeren Club SchwuZ in Berlin-Neukölln die ersten Ergebnisse vorgestellt.

rbb-Reporter Klaas-Wilhelm Brandenburg war dabei und berichtet darüber.

Discokugel © imago/blickwinkel
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Wie erwartbar waren die Ergebnisse denn?


Also ich fand manches doch echt überraschend! Zum Beispiel ist die Zahl der Berliner Clubs in den letzten zehn Jahren fast gleich geblieben. 280 Clubs und Veranstalter gibt es laut Studie in Berlin – und damit nicht weniger als vor zehn Jahren.

Gibt es also doch gar kein Clubsterben in der Stadt?


Naja, Lutz Leichsenring von der Clubcommission ist da eher skeptisch – denn er hat mir gesagt: es gebe auch ein qualitatives Clubsterben:

"Dass also die Clubs so unter Verwaltungsdruck geraten, dass man einfach nicht mehr experimentieren kann. Man kann nicht mehr vielleicht dem unbekannten DJ eine Plattform geben oder mal mit einer Band und mit einem anderen Sound was ausprobieren, sondern man ist darauf angewiesen Umsätze zu generieren um Kosten zu decken."

Und wer da nicht mitmacht, spürt die Konsequenzen: Jeder fünfte Clubbetreiber macht laut eigenen Angaben Miese, jeder Dritte geht mit plus minus null raus. Für Klaus Lederer, Berlins Kultursenator von den Linken, ist deshalb klar:

"Wer immernoch glaubt, Clubs seien nichts weiter als große Gelddruckmaschinen in denen sich im Grunde Leute die Hucke zu löten, der hat es wirklich nicht verstanden oder kennt sie nicht."

Tatsächlich sind auch die Umsätze der Clubs im Zehn-Jahres-Vergleich nicht gestiegen. Und das, obwohl eigentlich mehr Touristen wegen der Clubs nach Berlin kommen: Etwa 3 Millionen waren es vorletztes Jahr. Und die brachten insgesamt knapp 1,5 Milliarden Euro in die Stadt, also nicht gerade wenig.

Woher kommt dieser Widerspruch: Immer mehr Club-Touristen, aber trotzdem nicht mehr Umsatz in den Clubs?


Die steigenden Mieten sind Schuld, sagt die Studie. Mit denen haben die Clubs genauso zu kämpfen wie wir alle. Außerdem ziehen immer mehr Menschen nach Berlin, und wenn’s dann Konflikte gibt zwischen alten Clubs und neuen Wohnungen gibt, müssen oft die Clubs weichen. Deshalb fordern die Clubs, baurechtlich nicht mehr als Vergnügungsstätte eingestuft zu werden, sondern als Kulturstätte. Denn sie sagen: Viele Clubs sind nicht einfach ein Wirtschaftsbetrieb wie jeder andere. Manche sind sogar Schutzräume für Minderheiten – zum Beispiel das SchwuZ als Schutzraum für queere Menschen, wo die Studie ja gestern vorgestellt wurde. Klaus Goldhammer, der die Studie durchgeführt hat, unterstützt diese Forderung:

"Dann wäre es eben nicht einfach möglich zu sagen: wegen der Lärmentwicklung muss dieser Club schließen oder darf nur noch bis 22 Uhr geöffnet bleiben, sondern dann gehört es sozusagen zu der städtischen Planung dazu."

Und deshalb könnten Clubs deutlich schwerer verdrängt werden als aktuell. Ob es jemals so weit kommt, ist allerdings fraglich: Denn das ist Sache des Bundes und nicht der Club-Hauptstadt Berlin.

Was kann denn Berlin selbst machen, was will es machen?


Also Klaus Lederer hat gestern schon laut über eine Bundesratsinitiative nachgedacht, um die Clubs als Kulturstätten einzustufen. Und er sagt:

"Wir müssen auch jetzt schon gucken, wo wir Orte perspektivisch für neue Clubs identifizieren. Wir hatten heute unseren Beteiligungsprozess für 'Die alte Münze' gestartet. Das ist zum Beispiel so ein Ort, der durchaus geschützt wäre vor Wohnbebauung, wenn man es von Anfang an mitdenkt."

"Die Alte Münze" in Berlin-Mitte kommt also in Frage, oder auch der Flughafen Tegel, meinte Klaus Lederer zu mir. Wann der für den Luftverkehr schließt und dann eventuell für Clubs öffnet, ist allerdings die große Frage – denn dafür muss ja erstmal der BER eröffnen.

Die Berliner Clubbetreiber müssen sich also wohl oder übel noch ein bisschen gedulden, bis es neue Flächen für sie gibt.