Greta Van Susteren - VOA-Korrespondentin will zu Newsmax

CDC in Atlanta
Ein Gebäude der CDC-Zentrale in Atlanta | © Brett Weinstein, CC

Wie unbegrenzt die Möglichkeiten in den USA sind, zeigt gerade eine Journalistin, die bislang unter anderem für die Voice of America tätig und 2020 auf der schwarzen Liste der Seuchenschutzbehörde CDC gelandet war: Sie ist im Begriff, bei Newsmax und damit einem Trumpisten-Sender einzusteigen.

Über das geplante, noch nicht offiziell bestätigte Engagement von Greta Van Susteren berichtete zuerst Mediaite.com.

Newsmax sucht, sich als „bessere“ Alternative zu Fox News zu positionieren und ist dazu in das Geschäft mit Trumps Verschwörungstheorien über die „gestohlene Wahl“ eingestiegen. Ein Mitwirkender des Senders ist auch in Europa ein alter Bekannter: Sean Spicer.

Stand vom 29.04.2022


 

Bericht vom 5. Oktober 2021:

Die CDC wird juristisch dazu gezwungen, ihre 2020 praktizierte Boykottierung unter anderem der Voice of America umfassend offenzulegen.

Das Urteil erging auf die Klage eines Instituts der Columbia University. Nach dessen Ansicht hatte die CDC ein Auskunftsverlangen nur oberflächlich bearbeitet und einige Schriftstücke, die trotzdem auftauchten, auch noch gezielt zurückgehalten.

Mit diesem Auskunftsverlangen ging das Institut einer Reihe von Medienberichten nach, laut denen eine eigenständige Kommunikation der – mit dem deutschen Robert-Koch-Institut vergleichbaren – Behörde durch das Büro des damaligen Vizepräsidenten Mike Pence unterbunden wurde.

Herausgegeben hatte die CDC zunächst nur vier Schriftstücke, die auch noch massiv zensiert wurden. Darunter befand sich eine interne E-Mail, die selbst so schon für sich sprach.

As a rule, do not send up requests for Greta Van Sustern [sic] or anyone affiliated with Voice of America.
© Columbia University

Verfasserin dieser Mail ist die frühere Pressesprecherin des Landwirtschaftsministeriums, Michawn Rich. Sie war im Frühjahr 2020 zur CDC abgeordnet worden, um bei deren Kommunikation zu „helfen“. Inzwischen ist Rich für den republikanischen Senator Roger Marshall tätig.

In ihrer Mail wies Rich an, auf Interviewanfragen der VOA-Korrespondentin Greta Van Susteren „oder irgendjemandem, der mit der Voice of America verbunden ist“, nicht zu reagieren.

Zur Begründung verlinkte Rich eine massive Attacke des Weißen Hauses auf die VOA. Mit dieser Aussendung begann die Trump-Administration damit, die von ihr bis dahin ignorierten Auslandssender unter Kontrolle zu bringen.

Whitehouse.gov: Voice of America spends your money to speak for authoritarian regimes
Die ursprüngliche Newsletter-Fassung der Attacke | © whitehouse.gov

Zunächst versuchte die so diffamierte Korrespondentin, ihre vermeintliche Kollegin anzusprechen. Nachdem eine Reaktion ausblieb, bezeichnete sie Rich als „Feigling“ und zeigte besonders, wie dieser Kommunikationsprofi auch die eigenen Tweets vor der Öffentlichkeit versteckt.

Die VOA ihrerseits veröffentlichte eine Stellungnahme ihrer Direktorin, Amanda Bennett. Darin schrieb sie, man sei „schockiert“ über den Inhalt der CDC-Dokumente.

Diese Stellungnahme war zugleich ihre letzte öffentliche Handlung. Sie trat zusammen mit ihrer Stellvertreterin am folgenden Morgen zurück. Grund war der unmittelbar bevorstehende Antritt eines neuen, von der Trump-Administration installierten Generaldirektors der US-Auslandssender, der Bennett ansonsten fristlos entlassen hätte.

June 15, 2020. Friends -- It is time for us to leave you. This morning we sent our resignations to Michael Pack, the newly-arrived CEO of the US Agency for Global Media.
Die interne Abschiedsmail von Amanda Bennett | © Paul Farhi

Der neue Generaldirektor, Michael Pack, ging sogleich daran, die VOA auf Linie zu bringen. Von anhaltender Wirkung war das nur deshalb nicht, weil Pack unmittelbar nach der Vereidigung von Joe Biden zum Rücktritt gezwungen und seine Personalentscheidungen sofort zurückgedreht wurden.

Von unterschiedlicher Seite erscheinen angesichts der Politik der Republikaner inzwischen Kommentare, die weiterhin bzw. erneut die Möglichkeit eines Untergangs der Demokratie in den USA sehen. Ein langjähriger Medienjournalist und Hörerforscher der VOA fordert bereits von den internationalen Sendern anderer Länder, Konzepte für diesen Fall zu erarbeiten.

Financial Times: The strange death of American democracy. Kim Andrew Elliott: Implications for international broadcasting to the USA. Contingencies must be planned.
© Twitter

 

Autor: Kai Ludwig