Kurzwelle

Deutsche IRIB-Sendung wieder aufgeschaltet

Nach einer erneuten Unterbrechung von drei Wochen strahlt der iranische Rundfunk IRIB seine deutsche Auslandssendung seit dem 22. November 2021 nun auf der angekündigten Winterfrequenz 5940 kHz aus, und zwar vollständig ab 18.23 Uhr. Dabei gibt es binnen weniger Tage schon die zweite Variante der Einpassung in den Betriebsablauf.

Sender Sirdschan
Die Sendestation Sirdschan

Zunächst wurde aus dem unten beschriebenen Grund die über acht Stunden bis 18.30 Uhr auf 9800 kHz laufende Übertragung des arabischen Programms bereits um 18.20 Uhr abgebrochen. Das ist nun nicht mehr der Fall. Stattdessen ist jetzt wieder die terrestrische Verbreitung der bosnischen Sendung geopfert worden.

Die Hörerpostsendung am 21. November diskutierte noch andere Vorschläge und war ansonsten in charakteristischer Weise dem Gedenken an verstorbene Stammhörer gewidmet.

Stand vom 28.11.2021



Im April 2021 hatte IRIB die terrestrischen Hörfunksendungen in Spanisch, Französisch und Hindi eingestellt. Zunächst ebenfalls von der Kurzwelle genommen, dann aber doch noch einmal in den Betriebsablauf eingereiht wurden die Sendungen in die islamisch geprägten Regionen des Balkan.

Seit dem 13. Juni 2021 sind auf der Sendestation bei Sirdschan nun grundsätzlich nur noch drei Kurzwellensender zugleich aktiv. Das hat nicht unbedingt etwas mit der Verfügbarkeit der Anlagen zu tun: Bei Industriestrom hängt der zu zahlende Preis auch von der höchsten Leistung ab, die in einem definierten Zeitraum dem Netz entnommen wird.

Konsequenz war der Entfall jeweils einer Sendung in Haussa, Kasachisch und Türkisch sowie einer Zweitfrequenz für Bengalisch. Auch die deutsche Sendung blieb nicht unberührt, da der noch nutzbare dritte Sender nach Sommerzeit bis 19.30 Uhr für das arabische Programm gebraucht wurde.

Die ausufernde, sieben Minuten lange Programmeröffnung war deshalb schon nicht mehr auf Kurzwelle zu hören, da der Sender erst zu den Nachrichten um 19.30 Uhr eingeschaltet wurde. Mit dem Ende der europäischen Sommerzeit, das international auch ein üblicher Termin für saisonale Frequenzänderungen im Kurzwellenhörfunk ist, entfiel die Ausstrahlung dann zunächst ganz.

Auch die Redaktion erhielt davon keine Kenntnis. Zu entnehmen war das jener Hörerpostsendung, die gerade an das Licht einer breiten Öffentlichkeit gezerrt wurde.

Die Liste der Ausstrahlungen aus Sirdschan ist nun nicht mehr allzu lang [aktualisiert]:

23.23-00.20 Uhr: 7225 kHz; Haussa
(Sendepause)
01.53-03.20 Uhr: 7360 kHz; Tadschikisch
02.30-04.30 Uhr: 6040 kHz; Arabisch
03.23-04.20 Uhr: 6075 kHz; Paschtunisch
04.23-05.20 Uhr: 6070 kHz; Palästina-Sendung
04.23-05.20 Uhr: 9550 kHz; Russisch
04.30-07.00 Uhr: 9725 kHz; Arabisch
05.23-05.50 Uhr: 11780 kHz; Hebräisch
05.23-06.50 Uhr: 11875 kHz; Türkisch
05.53-06.50 Uhr: 15140 kHz; Suaheli
06.53-07.50 Uhr: 13710 kHz; Haussa
06.53-09.20 Uhr: 13690 kHz; Dari
07.00-09.30 Uhr: 13790 kHz; Arabisch
07.53-08.20 Uhr: 15440 kHz; Hebräisch
09.30-11.30 Uhr: 13820 kHz; Arabisch
10.23-13.50 Uhr: 13690 kHz; Dari
10.30-18.30 Uhr: 9800 kHz; Arabisch
12.53-13.20 Uhr: 15240 kHz; Hebräisch
13.23-14.20 Uhr: 9510 kHz; Paschtunisch
13.53-15.20 Uhr: 9835 kHz; Urdu
14.23-15.20 Uhr: 7355 kHz; Kurdisch
15.23-16.20 Uhr: 9390 kHz; Hindi
15.23-16.20 Uhr: 9620 kHz; Bengalisch
16.23-17.20 Uhr: 6000 kHz; Urdu
16.23-17.20 Uhr: 7300 kHz; Englisch
17.23-17.50 Uhr: 6150 kHz; Bengalisch
17.23-18.20 Uhr: 7430 kHz; Armenisch
17.53-18.50 Uhr: 7290 kHz; Russisch
18.23-19.20 Uhr: 5940 kHz; Deutsch
18.23-19.20 Uhr: 6110 kHz; Bosnisch
18.53-19.20 Uhr: 5930 kHz; Italienisch
19.23-20.20 Uhr: 5925 und 5970 kHz; Albanisch
19.23-20.20 Uhr: 9475 kHz; Haussa
20.23-21.20 Uhr: 6040 und 11880 kHz; Englisch
(Sendepause bis 23.23 Uhr)

Von den anderen Kurzwellenanlagen im Iran ist inzwischen nur noch die kleine Station in Zahedan, am Dreiländereck mit Afghanistan und Pakistan, in Betrieb. Von hier kommen derzeit folgende Programme:

03.30-06.30 Uhr: 7380 kHz; Arabisch
06.30-08.30 Uhr: 13820 kHz; Arabisch
11.30-15.30 Uhr: 9130 kHz; Arabisch
15.30-18.30 Uhr: 7310 kHz; Arabisch
17.23-18.20 Uhr: 6040 kHz; Paschtunisch
18.30-03.30 Uhr: 6060 kHz; Arabisch

Die Ausstrahlung auf 9130 kHz ist offensichtlich ein Schaltfehler. Eigentlich vorgesehen ist hier 9530 kHz.

Presstv.com: This website has been seized
© radioeins

Wenn nun – wie gerade indirekt auch für das deutsche Angebot geschehen – die Wirksamkeit der Auslandsaktivitäten von IRIB beklagt wird, sollte nicht übersehen werden, welche Steilvorlagen die Islamische Republik mitunter geliefert bekommt.

Zu nennen ist hier eine Aktion der US-amerikanischen Justizbehörden im Juni 2021: Sie haben 33 Internetadressen an sich gezogen, die für iranische Medien gebucht waren. Eingeschlossen sind dem Iran verbundene Medien in Ländern der arabischen Welt, die eine kaum bekannte „Islamic Radio and Television Union“ bilden.

Offen blieb, ob es sich hier tatsächlich um eine geschlossene Aktion „der Regierung der Vereinigten Staaten“ handelte, wie es die auf den betreffenden Adressen ausgespielte Graphik suggeriert. Der Sprecher des State Department lehnte es ab, sich zu diesem Thema zu äußern.

Ein Kommentar von Press TV zeigt, was für ein Gefallen den Hardlinern in Teheran mit dieser Aktion getan wurde. Die Fortsetzung findet sich in einem Sendebeitrag, der das Engagement für Meinungs- und Pressefreiheit gleich generell diskreditiert sah.

Zu den Hardlinern werden, folgt man einem Bericht von RFE/RL aus dem Jahre 2020, auch bestimmte Führungskräfte von IRIB gezählt. Laut diesem Beitrag gab es regelrechtes Säbelrassen des Leiters der Auslandsabteilung von IRIB, Payman Jebelli.

Er drohte mit der Einstellung von Press TV und weiteren Programmen, falls sein Bereich von der Verwaltung des damaligen Staatspräsidenten Hassan Rouhani keine bessere Finanzausstattung erhält. Dort soll die Präsenz der Hardliner bei IRIB kritisch gesehen worden sein.

Allerdings zeigte sich Jebelli, wenn man ihm keine absichtlich unwahren Behauptungen unterstellen will, selbst nicht sonderlich gut über die Vorgänge in seinem Haus informiert. Er sagte, man habe „wegen angehäufter Schulden bei Satellitenbetreibern“ unter anderem das Hörfunkprogramm in Dari (afghanisches Persisch) bereits einstellen müssen.

Hier ging es um Kapazitäten des saudischen Betreibers Arabsat. Das Dari-Programm wurde nur dort übertragen und war in den anderen Satellitenpaketen von IRIB noch nie aufzufinden. Das gilt auch für die Sendung in Tadschikisch, wie diese Gegenüberstellung von Satellitenkanälen und Kurzwellenfrequenzen zeigt.

Die terrestrische Ausstrahlung des Programms in Dari blieb davon jedoch unberührt. Über die sechs Stunden auf Kurzwelle hinaus kommt es täglich zwölfeinhalb Stunden über Mittelwellensender an der Grenze zu Afghanistan. Das arabische Programm seinerseits läuft auch auf Mittelwelle rund um die Uhr.

Über Mittelwelle verbreitet werden außerdem die zum Teil bereits von der Kurzwelle genommenen Sendungen in Aserbaidschanisch (knapp zwölf Stunden), Kurdisch und Turkmenisch (je vier Stunden), Tadschikisch (dreieinhalb Stunden), Urdu (drei Stunden), Russisch (zwei Stunden), Paschtunisch (anderthalb Stunden) sowie Türkisch und Talysch (je eine Stunde).

IRIB: Interview mit Christoph Hörstel
Bildschirmfoto von 2020 | © parstoday.com/de/search--Hörstel

Für das deutschsprachige Europa setzt IRIB abseits der besonderen Bestrebungen der Redaktion seit 2016 auf eine Digitalplattform. Besonders ins Auge fallen sowohl dort als auch in den Hörfunksendungen regelmäßige Gespräche mit einem früheren ARD-Journalisten, der zu den Verschwörungstheoretikern abgedriftet ist.

Besonders interessant ist diese neue Heimat, weil IRIB hier die Nachfolge von RT antrat, bei dem dieser Gesprächspartner früher wiederum regelmäßig auftrat, was nun anscheinend aber nicht mehr geschieht.

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Alexander Busneag