Wegen seines Umgangs mit dem Krieg - Youtube-Präsenz von Radio Radonesh ausgesetzt

Youtube sablokirowal transljazii kanala Radio Radonesh
© radonezh.ru

Nach einer Reihe von staatlichen und kommerziellen Medienhäusern hat es jetzt auch den Sender der russisch-orthodoxen Kirche getroffen: Radio Radonesh kann zumindest vorerst keine Inhalte mehr auf Youtube veröffentlichen. Auslöser waren auch hier Sendungen über die „militärische Sonderoperation“.

Nach Angaben des Senders hat Youtube „diskriminierende Äußerungen“ in den fraglichen Sendungen beanstandet. Der betreffende Kanal wurde zwar nicht gelöscht, kann nach einer letzten Übertragung am 3. Mai aber nicht mehr bespielt werden.

Radio Radonesh will dagegen Beschwerde bei der Regulierungsbehörde Roskomnadsor einreichen. Damit gesellt der Sender sich zu der Schar von Personen und Organisationen, die auf eine Sperrung von Youtube in der Russischen Föderation hinarbeiten.

Bei dieser Gelegenheit beklagte der Direktor von Radio Radonesh, Jewgeni Nikiforow, einen „beispiellosen DDoS-Angriff“, dem man „die gesamte Passionszeit über“ ausgesetzt gewesen sei. Bei dessen Abwehr habe man sich einzig auf die eigenen Techniker stützen können:

„Feinde Russlands schätzten die Effektivität unserer Aktivitäten sehr, was man von den staatlichen Strukturen, die zu ihrer Unterstützung aufgerufen sind, nicht sagen kann.“

Von einer solchen Unterstützung kann wohl in der Tat nicht die Rede sein. Das zeigte sich besonders in Moskau, wo Radio Radonesh vom staatlichen Unternehmen RTRS umstandslos die Mittelwellenfrequenz abgestellt wurde, um das Grundstück der Sendestation verkaufen zu können.

Radio Radonesh präsentiert auch prominent Spendenaufrufe und betont, auf solche Unterstützung angewiesen zu sein.

Noch schlechter stellt sich die wirtschaftliche Lage beim regionalen Sender der russisch-orthodoxen Kirche in Sankt Petersburg, Grad Petrow, dar. Er vollführt gerade eine regelrechte Erpressung seiner Anhänger: Wenn nicht genug Spenden eintreffen, geht die derzeit ausgeschaltete Hauptfrequenz nicht mehr in Betrieb.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 10.05.2022