Frankreich

Mittelwellenmasten Nomeny abgerissen

Seit 2016 ist der Mittelwellenrundfunk auch in Frankreich weitgehend Geschichte. Es überrascht deshalb nicht, was am 31. Mai 2021 in Nomeny, zwischen Nancy und Metz, geschah: Die Masten des dortigen Mittelwellensenders verschwanden aus der Landschaft.

Nomeny
Der höhere der beiden Nomeny-Masten auf einer Pilotenkarte | © U.S. Defense Mapping Agency Aerospace Center

Der Sender Nomeny ist bereits seit 2014 abgeschaltet. Seinerzeit hatte sich Radio France auch schon von den Frequenzen 792 kHz aus Nieul bei Limoges und 945 kHz aus Muret bei Toulouse getrennt. Der Betrieb der danach noch übrigen Mittelwellen endete mit dem Jahr 2015.

In Nomeny gab es zwei Frequenzen: 1350 kHz im Gleichwellenbetrieb mit Nizza-Antibes für France Inter und 837 kHz für das einstige „Réseau Ondes Moyennes“. Die Mittelwellenausstrahlung von France Inter entfiel bereits zum Ende des Jahres 1996. Schon seinerzeit abgeschaltet wurden damit auch die Sender auf 675, 1071 und 1161 kHz.

Die Nutzung des zweiten Mittelwellennetzes, technisch einfach als „B“ bezeichnet, änderte sich über die Jahre. Ab 1980 lief hier unter anderem ein Programm für Senioren, „Radio Bleue“. Daraus entwickelte sich das heutige France Bleu, das seit 2000 als Mantelprogramm der Regionalsendungen fungiert.

Vor diesem Hintergrund wurde das „B“-Netz 2002 aufgeteilt. Bei France Bleu verblieben nur die Pariser Mittelwelle 864 kHz, die Kleinstandorte auf 1404 und 1494 kHz sowie der elsässische Sender Schlettstadt/Sélestat. Letzteres diente dazu, mangels zusätzlicher UKW-Frequenzen auf 1278 kHz die in Straßburg produzierten Sendungen in Elsässerdeutsch zu verbreiten.

Die anderen Mittelwellen übernahmen fortan das 1987 gestartete France Info, das bis dahin nicht großflächig, sondern nur über Stadtsender ausgestrahlt wurde. Davon blieben die Sender auf 603, 711, 1206, 1242, 1377 und 1557 kHz ebenso noch bis zum Ende des Jahres 2015 in Betrieb wie die bei France Bleu verbliebenen Frequenzen.

Zur Station Nomeny und den beiden anderen schon 2014 abgeschalteten Standorten war seinerzeit die Rede von einem Ausbau der Technik innerhalb von drei Monaten. Wie ein Fotobericht vom Abbruch der Masten zeigt, präsentiert sich der Sendersaal nun auch tatsächlich in besenreinem Zustand.

Das Technikgebäude selbst ist auch bemerkenswert: In seiner architektonischen Ausführung mit einem Tonnendach ist es ein Zwilling des Sendergebäudes in Schlettstadt, aus dem bis 1996 ebenfalls eine zweite Frequenz betrieben wurde (hier 1161 kHz).

Die dortigen Antennen bestanden allerdings aus jeweils drei Masten. In Nomeny waren die Anlagen deutlich bescheidener: Die am 31. Mai abgerissenen Antennen bestanden nur aus jeweils einem, mit 115 bzw. 165 Meter nicht allzu hohen Mast.

France Info seinerseits wurde nach dem Abschied von der Mittelwelle völlig umgebaut. Seit dem Herbst 2016 ist es eine Kombination aus einem Fernseh- und einem Hörfunkprogramm, die zeitweise auch parallel laufen.

Wie das praktisch aussieht, zeigt der Einblicke bietende Programmpunkt zu einem Jubiläum, das gerade auch in Frankreich gefeiert werden konnte: 100 Jahre Radio.

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Thomas Rudolph; Stand vom 11.06.2021