Island

Alte Langwellenmasten in Reykjavík abgerissen

Am 11. August 2021 verschwand wieder einmal eine alte Antennenanlage des AM-Rundfunks von der Bildfläche. Eliminiert wurden diesmal die Langwellenmasten am südöstlichen Stadtrand von Reykjavík, im Stadtteil Vatnsendi.

Sender Reykjavík-Vatnsendi
Funkanlagen in Reykjavík-Vatnsendi; links und rechts die jetzt verschwundenen Langwellenstrahler | © Stalfur/Mapillary, CC

Die beiden Masten (sie bündelten die Sendeenergie entsprechend der geographischen Ausdehnung von Island nach Nordosten) sollen bereits zum Start des Rundfunkbetriebs im Jahre 1930 gebaut worden sein.

Etwas jünger ist die zuletzt genutzte Senderanlage, die ein einschlägiger Beitrag ebenfalls zeigt. Sie stammt von der Firma Brown Boveri (Schweiz), hatte eine Leistung von 100 kW und dürfte zwischen etwa 1950 und 1960 installiert worden sein.

Der Betrieb dieser Anlage endete bereits in den 90er Jahren. Abgelöst wurde sie 1997 durch den 300 kW starken, jetzt noch mit 100 kW betriebenen Sender Gufuskálar bei Helissandur, ganz im Westen von Island. Dort wird ein 412 Meter hoher Mast nachgenutzt, der zuvor dem hier 1994 stillgelegten Navigationssystem Loran-C (100 kHz) diente.

Dieser Umzug war verbunden mit einem Frequenzwechsel. Statt auf dem alten Reykjavík-Kanal 207 kHz arbeitet der Sender Gufuskálar auf der Frequenz 189 kHz, die er inzwischen in der ganzen Welt für sich allein hat.

Sender Gufuskálar
Der Sender Gufuskálar | © MachaChiana, CC-BY-SA

Auf 207 kHz lief einst – was auch der Hintergrund des Frequenzwechsels war – ein Gleichwellenbetrieb: Im Verbund mit Reykjavík-Vatnsendi arbeitete der Sender Eiðar, im Osten von Island bei Egilsstaðir.

Die dortige, mit einem 220 Meter hohen Mast ausgestattete Sendeanlage wurde auf 207 kHz belassen, jedoch 1999 mit neuer Technik ausgestattet und dabei von 20 auf 100 kW verstärkt.

Inzwischen arbeitet auch dieser Sender nicht mehr mit voller Leistung; gesprochen wird jetzt von 75 oder gar nur noch 50 kW. Nachdem die Frequenz inzwischen von allen anderen Sendern in Europa geräumt ist, reicht aber auch das, um nachts bis in die deutschsprachigen Länder durchzukommen.

Sender Eiðar
Der Sender Eiðar | © Wikipedia (anonym)

2016 ging die Station Vatnsendi noch einmal auf Sendung, diesmal auf der Mittelwelle 666 kHz, allerdings nur mit geringer Leistung (1 kW). Übertragen wurde zunächst eine Musikschleife, später das seit 1983 bestehende zweite Hörfunkprogramm.

Auf der Frequenz arbeitete zuvor ein Sender bei Höfn an der Südostküste. Er war zusammen mit einem Sender bei Skjaldarvik im Norden der Insel (738 kHz) stillgelegt worden, nachdem die verstärkten Langwellen den weiteren Betrieb dieser Füllsender erübrigten.

Bei der nochmaligen Ausstrahlung aus Reykjavík handelte es sich um einen Betriebsversuch, der klären sollte, ob die Langwellen eventuell durch ein Netz von Mittelwellensendern kleinerer Leistung ersetzt werden könnten.

Hintergrund waren zum einen die erheblichen Mittel, die für die Erhaltung der hohen Masten aufgewendet werden müssen. Zu einem Problem entwickelt hat sich außerdem die Praxis eines japanischen Herstellers, auch in Island seine Fahrzeuge mit Radios auszustatten, die zwar für die Mittelwelle, nicht aber für die Langwelle eingerichtet sind.

Zu hören war von dem Plan, die Langwelle aufzugeben, trotzdem bis jetzt nichts weiter. Der Betriebsversuch, damit auch der Sendebetrieb an diesem Standort überhaupt, wurde in Vatnsendi 2017 oder kurz danach sang- und klanglos beendet.

2001: Ríkisútvarpið auf 13865 kHz
Souvenir aus den Tagen, als Ríkisútvarpið terrestrisch auch noch in Südamerika zu hören war | © Sammlung Rudolf Grimm

Tatsächlich längst Geschichte ist beim isländischen Rundfunk Ríkisútvarpið hingegen der Kurzwellendienst. Als ständige Einrichtung gab es ihn ungefähr ab 1973, in seiner letzten Ausprägung mit fünf täglichen Sendungen, davon drei Wiederholungen.

Gesendet wurde in kostengünstiger Weise mit 10 kW über die ursprünglich für andere Funkanwendungen bestimmte Kurzwellenstation Rjúpnahæð, gut anderthalb Kilometer entfernt vom Langwellensender Vatnsendi.

Dadurch konnte der Kurzwellendienst, nachdem er bereits mehrere Monate geruht hatte, Ende 2001 trotz Budgetzwängen noch einmal aufgenommen werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sein Wegfall noch zu einer unerwartet großen Zahl von Beschwerden geführt.

Als Ersatz schaltete Ríkisútvarpið seine beiden Hörfunkwellen schließlich unverschlüsselt auf die Thor-Satelliten auf. Zum 1. Juli 2007 verschwanden die Übertragungen auf Kurzwelle damit endgültig. Die Sendestation Rjúpnahæð wurde wenige Monate später eliminiert. Zurück blieb nur Wiesenland.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 13.08.2021