Seit drei Jahrzehnten - Die Voice of America aus Botswana

Voice of America, Botswana
Andenken an die Eröffnung der Sendestation | © VOA

Neben São Tomé ist Botswana ein weiterer Standort, an dem die Voice of America (präzise gesagt: die für sie tätige Betriebsdirektion TSI) auch heute noch eigene Sendeanlagen betreibt. Sie gehören zu den Sendern der VOA, die in Europa, das schon seit den 90er Jahren kein Zielgebiet des Kurzwellendienstes mehr ist, am besten zu hören sind.

Die Anlagen sind denen auf São Tomé ziemlich ähnlich. 1991/1992 wurden auch hier vier Kurzwellensender mit jeweils 100 kW Leistung installiert, nur in diesem Fall von einem US-amerikanischen Lieferanten.

Auch hier kam später noch eine Mittelwellenanlage mit 600 kW hinzu (von der in Europa nichts zu hören sein wird, so lange ihre Frequenz 909 kHz mit hoher Leistung aus Großbritannien belegt ist). Und auch hier begannen, in diesem Fall mit einem der vorhandenen Sender, 2005 Ausstrahlungen im 60-Meterband.

Zu Zeiten von Robert Mugabe wurde Botswana aus Harare wegen der Ausstrahlung des Simbabwe-Programms der VOA massiv unter Druck gesetzt. Daran beteiligte sich auch die Partei des früheren Oppositionsführers Morgan Tsvangirai († 2018), der von 2009 bis 2013 unter Mugabe als Premierminister amtierte.

Auf diese Politik reagierte ein exilsimbabwisches Radioprojekt in London mit Empörung und formulierte den sowohl an Mugabe als auch Tsvangirai gerichteten Ausruf „Jungs, kriegt euch bitte wieder ein“. Ein Aktivist der weißen Farmer in Simbabwe wiederum nannte seinerseits Tsvangirai eine „große Enttäuschung“.

Bei seinen Attacken versuchte Simbabwe auch, den Mittelwellensender als Piraterie einzustufen und verwies auf eine angebliche internationale Koordinierung der Frequenz, die man selbst besitze. Eine solche ist jedoch weder in Unterlagen zu finden noch jemals in die Praxis umgesetzt worden.

2013, mit dem Beginn einer weiteren Amtszeit von Mugabe, kündigte Tsvangirai die Zusammenarbeit auf und beklagte massiven Wahlbetrug. Parallel zu dieser Präsidentschaftswahl war das Amt des Premierministers abgeschafft worden. Somit verschwand Tsvangirai von der politischen Bühne.

Bekanntlich folgte ihm Mugabe nach weiteren vier Jahren. In den anschließenden Wochen bis Februar 2018 blieb die VOA aus Botswana rund um die Uhr auf Sendung. Wie sich inzwischen zeigte, war das nicht der Beginn einer besseren Zukunft für Simbabwe.

VOA – Mugabe resigns
Bildschirmfoto vom 21.11.2017 | © https://www.voazimbabwe.com

Im Gegensatz zu anderen Senderstandorten, eingeschlossen São Tomé, übertragen die VOA-Sender in Botswana bis heute ausschließlich Eigenprogramme. Ob das Gastgeberland auch Ausstrahlungen für Dritte gestatten würde, ist nicht bekannt.

Entsprechend der Lage von Botswana im afrikanischen Kontinent strahlen die Vorhangantennen für überregionale Sendungen stets in nördliche Richtungen. Das sorgt für eine recht gute Hörbarkeit in Europa und führte inzwischen zu einer Nutzung der Anlage für Ausstrahlungen bis in die Türkei.

Bis zum 30. Oktober 2022 sieht der Programmablauf wie folgt aus. Größere saisonale Änderungen zu diesem Termin sind hier nicht zu erwarten. Mit nach MEZ jeweils einer Stunde früheren Sendezeiten und ggf. einzelnen Frequenzänderungen sollten die Angaben also prinzipiell ab dem 31. Oktober weiter gelten.

05.00-06.00 Uhr: 6080 kHz; Englisch
05.00-07.00 Uhr: 5925 kHz; Englisch
05.00-08.00 Uhr: 4930 kHz; Simbabwe-Prog., Englisch
05.30-06.30 Uhr: 7460 kHz; Kinyarw/Kir., Mo-Fr bis 7.30
Mo-Fr 06.00-07.00 Uhr: 6140 kHz; Simbabwe-Prog.
Mo-Fr 07.00-07.30 Uhr: 11995 kHz; Kinyarw./Kir.
07.00-09.00 Uhr: 15580 kHz; Englisch
Mo-Fr 07.30-08.30 Uhr: 13830 kHz; Französisch
09.00-09.30 Uhr: 17700 kHz; Haussa
Mi, Sa 10.30-11.00 Uhr: 13830, 17530 kHz; Französ.
Sa 13.00-13.30 Uhr: 15730 kHz; Französisch
15.00-16.00 Uhr: 15730 kHz; Somali
16.00-17.00 Uhr: 15610 kHz; Kurdisch
16.00-18.30 Uhr: 5940 kHz; Englisch
16.00-23.00 Uhr: 4930 kHz; Simbabwe-Prog., Englisch
16.00-24.00 Uhr: 15580 kHz; Engl. (nicht Mo-Fr 18.30-19.30)
17.00-18.00 Uhr: 17530 kHz; Englisch
18.00-19.00 Uhr: 15730 kHz; Somali
Mo-Fr 18.30-19.00 Uhr: 11910 kHz; Englisch
18.30-19.00 Uhr: 15260 kHz; Suaheli
19.00-20.00 Uhr: 6045 kHz; Simbabwe-Programm
19.00-20.00 Uhr: 12080 kHz; Portugies., Mo-Fr bis 20.30
20.00-22.00 Uhr: 6080 kHz; Englisch
20.30-21.30 Uhr: 9490 kHz; Französisch
Mo-Fr 21.30-22.00 Uhr: 11870 kHz; Kinyarw./Kir.
22.00-22.30 Uhr: 6045, 9470 kHz; Französisch
22.00-24.00 Uhr: 6195 kHz; Englisch
Sa-So 22.30-23.00 Uhr: 11900 kHz; Französisch
Mo-Fr 23.00-23.30 Uhr: 9470 kHz; Französisch
Mo-Fr 23.30-24.00 Uhr: 9555 kHz; Bambara

Außerhalb der angegebenen Zeiten wird ein Teil der Frequenzen, teils mit nahtloser Umschaltung, auch von anderen Standorten aus eingesetzt.

„Englisch“ meint dabei dieses Programm, das auf ganz Afrika zugeschnitten ist. Die speziellen Sendungen für Simbabwe werden außer in Englisch auch in den Sprachen der hauptsächlichen Ethnien des Landes, Ndebele und Shona, gestaltet.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 29.08.2022