Abschaltung von KCRW

Hörfunkpräsenz der USA in Berlin beendet

Mit der Einstellung der Berliner Aktivitäten des US-amerikanischen „Public Radio“-Systems ist die Hörfunkpräsenz der USA hier nach 75 Jahren abgeschlossen. Nachdem das Programm von KCRW Berlin am 13. Dezember 2020 endete, setzte die Neuausschreibung der Frequenz nun endgültig einen Punkt hinter dieses Thema.

KCRW Berlin to go off air on Dec. 13, 2020
© kcrwberlin.com

Die Ausschreibung gibt für die künftige Bespielung der Frequenz 104,1 MHz nur noch ein Kriterium vor: Öffentlich-rechtliche Programmveranstalter bleiben ausgeschlossen.

KCRW Berlin hatte sein Programm am 13. Dezember eingestellt. Der UKW-Sender blieb danach noch bis zum Ablauf des Jahres 2020 mit Musik in Betrieb.

Die Flaggschiffsendung von KCRW Berlin wird online weitergeführt. Institutionelle Mittel fließen aus den USA dafür nicht mehr. Das Projekt finanziert sich jetzt ausschließlich aus anderen Quellen, darunter neben Spenden der Wiederaufbaufonds der EU.

Stand vom 29.01.2020



Die Einstellung von KCRW Berlin wurde am 18. November 2020 mit dieser Begründung mitgeteilt:

„Wie so viele andere Medienhäuser und nichtkommerzielle Organisationen konnten wir den langfristigen Folgen der Coronavirus-Pandemie nicht entgehen.“

Das Publikum von KCRW Berlin wurde eingeladen, weiterhin die digitalen Angebote des Stammhauses wie auch von NPR zu nutzen.


KCRW ist die Hörfunkstation des College in Santa Monica bei Los Angeles. Deren Aktivitäten in Berlin begannen 2017 als Nachfolgelösung, nachdem NPR sich aus der Nutzung klassischer Rundfunktechniken in Europa zurückgezogen hat. Das betraf neben der UKW-Frequenz in Berlin auch die Hotbird-Satellitenplattform.

Sender Berlin-Schöneberg, Winterfeldtstraße
Die heute für die Ausstrahlung u.a. von KCRW Berlin auf 104,1 MHz genutzte Sendeanlage in Schöneberg, Winterfeldtstraße | © Kai Ludwig

Die Hörfunkaktivitäten des College nahmen kurz nach 1945 als Demonstration der seinerzeit neuen FM-Technik ihren Anfang. Parallel dazu startete auch die Universität Los Angeles eine Hörfunkstation, das heute der klassischen Musik gewidmete KUSC.

Das Programm von KCRW wiederum bedient die Bereiche Popkultur und Information, letzteres auch mit der Ausstrahlung von NPR-Sendungen. Dieses Konzept galt ebenso für die Dependance in Berlin, die ihrerseits eigene Sendungen produzierte, wie es bereits NPR bis 2017 praktizierte.

Die Berliner Aktivitäten von NPR und KCRW verstanden sich als Nachfolge des American Forces Network. Während dessen Mittelwellensender (1107 kHz) mit dem Truppenabzug 1994 seinen Betrieb einstellte, wurden die AFN-Übertragungen auf UKW, zuletzt statt aus Dahlem bereits vom Fernsehturm, bis ins Jahr 1995 aufrechterhalten.

Schließlich startete ein bei Hundert,6 angesiedeltes Nachfolgeprojekt, das mit der Voice of America kooperierte. Dessen Betreiber fielen mit der Behauptung auf, die AFN-Frequenz 87,9 MHz sei mit ihrem einen Kilowatt „eine der leistungsstärksten in Berlin“.

Dieses „Charlie 87,9“ stellte seinen Betrieb nach nur zwei Jahren wieder ein. Als neuen Partner gewinnen konnte die VOA anschließend Star FM, das nun seit 1997 auf dieser Frequenz zu hören ist.

2006 wollte sich die VOA dieses Partners entledigen und fortan allein auf 87,9 MHz senden. Damit hatte man sich in Washington völlig verzockt: Das selbst provozierte Auswahlverfahren bestätigte im Gegenteil die fortan exklusive Nutzung der Frequenz durch Star FM.

Ehemaliger Sender Berlin-Kreuzberg, Hallesches Ufer
Die 2016 stillgelegte, zuletzt auf 88,4, 96,7, 97,2 und 104,1 MHz betriebene UKW-Anlage auf dem früheren Postscheckamt in Berlin-Kreuzberg | © Kai Ludwig

Für die traditionelle UKW-Präsenz der USA in Berlin sah die Medienanstalt Berlin-Brandenburg nur noch die Kleinfrequenz 104,1 MHz vor, auf der zuvor seit 1998 die unterschiedlichsten Projekte ausgestrahlt wurden. Auf den Plan trat nun auch NPR, das sich bereits 2004 vergeblich für die Frequenz 106,8 MHz beworben hatte.

Eigentlich ist Deutschland schon seit den 90er Jahren kein Zielgebiet der VOA mehr. Folglich sind auch die deutschen Sendungen, die erst 1991 wegen der Abkoppelung des RIAS von der damaligen U.S. Information Agency noch einmal neu aufgelegt wurden, schon 1993 wieder entfallen.

Die UKW-Präsenz in Berlin war trotzdem eine Priorität. Zu deren Verteidigung reiste mit Brian Conniff eigens ein Verantwortlicher aus den USA an.

[Nachtrag: Nach einer rigorosen Entfernung der erst 2020 bei den Auslandssendern der USA installierten Trumpisten ist Conniff seit dem 21. Januar 2021 nun kommissarisch stellvertretender Generaldirektor der U.S. Agency for Global Media.]

Gerüchte wollten seinerzeit auch von Versuchen wissen, die Sache über Regierungskanäle zu regeln, was die VOA von vornherein disqualifiziert habe. Auch ihr Programm konnte jedoch im Vergleich zu NPR nicht bestehen. Gerade auch in Berlin lebende US-Amerikaner äußerten damals ihre Unzufriedenheit mit dem offiziellen Auslandssender der USA.

Inzwischen hätte die VOA selbst theoretisch nichts mehr, womit sie noch ein ernstzunehmendes UKW-Angebot in Berlin bestreiten könnte. Ihre inhaltlich relevanten Hörfunkproduktionen in englischer Sprache beschränken sich mittlerweile auf Sendungen für Afrika.

 

Autor: Kai Ludwig