Nach Stationseroberung und Morden durch Taliban

USA gewähren afghanischen Medienmitarbeitern Asyl

Nachdem sich die Rundfunkstation in Laschkar Gah inzwischen unter Kontrolle der Taliban befindet, soll nun Personen, die für US-amerikanische Medienhäuser in Afghanistan tätig waren, Asyl in den USA gewährt werden. Kurz nach der Mitteilung dieser Regelung kamen bereits Meldungen über zwei einschlägige Mordfälle.

Laschkar Gah und Helmand
© Sammlung University of Texas

Die Neuregelung hat das State Department am 2. August veröffentlicht. Außenminister Blinken verwies zur Begründung auf „die Gefahr von akuten Ängsten, Bestrafung oder Vergeltung, die mit dem Abzug der Koalitionsstreitkräfte wahrscheinlich wachsen wird“.

Von den Taliban am 6. August ermordet wurden zum einen ein afghanischer Journalist, der von 2006 bis 2010 für Radio Free Europe / Radio Liberty tätig war, zum anderen der Regierungssprecher.

Unterdessen dürften der unten beschriebenen Entwicklung bereits weitere Fälle gefolgt sein. Gemeldet wird eine zumindest weitgehende Kontrolle der Taliban über zwei Provinzhauptstädte: Sarandsch an der Grenze zum Iran sowie Schiberghan im Norden des Landes.

Im Gegensatz zur bisherigen Lage in Laschkar Gah ist den Taliban dort offenbar bereits eine umfassende Übernahme gelungen. Aus Schiberghan gemeldet wird, bezogen auf die gesamte Provinz die „Schließung von 15 Medien, darunter Fernseh- und Hörfunkstationen“.

Nach bislang jüngsten BBC-Informationen sind die Taliban mittlerweile auch in Kundus einmarschiert.

Immer mehr Staaten fordern ihre Bürger auf, Afghanistan zu verlassen. Unter Ausklammerung von Kabul hat auch der Iran eine solche Aufforderung ausgesprochen.

Stand vom 08.08.2021



Bericht vom 3. August 2021:

Die regionale Rundfunkstation in Laschkar Gah befindet sich jetzt unter Kontrolle der Taliban. Einer entsprechenden Meldung auf Twitter sind Fotos beigefügt, die, soweit erkennbar, diese von den Taliban im Rahmen ihrer Propaganda gemachte Aussage bestätigen.

Dazu entwickelte sich sogleich ein Thread mit einer grundsätzlichen Diskussion:

„Die Amerikaner sind gekommen und gegangen. Sie haben die Zukunft dieses Landes nur noch weiter kaputt gemacht. Alles wieder auf Anfang.“
„Nur mit einem Unterschied: Diesmal dürften die Mächte der Finsternis viel stärker, widerstandsfähiger und unbarmherziger sein.“
„Ja, so sehe ich es auch kommen. Wozu sind die Amerikaner so lange geblieben, wenn sie ziemlich genau nichts erreicht haben? Weder der Irak noch Afghanistan sind heute besser dran als vorher.“
„Der 20 Jahre lange Krieg hätte anders ausgehen können, wenn die Taliban nicht aus dem Ausland unterstützt und beschützt worden wären. Die Leute, die ein doppeltes Spiel betrieben haben, sind heute auch noch stolz darauf.“
„Manchmal ist der Feind des Feindes ein noch viel größerer Feind!“


Der Auslandsrundfunk der USA betreibt für seine umfangreichen Afghanistan-Programme auch Mittelwellensender im Land. Beim Wiederaufbau der im Krieg schwer beschädigten Sendestation bei Kabul wurde eine zweite Frequenz für US-Zwecke vorgesehen, bei Chost entstand eine komplette eigene Sendeanlage.

Eine ganze Bibliothek spricht, wie mit diesen Sendern in den Tabellen der aktuellen Budgetplanung umgegangen wird:

USAGM overseas transmitting stations [in tausend Dollar]: Afghanistan FY 2020 actuals $ 2,666 – FY 2021 estimate $ 3,486 – FY 2022 CBJ [nicht ausgefüllt]
© USAGM

 

Autor: Kai Ludwig