Iran

IRIB-Kurzwelle ohne Deutsch, Russisch und Italienisch

2021 hatte der iranische Rundfunk IRIB weitere Schritte des allmählichen Ausstiegs aus dem Kurzwellenhörfunk vollzogen. Nun wurden, wie zuvor schon 2019, durch Umstellungen im Programmplan jene Sendungen, die vorerst auf Kurzwelle verbleiben sollen, auf die noch genutzten Kapazitäten verteilt.

IRIB in Teheran
Ein Hörfunkstudio des iranischen Rundfunks in Teheran | © IRIB

Im Juni 2021 war der Kurzwellenbetrieb in Sirdschan auf die gleichzeitige Einschaltung von nur noch drei Sendern beschränkt worden. Das führte zunächst zum Ausfall jeweils einer Sendung in Bosnisch oder Deutsch, Haussa, Kasachisch, Bengalisch und Türkisch.

Der erstgenannte Fall klärte sich durch eine Entscheidung, die Kurzwellenverbreitung der deutschen Sendung zum 22. Dezember diesmal wirklich einzustellen. Zugleich wurden auch die Sendungen in Russisch und Italienisch von der Kurzwelle genommen.

In drei Fällen sorgte eine Verschiebung der Sendezeiten um eine bis anderthalb Stunden für Abhilfe. Die in Sirdschan verbliebenen Ausstrahlungen (für Europa jetzt noch Englisch und die Sendungen für die islamisch geprägten Länder des Balkans) laufen damit seit dem 22. Januar nun nach diesem geänderten Schema:

01.53-03.20 Uhr: 7360 kHz; Tadschikisch
02.30-04.30 Uhr: 6040 kHz; Arabisch
03.23-04.20 Uhr: 6075 kHz; Paschtunisch
04.23-05.20 Uhr: 6070 kHz; Arabisch
04.30-07.00 Uhr: 9725 kHz; Arabisch
05.53-06.50 Uhr: 15140 kHz; Suaheli
05.23-05.50 Uhr: 11780 kHz; Hebräisch
05.23-06.50 Uhr: 11875 kHz; Türkisch
06.53-07.50 Uhr: 13710 kHz; Haussa
06.53-09.20 Uhr: 13690 kHz; Dari
07.00-09.30 Uhr: 13790 kHz; Arabisch
07.53-08.20 Uhr: 15440 kHz; Hebräisch
09.30-11.30 Uhr: 13820 kHz; Arabisch
10.23-13.50 Uhr: 13690 kHz; Dari
10.30-18.30 Uhr: 9800 kHz; Arabisch
11.53-12.20 Uhr: 17595 kHz; Haussa
12.23-12.50 Uhr: 11700 kHz; Kasachisch
12.53-13.20 Uhr: 15240 kHz; Hebräisch
13.23-14.20 Uhr: 9510 kHz; Paschtunisch
13.53-15.20 Uhr: 9835 kHz; Urdu
14.23-15.20 Uhr: 7355 kHz; Kurdisch
15.23-16.20 Uhr: 9390 kHz; Hindi
15.23-16.20 Uhr: 9620 kHz; Bengalisch
16.23-17.20 Uhr: 6000 kHz; Urdu
16.23-17.20 Uhr: 7300 kHz; Englisch
17.23-17.50 Uhr: 6150 kHz; Bengalisch
17.23-18.20 Uhr: 7430 kHz; Armenisch
17.53-19.20 Uhr: 9870 kHz; Türkisch
18.23-19.20 Uhr: 6110 kHz; Bosnisch
19.23-20.20 Uhr: 5925 und 5970 kHz; Albanisch
19.23-20.20 Uhr: 9475 kHz; Haussa
20.23-21.20 Uhr: 6040 und 11880 kHz; Englisch
(Sendepause)
23.23-00.20 Uhr: 7220 kHz; Haussa
(Sendepause bis 1.50 Uhr)

Eine Frequenz der Bengalisch-Sendung übernahm die kleine Kurzwellenstation Zahedan, wo noch immer beide Sender aktiv sind. Übertragen werden hier das Arabisch-Programm über nach Westen strahlende Vorhangantennen und die Fremdsprachensendungen über Rundstrahler.

03.30-06.30 Uhr: 7380 kHz; Arabisch
06.30-08.30 Uhr: 13820 kHz; Arabisch
11.30-15.30 Uhr: 9530 kHz; Arabisch
15.23-16.20 Uhr: 9870 kHz; Bengalisch
15.30-18.30 Uhr: 7310 kHz; Arabisch
17.53-18.50 Uhr: 6040 kHz; Paschtunisch
18.30-03.30 Uhr: 6060 kHz; Arabisch

Informationen von Alexander Busneag; Stand vom 06.02.2022



Die 31-Meterfrequenz des arabischen Programms soll tatsächlich 9530 kHz lauten. Wenn das Signal immer wieder auf 9130 kHz erscheint, ist das nicht beabsichtigt, sondern ein hartnäckiger technischer Fehler.

Zum Entfall des Verbreitungswegs Kurzwelle formulierte das deutsche Programm von IRIB,

„... dass alle Anstrengungen nun doch nicht ausgereicht haben, die Abschaltung der Kurzwellenausstrahlung für die deutschsprachigen Sendungen aus Teheran zu verhindern.
Die Entscheidung, die unter anderem mit Ihrer Hilfe, liebe Hörerfreunde, vor zwei Jahren schon einmal aufgehalten wurde, lässt sich nun doch nicht mehr abwenden – das ist die Tatsache, die wir heute verkünden müssen. Der aktuelle iranische Kalendermonat Azar ist am 21. Dezember zu Ende und mit diesem Datum endet die deutschsprachige Kurzwellenausstrahlung.“

An eben diesem Datum sollte der Schritt auch schon 2019 vollzogen werden. Nachdem die Übertragung im gerade vergangenen Herbst bereits für vier Wochen unterbrochen war, konnte diese Mitteilung deshalb erwartet werden.

2019 hatte es zum Termin verschiedene technische Umstellungen gegeben. Dabei wurden die englischen, französischen und russischen Programme erst durch eine Änderung ihrer Sendezeiten noch einmal in den Ablauf eingefügt.

Zur Sprache kamen in der Sendung vom 12. Dezember auch ganz grundsätzliche Fragen des Auslandsrundfunks jener Ausprägung, die einst weit verbreitet war. Die in sehr vielen Ländern gegebene Antwort, auf eine Ansprache des deutschsprachigen Raums einfach zu verzichten, soll in Teheran ausdrücklich nicht gelten:

„Diejenigen Hörerfreunde, die an unseren Programmen und der Sichtweise der Islamischen Republik Iran interessiert sind, werden unsere Sendungen weiterhin verfolgen, das ist klar. [...]
Wenn es dann nicht mehr um Empfangsberichte und QSL-Karten geht, können wir sicher auch andere Schwerpunkte finden, und wir sind auf Vorschläge aus Ihren Reihen gespannt, liebe Hörerfreunde.“

Eine der zu „Empfangsberichten und QSL-Karten“ zitierten Zuschriften zeigt dann auch noch die inzwischen beliebte Praxis, auf Empfangssysteme über das Internet zuzugreifen, was natürlich alle Argumente für eine Beibehaltung des alten Verbreitungswegs ad absurdum führt:

„Ich habe gestern versucht, Ihre Sendungen auf 5940 kHz zu empfangen, hatte aber leider keinen Erfolg. So habe ich es über die Uni Twente in den Niederlanden probiert und es hat geklappt.“

Jüngste Formulierung war nun, „solange Ihre Zuschriften nicht versiegen, werden wir versuchen auch die Hörerpostsendung zu erhalten“. In dieser Sendung zu besichtigen ist ein Konzept der Hörerbindung, wie es gerade ausführlich von Radio Berlin International beschrieben wurde.

Was sich in den letzten Monaten bei IRIB abgespielt hat, ist eine bemerkenswerte Wiederholung von Geschichte. Denn schon im Herbst 2003 gab es eine Unterbrechung der Kurzwellenübertragungen, die nach einer Woche zum Teil und nach vier Wochen vollständig revidiert wurde. Betroffen waren seinerzeit alle Ausstrahlungen nach Europa.

Und auch schon 2003 folgte dem die endgültige Abschaltung zum 22. Dezember. Sie dauerte seinerzeit ganze zehn Monate an. Erst im Spätherbst 2004 wurde das deutsche IRIB-Programm doch noch einmal auf die Kurzwelle aufgeschaltet.

Seinerzeit war im Iran noch die gesamte Infrastruktur des Kurzwellenrundfunks mit mehr als 30 Sendern aktiv. Zu der Frage, was hinter der zweimaligen Abschaltung von 2003 steckte, scheint es bei IRIB nicht einmal intern Antworten gegeben zu haben.

2006 kam es sogar noch zu einem Schritt in die entgegengesetzte Richtung: IRIB mietete für Europa sechs Stunden täglicher Sendezeit auf einem (inzwischen nicht mehr existierenden) Kurzwellensender in Litauen. Diese Ausstrahlungen fanden 2012 mit der Verhängung von EU-Sanktionen gegen IRIB ihr Ende.

 

Autor: Kai Ludwig