Mi 08.01. 14:08
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King of Rock'n'Roll

Elvis Presley wäre heute 85 Jahre alt geworden

Am 14. Januar 1973 gab es ein weltweites Medienereignis - nur knapp so bedeutsam, wie die Mondlandung vier Jahre zuvor.

Elvis Presley zusammen mit seinem Manager Colonel Tom Parker © imago images/Cinema Publishers Collection
Elvis Presley zusammen mit seinem Manager Colonel Tom Parker | © imago images/Cinema Publishers Collection

In 36 Ländern konnte man per Satellitenübertragung via Bildschirm Elvis Presley live im Fernsehen erleben. Er gab zu den Klängen der Zarathustra-Fanfare ein Wohltätigkeitskonzert in Honolulu auf Hawaii.

Einer, der damals als 13jähriger Teenager vor dem Fernseher saß, ist radioeins-Redakteur Rainer Kruggel.

Elvis Presley zusammen mit seinem Manager Colonel Tom Parker © imago images/Cinema Publishers Collection
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Du bist also damals zum Elvis Fan geworden, was hat dich an diesem Mann so begeistert? Du bist ja eigentlich schon damals nicht die Zielgruppe gewesen.

Das stimmt, bei mir waren eher Deep Purple, Sweet oder Led Zeppelin angesagt, aber ich hatte damals schon ein Faible für die 50er Jahre und da war ja Elvis einfach mal das Thema. Er sah fantastisch aus, hatte eine tolle Stimme und die hat er gekonnt eingesetzt.

Du hast Dich dann intensiv mit seinem Leben und seiner Karriere beschäftigt, was hast Du da u.a. Bemerkenswertes entdecken können?

Elvis gilt ja immer als die Verkörperung des American Dream also in seinem Fall vom LKW-Fahrer zum Millionär und da ist ja auch viel Wahres dran. Das verdankt er ja vor allem einem Mann über den ich gern mal ein paar Worte sagen möchte – seinem Manager Colonel Tom Parker. An dem kommt man einfach nicht vorbei und an dem kam früher auch niemand vorbei, der mit Elvis etwas aushandeln wollte.

Was war das für ein Typ, ein finsterer Business-Mann mit Dollarzeichen im Auge?

Irgendwie schon. Er war eine dickliche Erscheinung, etwa wie Churchill, einschließlich ständiger Zigarre oder Pfeife und mit allen Wassern gewaschen. Parker hat immer behauptet, er stamme aus West-Virginia aus einer Familie von Jahrmarktsausstellern. Das ist aber alles erfunden. Eigentlich hieß er Andreas Cornelius Van Kuijk und wurde in Breda in den Niederlanden geboren. Er ist 1929 illegal in die USA eingereist. Es gibt sogar Gerüchte, dass er in seiner Heimat in einen Mord verwickelt gewesen sei. In den Staaten leistete er dann vermutlich mit gefälschten Papieren einen zweijährigen Armeedienst und dann stieg Parker Ende der 30er Jahre als Promoter ins Musikgeschäft ein.

Was hat er denn vor Elvis so promotet bzw. gemanagt?

Das waren u.a. damals legendäre Country-Größen aus Nashville wie Eddie Arnold oder Hank Snow. Und da gab es u.a. auch eine ganz skurrile Geschichte. Damals musste bei Auftritten eine Vergnügungssteuer gezahlt werden, die allerdings nur bei Tierschauen entfiel. Deshalb hatte Parker bei Eddie Arnold-Konzerten immer Hühner dabei und als Arnold wegen Krankheit einmal ausfiel ließ der Colonel zu Bandmusik-Begleitung seine Hühner auf heißen Herdplatten tanzen Colonel Parkers Dancing Chicken nannte er das. So tickte als Colonel Parker, der übrigens nie Colonel in der Army war, sondern diesen Titel verliehen bekam für Wahlkampfverdienste vom Gouverneur von Louisiana.

Elvis und sein Manager Colonel Tom Parker - wann trat er denn bei Elvis auf den Plan?

Das passierte Mitte der 1950er Jahre. Elvis hatte gerade seine ersten Songs bei Sun Records in Memphis veröffentlicht, als der Colonel seinen Job bei ihm antrat, den er bis zum Tod des King 1977 ausübte. Als erstes kaufte er Presley bei Sam Phillips von Sun Records raus für 40.000 Dollar und besorgte ihm den Platenvertrag bei RCA. Fortan kümmertes sich Parker für 25 Prozent später sogar 50 Prozent Einnahmebeteiligung um alles Finanzielle bei Elvis. Er buchte Konzerte, Fernsehauftritte, und sorgte für reichlich Merchandising.

Hat er sich auch künstlerisch eingemischt?

Nicht im eigentlichen Sinne, aber er war beispielsweise verantwortlich für die Verträge mit Hollywood und das, was da an ca. 30 Filmen mit Elvis entstand, war ja er B- und C-Ware. Außerdem hat er nie den Wunsch von Elvis nach Auslandsauftritten erfüllt. Hätte Elvis nicht seinen Armeedienst in der Bundesrepublik absolviert, den er ja u.a. auch zu Abstechern nach Paris genutzt hat, wäre er über Kanada nie hinausgekommen. Der Grund war ganz einfach, Colonel Parker hatte keinen gültigen amerikanischen Pass und konnte deshalb selbst das Land nicht verlassen, um seinen Schützling zu begleiten.

Hat der Colonel Elvis finanziell abgezockt?

Gelegentlich bestimmt, der Colonel war beispielsweise ein begeisterter Glücksspieler und hatte durchaus auch entsprechende Spielverluste in Las Vegas, was sich beispielsweise auch in den Verträgen niederschlug, die er dort für Elvis in den späten 60ern abschloss. Vermutlich gab es da auch Mafia-Kontakte. Nichtsdestotrotz musste sich Elvis während seiner Karriere nie ums Geld Sorgen machen. Seine Steuern wurden pünktlich bezahlt, er konnte auf großem Fuß leben, auch mal den einen oder anderen Cadillac verschenken und Graceland mit kitschigem Interieur und einer großen Waffensammlung füllen.

Ist Elvis denn als reicher Mann gestorben?

Also zumindest war er Millionär. Man spricht von einem hinterlassenen Vermögen von 250 Millionen Euro, aber so genau kann man das vermutlich gar nicht beziffern. Heute verdient man mit der Marke „Elvis Presley“ immer noch an die 45 Millionen Euro jährlich. Colonel Parker übrigens starb nicht ganz 20 Jahre nach Elvis am 21. Januar 1997.