Nach Grenzzusammenstoß

Indien prangert chinesische Störsendungen an

Nach dem Zusammenstoß zwischen indischem und chinesischem Militär, bei dem mindestens 20 Soldaten getötet (soweit bekannt: brutal erschlagen) wurden, werden auf indischer Seite Anschuldigungen an China laut. So betont ein Pressebericht jetzt die Störung der chinesischen Sendungen von All India Radio.

All India Radio, Delhi
Zentrale von All India Radio in Delhi | © Lokantha, CC

Die in dem Artikel gegebenen Informationen sind nicht neu, wurden von indischer Seite bislang aber eher zurückhaltend behandelt.

[Nachtrag vom 3.7.: All India Radio hat die Frequenzen der chinesischen und tibetischen Sendungen auf 17595 bzw. 9580 kHz geändert. Sollte dem China mit seinen Störsendungen folgen, wäre deren Charakter als gezielte Feindseligkeit erwiesen.]

Eine eindeutige Charakterisierung formuliert der Artikel nun auch für den Zusammenstoß, der auf chinesischer Seite regelrecht totgeschwiegen wird, um keine offene Eskalation zu riskieren. Die indische Zeitung spricht von einem „unnötigen Überschreiten der Grenze“ durch die chinesischen Soldaten.

Zuvor war bereits eine Erweiterung des Tibet-Programms von All India Radio gemeldet worden. Das bezieht sich zwar weder auf die Sendezeit noch auf den Frequenzeinsatz (eine einzige Kurzwelle). An die Stelle der bislang großflächig gespielten Bollywood-Musik traten jedoch erweiterte Wortbeiträge.

Unterdessen zeichnet sich eine Erweiterung des Konflikts um die nicht vermessene Staatsgrenze auf Nepal ab. Der aktuelle Zeitungsartikel beklagt einschlägige, „antiindische“ Sendungen von Radio Nepal, verbunden mit der Installierung neuer, weit nach Indien einstrahlender UKW-Sender.

Stand vom 30.06.2020



21. Mai 2020:

Zur Darstellung des „Lockdown“ hatte All India Radio seine Auslandssendungen seit dem 24. März nicht mehr terrestrisch ausgestrahlt. In den ersten Maitagen wurde dieser Schritt für einige Sendungen in die Nachbarländer Indiens wieder rückgängig gemacht. Damit ergibt sich, bezogen auf MESZ, folgender Programmablauf:

03.00-04.00 Uhr: 7380 kHz; Sindhi
03.00-06.30 Uhr: 594 kHz; Bengalisch
09.00-10.00 Uhr: 9950 und 11620 kHz; Nepales.
10.30-13.30 Uhr: 9950 kHz; Urdu
13.15-14.15 Uhr: 7270 kHz; Tamilisch
13.30-16.30 Uhr: 594 kHz; Bengalisch
13.45-15.15 Uhr: 17510 kHz; Chinesisch
14.15-15.30 Uhr: 9450 kHz; Tibetisch
15.15-16.30 Uhr: 11560 kHz; Dari/Paschtun./Engl.
17.00-18.00 Uhr: 9620 kHz; Belutschi

Der Wirbelsturm „Amphan“ führte jedoch zu einer erneuten Unterbrechung der Sendungen nach Bangladesch: Der hierfür genutzte Mittelwellensender ist ausgefallen.

Wirklich unterbrochen war der Auslandsdienst allenfalls für wenige Tage. Dann tauchten neue Youtube-Kanäle auf, auf denen mehrere Sprachredaktionen, so auch die englische, mit ihren Programmen weitermachten.

Parallel war wiederholt zu beobachten, wie – dies „wenigstens“ mit anderweitigem Programmton – die Kurzwellensender über längere Zeit getestet wurden. Somit ist die Unterbrechung des Auslandsdienstes wohl weniger das Resultat objektiver Zwänge als vielmehr Symbolpolitik.

Das wäre charakteristisch für eine Medienlandschaft, die sich ganz offen von Narendra Modi auf seine Politik einschwören ließ. Kritische Berichte werfen den indischen Medien auch immer nachdrücklicher vor, sich aktiv an der Schürung von Islamfeindlichkeit im Land zu beteiligen.


26. März 2020:

Wie aus Indien gemeldet wird, ist ein großer Teil des terrestrischen Sendernetzes von Doordarshan jetzt abgeschaltet. Das betrifft sowohl DVB-T2 als auch die noch aktiven analogen Fernsehsender.

Das Nachrichtenprogramm DD News ist seit dem 21. März weltweit online zu sehen. Dafür nutzt Doordarshan die Youtube-Plattform, die ihre Dienste in der Europäischen Union derzeit nur in qualitätsgeminderter Form anbietet.

All India Radio wiederum produziert jetzt nur noch zwei landesweite Programme, AIR Live News 24x7 und das Unterhaltungsprogramm Vividh Bharati. Alle anderen Angebote sind eingestellt.

Seit Jahren bemüht sich All India Radio, ein als „Digital Radio Mondiale“ bezeichnetes System für digitale Ausstrahlungen über AM-Sender zu etablieren. In allen anderen Ländern, so auch in Deutschland, wurden diese Aktivitäten vor Jahren auf geringe Alibis reduziert oder ganz abgebrochen.

In der aktuellen Krisenlage steckt hier auch All India Radio zurück. Die Leitung des Hauses verfügte, alle bereits digitalisierten Mittelwellensender entweder abzuschalten oder aber zur analogen Ausstrahlung (allenfalls noch als analog-digitaler Hybridbetrieb) des Nachrichtenprogramms einzusetzen.

Schließlich wurde der Auslandsdienst „mit sofortiger Wirkung ausgesetzt“. Das erstreckt sich insbesondere auf dessen Mittel- und Kurzwellenfrequenzen; sie bleiben jetzt ausgeschaltet.

DRM Test, Telefunken TRAM 25
Nur noch Erinnerung: Digitaler Mittelwellensender beim Deutschlandradio in Berlin-Britz (2013) | © Kai Ludwig

 

Autor: Kai Ludwig