Angebliche "technische Probleme"

Berliner Schaubühne muss Tournee in China abbrechen

Die Berliner Schaubühne muss nach einem Eklat während der Aufführung von "Ein Volksfeind" in Peking ihre China-Tournee abbrechen.

Christoph Gawenda und Thomas Bading in "Ein Volksfeind" © Arno Declair
Christoph Gawenda und Thomas Bading in "Ein Volksfeind" | © Arno Declair

Die chinesische Staatszensur hat die Berliner Schaubühne gezwungen, ihre China-Tournee abzubrechen. Offiziell wurde dem Schaubühne-Team gesagt, es gebe technische Probleme. Wirklicher Hintergrund des Eklats dürfte aber die Aufführung des Stückes „Ein Volksfeind“ von Hendrik Ibsen sein, in dem es um Wahrheit, Meinungsfreiheit und die Manipulierbarkein der Massen geht. Keine wirklich beliebten Themen bei der chinesischen Staats- und Parteiführung.

Am Ende der ersten Vorführung in Peking traten die Darsteller in einen offenen Dialog mit dem Publikum. Dabei beklagten sich Zuschauer über Zensur und die Verlogenheit der Staatspresse. Eine zweite Aufführung durfte in Peking nur in einer entschärften Version gespielt werden. Die nächsten Vorstellungen in der Stadt Nanjing wurden nun gestrichen.

Steen Lorenzen sprach darüber mit Tobias Veit, dem Direktor der Schaubühne.


Welche Folgen der Eklat für die künftige deutsch-chinesischen Kulturzusammenarbeit hat, ist offen. Der de-facto Rauswurf der Schaubühne zeigt, wie sehr sich das politisch-gesellschaftliche Klima in China in den vergangenen Jahren verschärft hat. Debatten, offene Diskussionen und kritische Stimmen haben quasi keine Chance mehr.