Um sechs Stunden pro Tag

BBC erweitert Afghanistan-Programm

Parallel zur Wiederaufnahme der Afghanistan-Sendungen bei der Deutschen Welle, also vom 13. September 2021 an, hat die BBC ihr Hörfunkprogramm für das Land um sechs Stunden pro Tag erweitert.

BBC World Service
Ein Hörfunkstudio des BBC World Service | © Stuart Pinfold, CC

Neu hinzugekommen sind die Sendezeiten von 7.00 bis 10.30 und von 13.30 bis 16.00 Uhr MESZ. Zusammen mit einigen Verstärkungen des Frequenzeinsatzes ergibt sich für die Kurzwelle damit dieser Programmablauf, wenn nicht anders angegeben mit Ausstrahlung über die unten näher beschriebenen Anlagen in Oman:

02.30-04.00 Uhr: 6195 kHz, 7295 kHz (Österreich)
03.00-05.00 Uhr: 7445 kHz
04.00-05.00 Uhr: 9410 kHz, 9880 kHz (Armenien)
05.00-05.30 Uhr: 9880 kHz, 11870 kHz (Abu Dhabi)
05.00-05.30 Uhr: 13580 kHz (Armenien)
07.00-09.30 Uhr: 13850, 15590 kHz
09.30-13.30 Uhr: 13740, 15310 kHz
16.00-21.00 Uhr: 5970 kHz, 7465 kHz (Singapur)
18.00-19.00 Uhr: 9335 kHz (Bulgarien)
19.00-21.00 Uhr: 5875 kHz (Armenien), 7580 kHz (Bulgarien)

Nicht gemeldet wurde bislang eine Erweiterung der Sendezeiten auf der Oman-Mittelwelle 1413 kHz. Planmäßig wird sie für Afghanistan von 2.30 bis 3.00 und von 20.00 bis 21.00 Uhr genutzt.

Unterdessen hat der angekündigte Vorruhestand der Direktorin BBC News, Francesca Unsworth, die Grundsatzdebatte über die weitere Entwicklung der BBC neu befeuert.

Dabei gibt es auch zu Person und Tätigkeit der scheidenden Direktorin polemische Kommentare wie etwa „hat den World Service, der durch die Kürzungen von 2011 schon beschädigt war, wirklich geschwächt“, „hat einige fürchterliche Entscheidungen getroffen“, „wird von denen, die ich kenne, garantiert niemand vermissen“, „arrogant und unnahbar“.

Oman
© Sammlung University of Texas

Die Sendeanlage an der Südostküste Omans, zwischen Al-Ashkharah und Asilah, war 2002 in Betrieb gegangen. Die damalige Firma Thomcast installierte hier für die Kurzwelle drei Sender (jeweils 250 kW) und einen kleinen Park an Antennen, davon eine drehbar.

Wesentlich markanter ist die an diesem Standort ebenfalls aufgebaute Mittelwellentechnik: Jeweils 800 kW starke Sender für die Frequenzen 702 und 1413 kHz, dazu aus jeweils vier Türmen bestehende Antennen.

Nach einer Havarie sind davon nur noch sieben Türme übrig. Der umgestürzte Turm wurde inzwischen entsorgt und die Abstrahlung der Frequenz 702 kHz über den verbliebenen Rest dieser Antenne eingerichtet.

Mit dem schrittweisen Rückzug der BBC aus dem klassischen Auslandshörfunk ist auch die Auslastung in Oman inzwischen deutlich zurückgegangen. Letzte Zäsur war hier um die Jahreswende 2019/2020 der Entfall der Sendungen für Indien und Pakistan. Eine Vermarktung von Sendezeit an Dritte wird anscheinend vom Gastgeberland nicht gestattet.

Somit werden die Kurzwellensender in der noch bis zum 30. Oktober laufenden Sommersaison über die bereits genannten Afghanistan-Sendeplätze hinaus noch für folgende weitere BBC-Programme genutzt. Generell kommt ein Teil der Oman-Frequenzen zu anderen Zeiten auch von anderen Standorten aus zum Einsatz.

00.00-01.00 Uhr: 5955, 9580 kHz; Englisch
02.00-03.00 Uhr: 5945 kHz; Englisch
03.00-04.00 Uhr: 7410 kHz; Englisch
05.00-06.00 Uhr: 9440 kHz; Englisch
05.00-09.00 Uhr: 12095 kHz; Englisch, Arabisch
05.30-06.30 Uhr: 11870 kHz; Iran
06.00-07.00 Uhr: 13580 kHz; Englisch
14.00-15.00 Uhr: 12065, 15310 kHz; Englisch
15.00-16.00 Uhr: 11805 kHz; Englisch
15.30-16.00 Uhr: 11750 kHz; Bengalisch
17.00-18.00 Uhr: 6195 kHz; Iran
17.00-18.00 Uhr: 9410 kHz; Englisch
18.30-19.00 Uhr: 7410 kHz; Bengalisch
19.00-21.00 Uhr: 6195 kHz; Englisch
Mo-Fr 19.30-20.30 Uhr: 9540 kHz; Äthiopien
Mo-Fr 20.30-21.30 Uhr: 9470 kHz; Äthiopien
22.00-23.00 Uhr: 5925 kHz; Arabisch

Die Mittelwelle 1413 kHz soll von 2.30 bis 6.00 und von 15.00 bis 23.00 Uhr mit einer Mischung aus englischen Sendungen sowie den Iran- und Afghanistan-Programmen bespielt werden. Für die Frequenz 702 kHz ist ein exklusiver Einsatz für das arabische Programm von 17.00 bis 23.00 Uhr vorgesehen.

Inzwischen betreibt tatsächlich nur noch die BBC von Oman aus Kurzwellenhörfunk. Die Ausstrahlungen von Radio Oman sind, nachdem sie über geraume Zeit nur noch unregelmäßig und mit geringer Leistung kamen, nun seit 2020 wohl wirklich verschwunden.

Das englische Programm läuft damit terrestrisch nur noch auf UKW. Von den Frequenzen des arabischen Hauptprogramms ist aus europäischer Sicht die 500 kW starke Mittelwelle 1242 kHz erwähnenswert.

Die BBC ihrerseits ist schon seit 1969 aus Oman aktiv. Zur Neuerschließung des heutigen Standorts kam es lediglich, weil sie als günstigere Alternative zu einer Modernisierung der alten Sendeanlagen auf Masira erschien.

An der Nordspitze der Insel hatte die Firma Marconi eine heute spurlos verschwundene Mittelwellenanlage mit ebenfalls schon zwei jeweils 750 kW starken Sendeeinheiten errichtet. Eine Besonderheit gab es hier bis 1978 bei Programmen für Zielgebiete jenseits des Arabischen Meeres: Zu deren Übertragung wurde die Frequenz von 1412 auf 1410 kHz umgeschaltet.

Ebenfalls 1978 wurde die Mittelwellenanlage durch eine kleine Kurzwellenanlage mit vier Sendern ergänzt. Ihre Gebäude sind noch vorhanden, lassen die frühere Verwendung aber nicht mehr erkennen.

Ursprünglich war die Kurzwellentechnik in Oman eine reine Ergänzung. Inzwischen ist der Standort in den Vordergrund gerückt, da die BBC ihre Kurzwellenkomplexe in Zypern, den Seychellen und Thailand zwischen 2013 und 2017 stillgelegt hat.

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Ivo Ivanov; Stand vom 14.09.2021