Radyo Pilipinas

Auslandsradio der Philippinen wieder aktiv

Nach einer Unterbrechung von rund anderthalb Monaten hat Radyo Pilipinas seine in die Golfregion gerichteten, hauptsächlich für dortige Gastarbeiter bestimmten Auslandssendungen am 1. Mai 2020 wieder aufgenommen.

Sender Tinang
Technikgebäude und einige Antennen der Sendestation Tinang | © Judgefloro, CC

Die Ausstrahlungen über die Sendestation der Voice of America in Tinang laufen erneut nach dem bekannten, seit dem Start vor drei Jahrzehnten unverändert gebliebenen Schema: Von 4.00 bis 5.30 Uhr mit englischsprachigen Beiträgen auf 12010, 15640 und 17820 kHz, von 19.30 bis 21.30 Uhr in Filipino auf 9960, 12120 und 15190 kHz.

Das Verschwinden der Sendungen war in Manila mit der „Einführung der verbesserten Gemeinschaftsquarantäne“ begründet worden. Ihre Produktion unterblieb tatsächlich; im Livestream war zu den üblichen Sendezeiten nur noch ein Brummteppich zu hören.

Die Arbeit hatte die Redaktion damit allerdings nicht eingestellt. Ihr Facebook-Profil bespielte sie auch im April in dichter Folge mit Beiträgen, die meist von sehr volkspädagogischem Charakter waren. Nicht zu erwarten ist hier eine offene Berichterstattung über Zeitgeschehen wie den gerade gegen den größten privaten Rundfunkveranstalter verhängten Lizenzentzug.

In Washington wiederum war schon nicht mehr mit einer Wiederaufnahme der Sendungen gerechnet worden: Die dafür vorgesehenen Frequenzen wurden im März zunächst ganz aus den einschlägigen Datensätzen gelöscht.

Stand vom 05.05.2020



Das Arrangement bei der VOA hatte die eigenen, leistungsschwachen Kurzwellensender von Radyo Pilipinas ersetzt. Sie wurden stillgelegt bzw. waren schon seit den 80er Jahren nicht mehr für Auslandssendungen brauchbar.

Anfangs konnten die Sendungen der VOA-Station nur über Telefon zugeführt werden. Dabei hatte man es im Funkhaus oft sehr eilig damit, die Verbindung zu trennen. Somit endeten die Ausstrahlungen in den 90er Jahren fast regelmäßig mit einem Besetztzeichen.

Sender Tinang
Das gab es bis 2003 auch in Wachenbrunn bei Themar: Über eine öffentliche Straße geführte Speiseleitungen zu Antennen | © Judgefloro, CC

Die Präsenz der VOA in den Philippinen begann bereits 1953 aus einem Stützpunkt der US Air Force auf der Halbinsel Poro bei San Fernando, an der nördlichen Westküste von Luzon. Nach der 1991 vollzogenen Schließung des Militärstützpunkts war eine weitere Nutzung des Standorts durch die VOA nicht mehr praktikabel.

Zwar wurde die Mittelwellenanlage noch an die äußerste Nordspitze von Poro umgesetzt, dort 2012 dann aber auch abgeschaltet. Auslöser dieser Sparmaßnahme war die regelrechte Neutralisierung der Poro-Frequenz 1170 kHz durch China: Sie wurde aus der Volksrepublik mit einem neuen Großsender belegt.

Für die Kurzwelle hatte der Standort Poro schon ab 1969 nur noch ergänzenden Charakter. Seinerzeit nahm die heutige VOA-Station in Tinang bei Tarlac ihren Betrieb auf. Aufgebaut wurden hier zehn Sender mit einer Leistung von jeweils 250 kW. Ihnen folgten 1982 zwei Sender modernerer Bauart (Brown, Boveri & Cie; Schweiz).

Vier weitere solcher Sender betrieb die VOA ab 1986 in Kalifornien (Delano). Nach der Schließung der dortigen Station im Jahre 2007 wurden auch sie nach Tinang umgesetzt. Die alten Ausrüstungen von 1969 werden damit nur noch für einzelne Bedarfsspitzen benötigt.

Seit 1998 befinden sich die technischen Anlagen der US-Auslandssender organisatorisch unter einem Dach. Aus Tinang werden, seit Radio Free Europe / Radio Liberty einen großen Teil seiner terrestrischen Sendungen in den postsowjetischen Raum 2016 eingestellt hat, aber erneut keine Programme der Schwesterhäuser mehr ausgestrahlt.

Zwar wäre die Station Tinang für Radio Free Asia sehr interessant. Um keine Verwicklungen mit China zu riskieren, erteilen die Philippinen jedoch RFA keine Lizenz. Auch ein nochmaliger Vorstoß im Jahre 2018, als die Sender von RFA auf den Nördlichen Marianen schwere Sturmschäden erlitten hatten, wurde in Manila erneut abgewiesen.

Zugelassen werden hingegen die Auslandsdienste weiterer Länder, die im Gegenzug anderenorts Sendezeit für die VOA bereitstellen. Nachdem die früheren Partner Radio Nederland Wereldomroep und Radio Canada International nicht mehr existieren, bestehen solche Kooperationen heute mit der BBC und mit Radio Vatikan.

Diese Sendungen laufen im Sommerhalbjahr 2020 nach folgendem Schema (alle Zeitangaben in MESZ):

00.00-00.30 Uhr: 5965, 7375, 9320 kHz; VOA Khmer
00.00-00.30 Uhr: 5985, 7410, 9735 kHz; Vatikan Chines.
00.00-01.00 Uhr: 7445 kHz; BBC Englisch
00.00-01.00 Uhr: 9625 kHz; VOA Chinesisch
01.00-02.00 Uhr: 11825 kHz; BBC Englisch
01.15-01.40 Uhr: 9735, 11900 kHz; Vatikan Vietnames.
01.30-02.30 Uhr: 12110 kHz; VOA Burmesisch
02.00-02.30 Uhr: 15310 kHz; BBC Burmesisch
02.00-03.00 Uhr: 9600, 15340, 17560 kHz; VOA Chines.
03.30-04.30 Uhr: 15110, 17835 kHz; VOA Burmesisch
05.00-06.00 Uhr: 17735, 21600...21680 kHz; VOA Tibet.
06.00-07.00 Uhr: 17650/17785/17865 kHz; VOA Tibet.
07.00-08.00 Uhr: 21580...21650 kHz; VOA Tibetisch
11.00-13.00 Uhr: 21695 kHz; VOA Chinesisch
11.00-15.00 Uhr: 11825 kHz; VOA Chinesisch
13.00-14.00 Uhr: 9460, 11785 kHz; VOA Chinesisch
13.00-15.00 Uhr: 15250 kHz; VOA Chinesisch
13.30-14.00 Uhr: 11570 kHz; VOA Rohingya
13.00-16.00 Uhr: 9320 kHz; VOA Koreanisch
13.00-17.00 Uhr: 12080 kHz, VOA Koreanisch
14.00-14.30 Uhr: 11965, 15565, 17680 kHz; VOA Burmes.
14.30-14.50 Uhr: 9610, 11875 kHz; Vatikan Russisch
Sa 14.30-15.15 Uhr: 5965, 7485, 9585 kHz; Vatikan Chines.
15.00-16.00 Uhr: 11785, 15130 kHz; VOA Chinesisch
15.00-17.00 Uhr: 6110 kHz; VOA Chinesisch
15.30-16.30 Uhr: 9615, 11695 kHz; VOA Khmer
16.00-17.00 Uhr: 7480 kHz; VOA Kantonesisch
16.00-17.00 Uhr: 9410 kHz; VOA Koreanisch
16.00-17.00 Uhr: 9465, 11900, 15110 kHz; VOA Chinesisch
16.30-17.30 Uhr: 5920, 7320 kHz; Vatikan Hindi/Tamil/Malay.
16.30-17.30 Uhr: 9830 kHz; VOA Burmesisch
16.30-18.30 Uhr: 9370 kHz; VOA Burmesisch
17.30-20.30 Uhr: 9615 kHz; BBC Koreanisch
18.00-18.30 Uhr: 5885 kHz; VOA Burmesisch
18.00-19.00 Uhr: 7565, 11890 kHz; VOA Tibetisch
21.00-23.00 Uhr: 7485 kHz; VOA Koreanisch

Über die Sendeanlage von Radio Vatikan bei Rom wiederum kommt von 2.00 bis 2.27 Uhr auf 9700 kHz auch eine Produktion aus den Philippinen: Eine Sendung in Jingpo/Kachin von Radio Veritas Asia.

Das ist die 1969 eröffnete Station der katholischen Kirche in den Philippinen. Deren Aufbau wurde zu 75 Prozent aus bundesdeutscher Entwicklungshilfe finanziert und von der Deutschen Welle mit technischer Expertise unterstützt.

Seit etwa zehn Jahren kürzten die deutschen Geldgeber jedoch die bereitgestellten Mittel immer weiter. Das zwang Radio Veritas Asia letztlich dazu, am 30. Juni 2018 den Betrieb seiner Kurzwellenanlage einzustellen und sich, mit Ausnahme der einzelnen Übernahme durch Radio Vatikan, bei seinem internationalen Angebot fortan auf eine Onlineverbreitung zu beschränken.

 

Autor: Kai Ludwig