Erinnerung aus den USA

Funkstille um Uganda

Behördenunterlagen erinnerten in den USA gerade an eine private Kurzwellenstation, die seit Dezember nicht mehr auf Sendung ist. Dies wiederum erinnerte an die Repressionen in Uganda, die im Gegensatz zu früheren Jahren inzwischen keinen Niederschlag in Rundfunksendungen mehr finden.

Radio Lead Africa, 5910 kHz
2016: Das (in der Zwischenzeit offenbar gekaperte) Facebook-Profil von Radio Lead Africa

Solche Sendungen kamen von 2003 bis 2004 auch aus Deutschland: Als Radio Rhino International, produziert in Köln mit Unterstützung des Allerweltshaus bei der Radiowerkstatt Flok, abgestrahlt über die inzwischen nicht mehr existierende Kurzwellenstation Jülich.

Im Umfeld der Wahlen von 2016 war dann für wenige Wochen ein Uganda Diaspora Radio aktiv. Die Ausstrahlung übernahm erneut die heutige Media Broadcast; diesmal teils aus Nauen, teils über die Sender ihres Partners TDF in Frankreich.

Dazu gesellte sich noch ein „Radio Lead Africa“. Betrieben wurde es ebenfalls von Exil-Ugandern, in diesem Fall in Südafrika. Sie bestellten dafür Sendezeit auf der seinerzeit noch aktiv gewesenen Kurzwellenanlage bei Johannesburg. Anfang April 2016 verschwand auch dieses Projekt wieder.

Ein Teil der hier ausgestrahlten Beiträge stammte von Radio Munansi, einem Internetradio in den USA. Nach dem Ende der Sendungen aus Südafrika kaufte Radio Munansi noch Sendezeit bei WWRB, einer privaten Kurzwellenstation im US-Bundesstaat Tennessee.

Diese Sendeserie lief bis Anfang 2017. Eine Wiederaufnahme im Februar 2018 blieb eine Eintagsfliege.

WWRB
Die Kurzwellenstation WWRB in einem Bild aus besseren Tagen

Der Rückzug von Radio Munansi markierte den Anfang der Marginalisierung von WWRB, seinerseits ein typischer Vertreter der schillernden, oft ausgesprochen fragwürdigen Landschaft privater Kurzwellenstationen in den USA.

WWRB ist das Einmannunternehmen eines Betreibers, der immer wieder mit erratischem Verhalten auffiel. Bis 2004 hatte dieser David Frantz keine Skrupel, Sendungen mit rechtsradikalem und verschwörungstheoretischem Inhalt auszustrahlen.

Dann schwenkte Frantz auf religiöse Programme um und biederte sich bei den Produzenten solcher Sendungen als „Brother Dave“ an. 2016 äußerte er sich enttäuscht von den Evangelisten und kehrte zu seinem früheren „Konzept“ zurück, wobei wenigstens die extremsten Auswüchse außen vor zu bleiben schienen.

Anfang 2018 endete bei WWRB die Ausstrahlung des Sektenführers Ralph Gordon Stair, die bis dahin rund um die Uhr lief. Nachdem kurz danach auch die Übertragungen von Radio Munansi entfielen, sendete WWRB nur noch rund zwölf Stunden pro Woche auf 3185, 3215 oder 5050 kHz.

Frantz sprach dabei zuletzt von einem völlig unwirtschaftlich gewordenen, nur noch aus Liebhaberei aufrechterhaltenen Betrieb. Dafür habe er noch einen Sender und eine Antenne behalten. Alle anderen Anlagenteile habe er verschrottet, um das Grundstück als Flugplatz zu nutzen.

Seit Dezember sind nun auch diese restlichen Sendungen verschwunden. WWRB zeigt sich jetzt als reines Internetradio, das Sendezeit zu einem Preis anbietet, als gäbe es die HF-Ausstrahlung immer noch. Mit Brummen und Rauschen präsentiert WWRB auch immer noch seine minderwertige Studiotechnik.

Bemerkt hat die Einstellung des Sendebetriebs natürlich niemand. Den Beobachtern der Szene in den USA ist stattdessen eine behördliche Bekanntmachung aufgefallen, laut der Frantz die Betriebsgenehmigung wieder erlangen möchte.

[Nachtrag: Wie es dazu aus der zuständigen Behörde FCC hieß, sei die Lizenz von WWRB abgelaufen. Als der Betreiber davon in Kenntnis gesetzt wurde, habe er seine Sendungen eingestellt und die Unterlagen für eine neue Lizenz eingereicht.]

Wenn jetzt auf 3215 kHz eine Rundfunksendung zu hören ist (stundenweise wieder mit dem bei WWRB abgeschalteten Stair-Programm), kommt sie zwar immer noch aus Tennessee, jedoch von einer anderen Station: Dem bei der Wahl seiner Sendekunden noch unempfindlicheren WWCR.

Uganda Diaspora Radio, 15405 kHz
Auf dieser Frequenz auch nur für wenige Wochen 2016 aus Frankreich abgestrahlt

Im Umfeld der diesjährigen Wahlen in Uganda (die keine Überraschung brachten) wurden nun keine erneuten Hörfunkaktivitäten bekannt.

Das war so nicht unbedingt zu erwarten, denn was 2016 geschah, hat sich 2021 wiederholt: Der Zugriff auf Internetdienste wurde massiv eingeschränkt.

Nicht nur mit dieser Praxis liegt Uganda ganz im afrikanischen Trend, sondern auch mit der inzwischen vollzogenen Einstellung des AM-Rundfunks. Schlagzeilen machte hier zuletzt 2004 der Verkauf eines Teils des Grundstücks, auf dem Radio Uganda seinerzeit noch zwei Kurzwellensender betrieb.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 29.01.2021