Mo 13.01. 15:38
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"Rave The Planet"

Dr. Motte will wieder eine Loveparade in Berlin

Dr. Motte, der Erfinder der Loveparade, und sein Team der gemeinnützigen "Rave the Planet" GmbH wollen über das Spendensammeln herausfinden, ob Berlin bereit für eine neue Loveparade ist.

Dr. Motte © imago images/POP-EYE
Dr. Motte | © imago images/POP-EYE

30 Jahre ist es jetzt her, dass 150 Technofans 1989 zum ersten Mal in Berlin unter dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen" auf dem Kurfürstendamm getanzt haben. Matthias Roeingh, besser bekannt als Dr.Motte, hat die Loveparade gegründet. Später ist daraus ein Millionenspektakel geworden. Bis zum verheerenden Unglück 2010 in Duisburg.

Für 2020 hat der Loveparade-Erfinder Dr.Motte ein neues großes Projekt angekündigt. „Rave the Planet“ soll es heißen und weltweit Resonanz erzeugen – so zumindest die Ankündigung.

Heute wurde das Geheimnis gelüftet und Reporterin Pune Djalilehvand war dabei.

Dr. Motte © imago images/POP-EYE
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Pune, gibt es eine Loveparade 2.0?

Diese Frage gibt Dr. Motte, der Gründer der Loveparade heute bei der Pressekonferenz ganz demonstrativ weiter und fragt:

"Wollt ihr eine neue Loveparade in Berlin?"


Also er und sein Team von "Rave the Planet" sind bereit. Das haben sie heute deutlich gemacht. Sie planen eine Neuauflage der Loveparade in Berlin. Auf der Straße des 17. Juni, wo in den 90er Jahren schon über eine Millionen Menschen in schrillen Outfits den Technobeats getanzt haben. Nur wird die neue Parade nicht Loveparade heißen dürfen, weil Dr. Motte die Namensrechte damals abgegeben hatte.

Ist denn die Idee hinter der neuen Parade dieselbe wie damals?

"Rave the Planet" will alle Menschen in der elektronischen Musik friedlich zusammenbringen. Dr. Motte beschreibt das so:

"Der Spirit unserer elektronischen Tanzmusikkultur ist Liebe, Frieden, Akzeptanz, Respekt und Vielfalt."


Weil ihm dieser Spirit bei der alten Loveparade durch die Kommerzialisierung durch immer mehr Sponsoren irgendwann verloren gegangen ist, hat er sich 2006 von ihr distanziert.

Um jetzt unabhängig von Großsponsoren zu sein, haben sie ein Fundraising-Modell aufgestellt. Sie nennen des Fund-Raving. Die neue Parade soll also über Spenden finanziert werden. Und um zu visualisieren, wie viel Spenden zusammengekommen sind, haben sie in der Mall of Berlin, dort wo früher mal der Technoclub Tresor stand, ein Modell der Straße des 17. Juni aufgebaut. Es ist 50 Meter lang. Man kann online oder vor Ort spenden. Für fünf Euro finanziert man symbolisch eine zwei Zentimeter große Figur, die dort auf das Modell geklebt wird. Ziel: 1,5 Millionen Miniraver aufzustellen und mit einem Fundraving eine neue Parade auf die Beine zu stellen.

Die Spendenaktion funktioniert als Stimmungsbarometer. Kommt genug Geld zusammen, soll die neue Parade stattfinden.

Und wenn nicht?

Die Spenden sollen auch in andere gemeinnützige Projekte fließen. Dr. Motte und seine Mistreiter wollen sich nach eigenen Angaben auch für den Erhalt der Technokultur stark machen. Immer mehr Clubs in Berlin kämpfen ja wegen steigender Mietung um ihre Existenz.

Nun ist das Berlin 1989, als die Loveparade gegründet wurde ein anderes als 2020. Wie politisch kann oder will die neue Parade denn sein?

Ja, sie haben noch eine Reihe weiterer ambitionierter Ziele formuliert: Sie fordern nämlich einen offiziell anerkannten Feiertag der elektronischen Tanzmusikkultur. Und sie fordern, dass elektronische Tanzmusik bei der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe schützen lassen.

Und für Dr. Motte kann man heute, wie vor 30 Jahren, Politik und Kultur - in seinem Fall Raven - nicht trennen.