Bis 2028

Japanische Privatsender verlassen die Mittelwelle

In Japan gab es bis heute keine Einschränkungen bei der Hörfunkverbreitung auf Mittelwelle. Das wird sich in den kommenden Jahren jedoch drastisch ändern. Von den 47 hier aktiven Privatsendern haben 44 angekündigt, ihre AM-Verbreitung bis 2028 aufzugeben.

TBS Radio, 954 kHz, 100 kW
© TBS

Bei einer Konferenz am 15. Juni 2021 ließen nur drei Stationen aus Hokkaido und Akita noch offen, ob sie den Schritt mitgehen werden. Drei Betreiber von Großsendern in Tokio (TBS, Bunka Hoso, Nippon Hoso) behalten sich eine endgültige Entscheidung für 2025 vor.

Als Pilotprojekt wollen 28 Stationen ihre Mittelwellensender bereits 2023 abschalten. Wenn sich dabei keine Probleme zeigen, sollen die derzeit noch bestehenden Auflagen zur Aufrechterhaltung des AM-Betriebs bis 2028 entfallen.

Von den in Japan auf Mittelwelle aktiven Privatsendern verfügen 16 über keine UKW-Frequenzen. Dem soll in den kommenden Jahren abgeholfen werden.

Schon 2019 hatten die kommerziellen Hörfunkveranstalter auf einen Rückgang der Werbeeinnahmen verwiesen, durch den es auf Dauer nicht mehr möglich sei, den Weiterbetrieb des Mittelwellennetzes, insbesondere auch die hier erforderlichen Ersatzinvestitionen, noch zu finanzieren.

Wie es nun zusätzlich hieß, werde die digitale „Radiko“-Plattform bereits jetzt in größerem Umfang genutzt als der Mittelwellenempfang. Das gelte insbesondere für die jüngere Generation.


Der angekündigte Schritt wirft erneut die Frage auf, was aus dem Hörfunk des öffentlich-rechtlichen NHK wird. 2020 war hier die Rede von einer Reduzierung von bisher drei auf zwei Programme.

Nur für eine seiner Hörfunkwellen verfügt NHK über UKW-Frequenzen. Die anderen beiden Programme laufen terrestrisch ausschließlich auf Mittelwelle. Dafür besteht ein Netz aus neun Großsendern mit 100 bis 500 kW sowie mehr als 300 Sendern geringerer Leistung, davon der größte Teil ausgesprochene Kleinsender mit Leistungen unter einem Kilowatt.

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Takahito Akabayashi; Stand vom 18.06.2021