Keine baldige UKW-Abschaltung

Regierungskonzept zum Hörfunk in Großbritannien

Das britische Kulturministerium hat seine Vorstellungen zur Weiterentwicklung der Hörfunklandschaft vorgestellt. Demnach soll UKW noch mindestens bis 2030 betrieben werden. Der AM-Rundfunk hat hingegen auch in Großbritannien seine Relevanz bereits weitgehend verloren.

Policy paper: Digital radio and audio review, published 21 October 2021
© gov.uk

Das Papier zeichnet ein betont positives Bild der Bedeutung des Hörfunks, auf den nach wie vor der weitaus größte Teil der Audionutzung entfällt.

Gleich die erste Präsentation von Zahlen zeigt dazu allerdings auch schon eine Tendenz: Dieser Anteil ist von 77 Prozent im Jahre 2017 kontinuierlich auf 72 Prozent im Jahre 2020 zurückgegangen.

Innerhalb der Hörfunknutzung wiederum belaufen sich die Anteile der Verbreitungswege auf 33 Prozent für das – in dem Bericht ebenfalls schon „traditionell“ genannte – DAB, 23 Prozent auf UKW und Mittelwelle, 17 Prozent auf Smartphones, 8 Prozent auf Laptops/PC, 6 Prozent auf Alexa-artige Produkte und 19 Prozent auf weitere Geräte unterschiedlicher Art.

Wirklich dominierend sind die traditionellen Hörfunktechniken dabei jedoch nur noch in der Altersgruppe über 55 Jahre. Bei der Jugend von 15 bis 24 Jahren ist mittlerweile das Smartphone mit 38 Prozent das vorherrschende Radiogerät. DAB, UKW und Mittelwelle kommen hier nur noch auf zusammen 33 Prozent.

In aller Länge und Breite geht der Bericht auf den Gerätemarkt ein. Formuliert wird dabei eine Befürchtung: Ein Verkaufsverbot etwa für billige UKW-Radios könnte bei den Verbrauchern statt der erhofften Anschaffung von DAB den völligen Verzicht auf einen nochmaligen Erwerb von dedizierten Hörfunkgeräten bewirken.

Weiter stellt der Bericht das Konzept „Hybridradio“ heraus, mit dem es den traditionellen Hörfunkveranstaltern gelingen soll, trotz der Verbreitung von IP-Techniken ihre dominierende Stellung gegenüber den neuen Wettbewerbern zu verteidigen. Dabei geht es um Lösungen, wie sie in Deutschland mit ARD-Audiothek und Radioplayer existieren.

Vorgeschlagen wird dazu eine harte Regulierung von Plattformbetreibern. Sie sollen verpflichtet werden, die Dienste britischer Audioanbieter uneingeschränkt, kostenlos und gut auffindbar zur Verfügung zu stellen. Das schließt eine prominente Präsentierung der Hörfunkbranche auf den Bedienoberflächen von Kraftfahrzeugen ein.

Nach Ansicht der Autoren des Berichts ist der Hörfunk möglicherweise das am härtesten regulierte Medium in Großbritannien. Sie mahnen hier Erleichterungen sowohl für den kommerziellen Bereich als auch für die BBC an und nennen als Beispiel das Ausmaß an Pflichthinweisen, mit denen Werbung für Finanzprodukte zu versehen ist.

Ein weiteres Ziel wird darin gesehen, bei der BBC die Auslagerung der Produktion auch von Audiobeiträgen voranzutreiben. Der Bericht verweist dazu auf eine eigene Zielstellung der BBC, die Eigenproduktionsquote ihres Hörfunks auf 47 Prozent zu reduzieren.

Im laufenden Jahrzehnt werde, so der Bericht, UKW weiter ein relevanter Verbreitungsweg bleiben. Dieser Frequenzbereich werde daher mindestens bis 2030 weiter für den Rundfunk benötigt, bis dahin werde der weitere Betrieb von den Programmveranstaltern als wirtschaftlich eingeschätzt. Für DAB formuliert der Bericht den Zeithorizont „für die vorhersehbare Zukunft“.

Auf die Mittelwelle entfallen, nach einem Rückgang um mehr als die Hälfte in den letzten zehn Jahren, derzeit noch 3 Prozent der Hörfunknutzung in Großbritannien. Davon wiederum entfallen 70 Prozent auf die flächendeckend ausgestrahlten Programme BBC Radio 5 Live, Talksport und Absolute Radio.

Um 2025 dürfte der Punkt erreicht sein, an dem die Weiterführung des Sendebetriebs nicht mehr wirtschaftlich ist. Zugleich sei ein Teil der Infrastruktur abgängig. Der Bericht empfiehlt den Programmveranstaltern, ein Konzept zum Abfangen des somit absehbaren Wegfalls der Mittelwelle zu erarbeiten.

Verwiesen wird jedoch auf die zu klärende Frage der Versorgungspflichten, die Talksport und Absolute Radio derzeit noch auferlegt sind. Bei Absolute Radio (das eigentlich die Mittelwelle schon 2010 verlassen wollte) wurde das bereits zum Problem, als es 2018 zwölf Kleinsender aufgab und bei den Großsendern die Sendeleistung halbierte.

Damit konnten die Betriebskosten nicht einmal reduziert, sondern lediglich eine Tariferhöhung abgefangen werden. Das dazu angestrengte Regulierungsverfahren war schon nur noch eine Farce, da Absolute Radio deutlich machte, bei einer Versagung der Genehmigung für diese Einschränkungen die Lizenz zurückgeben zu müssen.

Schon nicht mehr erwähnt wird in dem Bericht die Langwelle. Hier gibt es Hinweise auf einen von der BBC bislang nicht kommunizierten, aber anscheinend geplanten Abschalttermin: Den 1. April 2023.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 24.10.2021