Rolle rückwärts

Radio Vatikan ist wieder Radio Vatikan

Seit Dezember 2017 wurde der traditionelle Name „Radio Vatikan“ nur noch in italienischer Sprache verwendet. Vom 29. September 2019 an ist das nun wieder bei allen Hörfunksendungen der Fall. Zugleich wird der bisherige Leiter der deutschen Redaktion bei den Reformversuchen der katholischen Kirche in Deutschland eine offizielle Rolle spielen.

Kapelle im Funkhaus von Radio Vatikan
Kapelle im Funkhaus | © Radio Vatikan

Intern begründet wurde die innerhalb von zwei Tagen umzusetzende Wiedereinführung des alten Namens mit einer „Identität“, die „sehr tiefe Wurzeln hat“.

Kurz zuvor war bereits die für den 29. September geplante, nach Afrika gerichtete terrestrische Ausstrahlung einer Papstmesse besonders betont worden. Sie läuft von 10.25 bis 12.15 Uhr MESZ mit den Sprachfassungen Französisch auf 13815 kHz, Englisch auf 15575 kHz und Portugiesisch auf 17635 kHz.

Ein „außergewöhnlicher Schritt“, wie die Redaktion meint, ist das allerdings nicht. Auch in letzter Zeit hatte Radio Vatikan die Reisen des Papstes in die arabische Welt und nach Afrika routinemäßig mit solchen Sonderausstrahlungen begleitet und lediglich darauf verzichtet, diese Sendungen prominent anzukündigen.

Unterdessen hat der 2009 eingesetzte Leiter der deutschen Redaktion von Radio Vatikan, der Jesuitenpater Bernd Hagenkord, seine Tätigkeit beendet. Sein Schritt kam zumindest für Außenstehende überraschend.

Jetzt ist Hagenkord zu einem „geistlichen Begleiter“ des Synodalen Wegs berufen worden. Die dazu gegebene Erläuterung beschränkt sich zunächst auf die vage Aussage, die Reformdebatte solle „ein geistlicher Weg“ sein.

Der Unmut katholischer Laien in Deutschland artikuliert sich inzwischen immer deutlicher. Ein auf reaktionären Plattformen angeführtes Papst-Zitat „wer eine andere Kirche will, ist frei sie zu machen“ wurde verschiedentlich bereits als Aufforderung zum Kirchenaustritt verstanden.

Stand vom 28.09.2019



Die Neuerungen der letzten Monate:


15. Juli 2019

Ab heute gibt es bei Radio Vatikan nach einer Unterbrechung von mehreren Jahren wieder täglich von 3.00 bis 3.30 Uhr MESZ eine terrestrische Sendung nach Brasilien. Ihr folgt bis 4.00 Uhr die vollständige spanische Sendung, von der zuvor nur noch ein Fragment von 15 Minuten ausgestrahlt wurde.

Zum Einsatz kommt hierfür die Sendestation der U.S. Agency for Global Media in North Carolina auf der Frequenz 7305 kHz. Die zusätzliche Sendezeit zweigt Radio Vatikan bei seinem Programm für Vietnam ab, das ebenfalls im Rahmen der Kooperation mit der USAGM aus den Philippinen abgestrahlt wird.

Bislang lief die Übertragung der vietnamesischen Sendung auf 9580 und 11900 kHz von 1.15 bis 2.00 Uhr. Sie endet nun bereits um 1.40 Uhr.


8. Juni 2019:

Auf einige Aufmerksamkeit stießen Meldungen über eine wöchentliche Informationssendung in lateinischer Sprache, die heute erstmals von den Vatikan-Medien gesendet wurde.

Ganz so neu ist dieses Angebot allerdings nicht. Wie die Redaktion in Rom selbst anmerkt, produziert sie Nachrichten auf Lateinisch bereits seit anderthalb Jahrzehnten als Texte, zeitweise auch schon in Audioform.

Die Novität liegt bei diesen fünfminütigen Bulletins mit dem Titel Die Woche des Papstes somit nur in der Ausstrahlung im linearen Hörfunk. Sie läuft zu unterschiedlichen Zeiten im italienischen UKW-Programm und den Online-/Satellitenkanälen.

Selbst dabei ist lediglich der redaktionelle Inhalt neu, nicht aber die Ausstrahlung von lateinischem Wort an sich. Hier gibt es schon seit vielen Jahren liturgische Sendungen, für die eigens eine Kapelle in das Funkhaus von Radio Vatikan eingebaut wurde.

Ab 2012 waren diese Sendungen neben einem Informationsmagazin in Arabisch die letzten, die Radio Vatikan auf Kurzwelle noch für Mittel- und Westeuropa ausstrahlte. Die Reaktion eines nicht vorher eingeweihten Radiofans war einigermaßen verdutzt: Wer, in aller Welt, jage das da über einen AM-Sender??

2016 wurde die Kurzwellenübertragung auf Sonn- und Feiertage beschränkt. Online und über Satellit kommen die lateinischen Gebete weiterhin täglich.

2017 entfiel die Abstrahlrichtung Mittel-/Westeuropa schließlich auch hier. Stattdessen werden die Sendungen jetzt erstmals überhaupt in den Orient gerichtet. Aktuelle Frequenzen sind für die Morgenmesse von 7.20 bis 8.00 Uhr 11930 kHz, für das Rosenkranzgebet von 20.40 bis 21.00 Uhr 9705, 9850 und 13835 kHz.

 

Autor: Kai Ludwig