Tigray

Eskalation in Äthiopien

Die Zuspitzung der Lage in Äthiopien betrifft inzwischen auch die Medien. Wie die Zeitung „Addis Standard“ berichtet, wurden dem Korrespondenten der Nachrichtenagentur Reuters in Addis Abeba die Akkreditierung entzogen und der Deutschen Welle sowie der BBC dieser Schritt angedroht.

Tigray
© Sammlung UTexas

Begründet wurde das nach Angaben der Zeitung mit einer „falschen und unausgewogenen Berichterstattung“, die das Ziel verfolge, „die Welt in die Irre zu führen, um internationalen Druck auf Äthiopien zu provozieren“.


Die jetzt zum Kriegsgebiet gewordene Region Tigray ist im Bereich der elektronischen Medien seit 1986 ein Begriff. Seinerzeit erschien als Untergrundsender die Dimtsi Woyane Tigray, „Stimme der Tigray-Revolution“. Diesen Kampfnamen hat die Hörfunkstation in Mekele bis heute beibehalten.

Mehr oder weniger parallel zum Beginn des Krieges am 4. November verschwand die Übertragung der Dimtsi Woyane Tigray über die Kurzwellenstation bei Addis Abeba. Eingesetzt wurde hier die Frequenz 5950 kHz.

Zugleich verschwand allerdings auch die ebenfalls von dieser Anlage abgestrahlte Frequenz 6030 kHz. Dort lief das in Adama/Nazret produzierte Programm der Rundfunkgesellschaft von Oromia, der Addis Abeba umgebenden Provinz.

Davon unberührt blieb die Ausstrahlung der Dimtsi Woyane Tigray über die Mittelwelle Mekele 1359 kHz. Sie war in den letzten Tagen zumindest bis nach Ungarn zu hören, allerdings auch schon dort nur unter dem sonstigen Signalgemisch der noch auf dieser Frequenz aktiven Kleinsender in Großbritannien sowie der Sender in China.

Hörfunk- und Fernsehsendungen aus Mekele sollten auch auf Satellit zu finden sein. Direkt gesendete Einzelträgersignale sind für den Belintersat 1 (51,5° Ost) auf 3,720 GHz rz und eventuell auch 3,639 GHz rz verzeichnet, allerdings auf einer Ausleuchtzone, die laut Spezifikation nur bis zur Schweiz reicht.

Eine qualitätsgeminderte Umsetzung ins Ku-Band soll es auf dem Badr 4 (26° Ost) geben, und zwar auf 12,054 GHz v.

Im Internet ist von den Rundfunkaktivitäten aus Mekele derzeit nichts zu finden. Eine früher genutzte Adresse ist verfallen.

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© R1MM

Die Kurzwellenstation in Geja Dera bei Addis Abeba war erst im vergangenen Jahrzehnt von chinesischen Lieferanten umfassend modernisiert und rekonstruiert worden. Der zentrale staatliche Rundfunk von Äthiopien hat die Nutzung dieser Anlagen nach dem Ende des Kriegszustands mit Eritrea eingestellt.

Damit läuft auf Kurzwelle nur noch ein Programm aus Addis Abeba: Auf 6110 kHz das von Radio Fana, einem anderen altbekannten Kampfsender, der heute der Regierung von Abiy Ahmed treu ergeben ist.

Aktiv ist außerdem noch ein zweiter Sender auf 6090 kHz. Er überträgt das Programm der Rundfunkanstalt von Amhara aus Bahir Dar, das – wie zuvor schon Asmara, die Hauptstadt von Eritrea – gerade ebenfalls aus Tigray mit Raketen beschossen wurde.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 20.11.2020