Irland

RTÉ kündigt erneute längere Langwellenpause an

Der irische Rundfunk RTÉ scheint eine neue Betriebsweise für seinen Langwellensender zu entwickeln: Aller zwei Jahre eine Abschaltung über zwei Monate. Diesmal soll sie im Zeitraum vom 15. Juni bis 12. August 2021 liegen.

Langwellensender Dublin-Summerhill
Langwellensender von RTÉ in Summerhill bei Dublin | © Transradio

Zitiert wird eine Ankündigung von RTÉ, die wieder jene Begründung anführt, die bereits 2019 verwendet wurde: „Wichtige Wartungsarbeiten“.

Seinerzeit führte eine Finanzkrise zu Sparmaßnahmen im Volumen von 60 Millionen Euro, denen fast das erst 1999 gestartete Hörfunk-Kulturprogramm zum Opfer gefallen wäre. Letztlich wurde daraus „nur“ eine weitgehende Schließung des Studios Limerick, das bislang RTÉ Lyric FM produziert hat.

Politiker insbesondere der Fine Gael sehen es als interne Angelegenheit von RTÉ, wie es mit seiner dramatischen Unterfinanzierung umgeht. Zugleich bestehen sie auf einer Fortsetzung der Langwellenverbreitung.

Begründet wird das mit den rund 600.000 Migranten aus Irland, die in Großbritannien leben. Vielfach handelt es sich um Personen mit niedrigem Bildungsniveau, die vor Jahrzehnten ausgewandert sind und nun ihren Lebensabend unter prekären Umständen verbringen.

Bei seiner Berichterstattung machte das RTÉ-Fernsehen 2019 kein Hehl daraus, was die von massiven Sparmaßnahmen betroffenen Abteilungen des Hauses von der Auflage zum weiteren Betrieb des Langwellensenders halten.

RTÉ Lyric FM
Statt des ganzen Programms wurde nur dieser Studiostandort geschlossen: RTÉ in Limerick | © William Murphy, CC-BY-SA

Der Langwellensender war eigentlich überhaupt nicht für den eigenen Versorgungsbedarf von RTÉ bestimmt. Er entstand für ein Gemeinschaftsprojekt mit RTL, das primär auf Großbritannien zielte und von den dortigen Rundfunkveranstaltern zunächst als Piratenaktion gebrandmarkt wurde: Der Popsender Atlantic 252.

Dafür realisierten Lieferanten aus den USA bei Summerhill, westlich von Dublin, eine Sendeanlage mit einem 249 Meter hohen Mast. Das Programm kam nicht aus dem RTÉ-Funkhaus, sondern aus Studios im wenige Kilometer entfernten Dorf Trim.

Auf Dauer konnte sich dieses Musikformat auf Langwelle nicht halten. Das mündete 2001 in die Schließung. Ein 2002 gestarteter Versuch, auf der Frequenz mit „Teamtalk 252“ ein Sportprogramm zu etablieren, wurde nach wenigen Monaten umstandslos abgebrochen.

Danach gab es auf 252 kHz ein reichliches Jahr nur sporadische Tests der Sendeanlage. 2003 begann RTÉ schließlich mit einer Ausstrahlung der damaligen Mittelwellenversion von Radio 1 und ersetzte 2007 die Röhrensender durch einen neuen Transistorsender.

Eigentlich wollte RTÉ sich schon sieben Jahre nach dieser Modernisierung von der Langwelle verabschieden. Nach massiver Kritik wurde der Abschaltplan jedoch begraben und kann, wie sich nun zeigt, bis heute nicht durchgesetzt werden.

Um die Betriebskosten wenigstens zu reduzieren, arbeitet der Sender nicht mehr mit voller Leistung. Wegen der Brisanz des Themas äußert RTÉ sich dazu nicht offen. Hinter vorgehaltener Hand wurde einmal von 150 kW tagsüber und 60 kW abends/nachts geraunt.

Hingegen tatsächlich getrennt hat RTÉ sich inzwischen von der Mittelwelle. Den Auftakt gab 2004 die Schließung der mit ihren historischen Artefakten beeindruckenden, seit 1932 bestehenden Sendestation bei Athlone.

Ab 1979 hatte RTÉ hier auf 612 kHz ein zweites Programm ausgestrahlt, um den in Irland sprießenden Pop-Piraten etwas entgegenzusetzen. Bis dahin bestand das Hörfunkangebot von RTÉ nur aus einem einzigen Programm.

Die Mittelwellenverbreitung des ersten Programms übernahm auf 567 kHz ein 500 kW starker, mit japanischer Technik ausgerüsteter Sender bei Tullamore. 2008 wurde auch dieser Sender abgeschaltet.

Dreizehn Jahre später fanden nun die Mittelwellensendungen von BBC Northern Ireland ebenfalls ihr Ende.

How to Listen to RTÉ's Radio Services: FM, Longwave, Digital television, Internet
Infoseite zur DAB-Abschaltung | © rte.ie/keeplistening

Tatsächlich zum 1. April 2021 verlassen hat RTÉ einen Verbreitungsweg, der einst als Hoffnungsträger des linearen Hörfunks schlechthin galt: DAB.

Eigentlich sollten damit auch die fünf Digitalprogramme entfallen. Sie blieben nun aber doch erhalten. Ihre Verbreitung läuft weiterhin online, über DVB-T, über Kabel sowie über das spezielle, mit einer sehr engen Ausleuchtzone auf 20 GHz arbeitenden Saorsat-System.

Den Ausstieg aus DAB begründete RTÉ mit der Kombination aus einer unverminderten Popularität des UKW-Empfangs (Nutzung durch 77 Prozent der Bevölkerung) und der Steigerung bei den Zugriffen über Mobilfunk.

Konkret bezifferte RTÉ den Anteil der irischen Bevölkerung, der eine digitale Hörfunknutzung praktiziert, auf 8 Prozent. Dabei verwenden knapp 5 Prozent mobile Endgeräte, 2 Prozent einen PC, 1,5 Prozent Smart Speaker (also Alexa und ähnliche Produkte), 0,6 Prozent ihr Fernsehgerät und, damit inzwischen an letzter Stelle, 0,5 Prozent DAB.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 24.05.2021