810 kHz

Mittelwelle Skopje ausgefallen

Die letzte verbliebene Mittelwelle im nunmehrigen Nordmazedonien ist mindestens seit dem 14. August 2021 ausgefallen. Laut Branchenklatsch aus der Region ist die Ursache in diesem Fall externer Art.

Sender Ovce Pole
Mittelwellenstrahler und Richtfunkturm der Sendestation Ovce Pole | © Thomcast

Demnach wurde das Umspannwerk der Sendestation Ovce Pole durch Buschbrände beschädigt. Wann es zu einer Reparatur oder einem Ersatz der zerstörten Anlagenteile kommt, liegt allein in den Händen von EVN Makedonija, dem zuständigen Netzbetreiber.

Damit wäre die Mittelwelle nun auch in Thessaloniki tagsüber so gut wie leer. Bei den dort weiterhin recht gut zu hörenden Sendern auf 972 und 1368 kHz handelt es sich um zwei der in Griechenland praktisch dauerhaft aktiven, von den Behörden ignorierten Mittelwellenpiraten.

Mit Informationen von Georgi Bancov; Stand vom 08.09.2021



Die Sendestation Ovce Pole befindet sich beim Dorf Lozovo, 40 km südöstlich von Skopje. Sie war 1970 als neuer AM-Hauptsender der damaligen Sozialistischen Republik Mazedonien in Betrieb gegangen, ausgestattet mit einem 185 Meter hohen Antennenturm und einer 1000 kW starken Senderanlage von Brown, Boveri & Cie. (Schweiz).

1999 gelang es dem mazedonischen Rundfunk MRT, die Deutsche Welle als Partner für eine Modernisierung der Station zu gewinnen. Installiert und 2002 in Anwesenheit des Premierministers eingeweiht wurden drei Senderblöcke französischer Bauart, die eine Gesamtleistung von 1200 kW abgeben können.

Die Deutsche Welle nutzte die von ihr kofinanzierte neue Senderanlage für täglich zweieinhalb Stunden Programm in Mazedonisch, Albanisch und Serbisch. Nach nur vier Jahren fanden die Übertragungen der DW jedoch schon 2006 wieder ihr Ende. Auch die volle Sendeleistung wurde allenfalls kurzzeitig eingesetzt.

Nach letztem bekanntem Stand sind für die Mittelwelle 810 kHz nun zwischen 20.00 und 22.00 Uhr Auslandssendungen in Bulgarisch, Griechisch, Albanisch und Serbisch vorgesehen, ansonsten das Leitprogramm Radio Skopje.

Alle anderen Mittelwellen in Nordmazedonien sind schon seit Jahren außer Betrieb. Das betrifft neben mehr als 30 Sendern mit Leistungen bis zu 10 kW auch die alte Mittelwellenstation am östlichen Stadtrand von Skopje, über deren letzte Hauptfrequenz (1314 kHz mit 100 kW) in den 90er Jahren ebenfalls schon Sendungen der DW liefen.

Sender Ovce Pole
Die drei Senderblöcke (je 400 kW) der französischen Bauart S7HP auf der Station Ovce Pole | © Thomcast

Erst 2019 hatte die frühere jugoslawische Teilrepublik ihren Namen in Nordmazedonien geändert. Damit distanzierte sie sich von allen Ansprüchen auf den südlichen Teil Mazedoniens, der seit der Aufteilung des Osmanischen Reiches eine Provinz von Griechenland ist.

Mit Ausstrahlungen auf 1044, 9935 und 11595 kHz besonders bekannt war hier die alte Sendestation der Voice of America in Perea, beim Flughafen von Thessaloniki. Sie wurde von der dortigen Filiale des griechischen Rundfunks, ERT 3, zunächst mitgenutzt und – was zu den Übertragungen auch auf Kurzwelle führte – 1972 ganz übernommen.

2012 beendete ERT 3 seine Mittelwellenverbreitung. Das betraf auch die zweite Frequenz 1179 kHz von der Sendeanlage Malgara, die ERT 3 vom 1982 aufgelösten Militärrundfunk YENED geerbt hatte.

Davon unberührt blieb zunächst die Ausstrahlung des Sportprogramms der ERT-Zentrale Athen auf 792 kHz. Das änderte sich 2013 mit dem Versuch, ERT zu liquidieren. Zwar konnte schließlich 2015 der Sendebetrieb sowohl in Athen als auch in Thessaloniki offiziell wieder aufgenommen werden.

In der Zwischenzeit waren – und das hatte die Polizei durch eine Vertreibung der ausharrenden Techniker überhaupt erst möglich gemacht – jedoch mehrere Mittelwellenstationen geplündert worden. Ob das auch in Malgara zutrifft, ließ sich bislang nicht klären.

Von der Station Perea sind inzwischen zumindest die beiden Mittelwellentürme verschwunden. Die Gebäude befinden sich dem Anschein nach in einem mittlerweile als zerstört zu bezeichnenden Zustand.

Mazedonien
© Sammlung University of Texas

Die Voice of America ihrerseits betrieb ab 1972 eine neue Sendestation 35 km östlich von Kavála, an der Küste südlich von Xánthi. Im Endausbau gab es dort zwölf Kurzwellensender mit den dazugehörigen Antennen und einen 600 kW starken Mittelwellensender, der auf 792 kHz strahlte.

Im Zuge des schrittweisen Rückzugs aus der AM-Verbreitung hatte der Auslandsrundfunk der USA diese Sendestation 2006 aufgegeben. Einige moderne Anlagenteile wurden für eine letztlich nicht realisierte Nachnutzung mitgenommen. Der „Rest“ blieb sich selbst bzw. dem Gastgeberland überlassen.

Die Antennen der Station sind inzwischen verschwunden. Von den Gebäuden war zuletzt 2014 zu hören: Sie waren aufgebrochen und geplündert worden. Wie es seinerzeit hieß, hätten die mutwilligen Zerstörungen zu einer Freisetzung der hier noch in großem Umfang eingesetzten, auch nach der Stillsetzung nicht entfernten polychlorierten Biphenyle (PCB) geführt.

 

Autor: Kai Ludwig