Großbritannien

Frontalangriff auf die BBC

Am Sonnabend, dem 15. Februar 2020, soll die Regierung von Boris Johnson der BBC die Abschaffung der Rundfunkgebühren als nunmehr verbindliche Entscheidung mitgeteilt haben, verbunden mit der Forderung nach massiven Einschränkungen. Damit ist die nächste Frage, wie sich Johnsons eigene Parteifreunde dazu verhalten werden.

Zentrale der BBC in London
© Stuart Pinfold, CC

Aus Kreisen der Torys wurde bereits größere Kritik laut. So war die Rede von einer „Blutrache“, die man nicht unterstützen werde. Eine Mehrheit im Parlament scheint den Regierungsplänen damit nicht sicher zu sein.

Ihre Ankündigung einer Abschaffung der Rundfunkgebühren verbindet die Regierung mit der Forderung nach massiven Einschränkungen in den Angeboten der BBC. So sollen die frei empfangbaren Fernsehprogramme entfallen und durch Abonnementmodelle nach dem Vorbild von Sky oder auch Netflix, Amazon Prime usw. ersetzt werden.

Im Hörfunk soll die BBC lediglich ihr Kultur- und ihr Informationsprogramm, Radio 3 und Radio 4, behalten. Alle anderen Programme, eingeschlossen die zahlreichen Lokalsender, sollen privatisiert werden.

Der „Guardian“ zitierte einen Bericht der „Times“ (Sonntagsausgabe) über die verbindliche Mitteilung der Regierung zunächst als Behauptung. Eine dazu befragte Regierungssprecherin habe es abgelehnt, sich zu diesem Thema zu äußern.

Nächstmöglicher Termin für eine Abschaffung der Rundfunkgebühren wäre das Jahr 2028. Eine frühere Umsetzung würde die vorfristige Kündigung der BBC Charter erfordern. Versuche, einen so weitgehenden Schritt zu unternehmen, gelten als unwahrscheinlich.


Erst am 31. Januar war es zu einer Kontroverse zwischen Johnson und der BBC sowie weiteren Medienhäusern gekommen. Ohne jede Absprache verschickte die Verwaltung des Premierministers eine dreiminütige Aufzeichnung, die als Fernsehansprache zum Austritt aus der Europäischen Union gesendet werden sollte.

Das haben die BBC und wahrscheinlich auch ITN abgelehnt. Associated Press, Reuters und AFP haben das unverlangt erhaltene Material ebenfalls verworfen.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 17.02.2020