Großsender abgeschaltet

BFBS nicht mehr auf 103,0 MHz

Über Jahrzehnte wurde das Deutschland-Programm des British Forces Broadcasting Service in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen großflächig ausgestrahlt. Mit Ablauf des 26. April 2020 verließ der BFBS nun die letzte der dafür genutzten UKW-Großfrequenzen.

Funkübertragungsstelle Bielefeld: UKW-Rundstrahlantenne für den BFBS
Diese alte Infotafel war zumindest 2011 noch vor Ort vorhanden | © Mülltonnenschubser, CC

Es geht um die Frequenz 103,0 MHz vom Sendeturm Hünenburg, einige Kilometer außerhalb von Bielefeld. Das ist die frühere Rundfunkanlage der Bundespost im Teutoburger Wald, von der traditionell ansonsten das UHF-Fernsehen kommt.

Seit dem Sommer 2019 beschränkt sich die Präsenz der britischen Streitkräfte in Deutschland auf den zwischen Bielefeld, Detmold und Paderborn liegenden Truppenübungsplatz Senne und damit auf rund 200 Familien. Für diese winzige Zielgruppe war die Anmietung des Großsenders nicht länger zu rechtfertigen.

Der BFBS ersetzte ihn deshalb durch Kleinsender in Paderborn, Herford, Friedrichsdorf und Minden. Auf Paderborn beschränkt sich dabei nun die Verbreitung des zweiten BFBS-Programms.

Für die Frequenz 103,0 MHz ist im Gespräch, sie mit in eine zweite UKW-Kette für privatrechtliche Veranstalter in Nordrhein-Westfalen einzubeziehen. Diese Kette war in ihrer ursprünglichen Form 2015 schon einmal vergeben worden, was nach der erfolgreichen Klage eines unterlegenen Wettbewerbers aber zu nichts führte.

Auf einem ganz anderen Blatt steht die Frage, ob der jetzt tobende Orkan diese Pläne hinwegfegen wird. Am 8. April meldete sich die Landesmedienanstalt von Nordrhein-Westfalen mit den Worten „die Lage ist ernst“: Man befürchte „durchaus existenzgefährdende wirtschaftliche Folgen vor allem für die lokalen Veranstalter“.

Der nunmehr abgeschlossene Rückzug aus der großflächigen UKW-Verbreitung begann im August 2010 auf dem WDR-Sender Langenberg. Der BFBS überließ die dortige Frequenz 96,5 MHz dem Deutschlandradio.

Damit ersetzt wurden 13 Kleinfrequenzen, die bei der jetzt im Raum stehenden neuen UKW-Kette wieder mit im Spiel sind. Auf fünf dieser Frequenzen lief zunächst im Gegenzug das BFBS-Programm, bis der Abzug der britischen Streitkräfte aus dem Ruhrgebiet und seiner Umgebung abgeschlossen war.

Sender Langenberg
Die beiden Sendemasten Langenberg (Bild anonym via Wikipedia)

Nächster Schritt war im Dezember 2011 der Rückzug vom NDR-Sender Visselhövede. Nach einer kurzen Unterbrechung überträgt die dortige Frequenz 97,6 MHz nun das zuvor auf einer deutlich schwächeren Frequenz abgestrahlte N-Joy.

Als Ersatz gab es noch zwei Kleinfrequenzen in Fallingbostel und Bergen. Auch sie sind nach dem Abzug von diesen Stationierungsorten inzwischen abgeschaltet.

Der vorletzte Rückzugsschritt betraf schließlich die Frequenz 93,0 MHz vom Drachenberg bei Königslutter. Sie wurde mit Ablauf des Jahres 2015 ersatzlos abgeschaltet, nachdem sie über mehrere Jahre nur noch den Standort Celle zu versorgen hatte. Hier war bereits darauf verzichtet worden, noch eine Zwischenlösung zu schaffen.

Nach einer Pause von wenigen Tagen trat, wie schon zuvor in Visselhövede, auch hier N-Joy in Ablösung einer schwächeren Frequenz die Nachfolge des britischen Truppensenders an.

BFBS auf 93,0 MHz
Foto: Kai Ludwig

Der schrittweise Ausstieg ging bei der Redaktion von BFBS Germany mit einem Umzugskarussel einher. Es begann 2009 mit einem Wechsel aus Herford nach Bergen-Hohne, verbunden mit einer Reduzierung der Belegschaft von 27 auf 15 Mitarbeiter.

Schon 2015 verließen die britischen Streitkräfte diesen Standort, was den BFBS zum nächsten Umzug zwang. Nach einem Provisorium in Gütersloh nahm BFBS Germany schließlich im Januar 2016 seinen Sitz in einem früheren Autohaus in Paderborn. Dies soll, wie es ausdrücklich hieß, nun auch der finale Arbeitsort sein.

BFBS
Funkhaus des BFBS in Paderborn-Sennelager (Foto: Mark Webster, Pressedienst britische Streitkräfte)

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 27.04.2020