Unter Leitung eines Laien

Entwicklung der Vatikan-Medien

Nach dem Rücktritt des Gründungspräfekten Dario Viganò wird das vatikanische Dikasterium für Kommunikation jetzt, als erstes Dezernat der Kurie überhaupt, von einem Nichtkleriker geleitet. Schlagzeilen machten hier zuletzt die Tageszeitung L’Osservatore Romano und deren monatliche Frauenbeilage.

Petersdom und Palazzo Pio
Der „Palazzo San Pio X“, das Funkhaus von Radio Vatikan | © Filip B.

Neuer, seit September 2018 amtierender Präfekt des Dikasteriums ist der Journalist Paolo Ruffini. Er hatte zuvor den Fernsehsender der katholischen Kirche in Italien, TV 2000, geleitet.

Im Dezember folgte die Ernennung eines Koordinators aller Vatikanmedien (dieser Posten war seit 2015 vorgesehen, aber unter Viganò nicht mehr besetzt worden) sowie die Einsetzung eines neuen Chefredakteurs des Osservatore Romano. Mit Andrea Tornielli und Andrea Monda übernahmen wiederum italienische Journalisten diese Ämter.

Im Februar machte das monatlich dem Osservatore beiliegende Frauenmagazin, Donne Chiesa Mondo, durch einen Beitrag über totgeschwiegene Übergriffe auf Ordensfrauen von sich reden. Wenige Wochen später erklärte die Gründerin des Magazins, Lucetta Scaraffia, ihren Rückzug.

Auch katholische Medien beschrieben den Vorgang in der Lesart von Scaraffia als „Rücktritt der gesamten Redaktion“. Dem haben die verbliebenen Redakteurinnen jedoch entschieden widersprochen.

Als neue Koordinatorin des Frauenmagazins eingesetzt wurde Rita Pinci, laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung (2. Mai 2019) „für ihre feministischen Positionen bekannt geworden“.

Weiter heißt es in dem Artikel:

„Auf fast allen Führungspositionen der Medienabteilung hat der Papst inzwischen treue Gefolgsleute meist aus der traditionell linksliberalen italienischen Medienszene berufen.“

Die FAZ berichtet auch über eine räumliche Veränderung, die italienische Zeitungen einen „Rauswurf“ nennen: Die Redaktion des Osservatore Romano wird die seit 90 Jahren genutzten Räume in der Vatikanstadt verlassen.

Künftig sollen alle vatikanischen Medien im Funkhaus von Radio Vatikan angesiedelt sein. Dieses Gebäude wird als „Palazzo Pio“ bezeichnet. Es hat zwar exterritorialen Status, liegt aber deutlich außerhalb der Vatikanstadt, 400 Meter vor dem Petersplatz.

Die Medienmarke Radio Vatikan wiederum wird nur noch in italienischer Sprache, hier als Radio Vaticana, verwendet. Die Angebote für andere Länder, so auch das in Deutsch, präsentieren sich seit Ende 2017 hingegen unter der neuen Marke „Vatican News“.


Entgegen den Planungen des früheren Präfekten Viganò gibt es noch immer internationale Hörfunksendungen über die – wiederum mit exterritorialem Status versehene – Sendestation zwischen Santa Maria di Galeria und Cesano, 20 km nordwestlich von Rom. Deren Umfang geht jedoch immer weiter zurück.

Ein erheblicher Teil des restlichen Sendevolumens entfällt auf liturgische Produktionen, bei denen, seit 2017 alle Ausstrahlungen für Mittel- und Westeuropa weggefallen sind, sogar noch Angebote für andere Zielgebiete neu geschaffen wurden. Dazu gehört die Sendung sonntags um 10.30 Uhr, bei der sich wöchentlich die Sprachen abwechseln: Amharisch, Russisch, Armenisch oder Arabisch.

So 07.20-08.00 Uhr: 11930 kHz; Lateinisch (Liturgie)
Mo-Sa 08.00-08.45 Uhr: 11930 kHz; Italien., Arab., Franz.
So 08.05-09.00 Uhr: 9645, 11930 kHz; Ukrainisch (Liturgie)
So 09.10-10.20 Uhr: 7250, 9645 kHz; Rumänisch (Liturgie)
So 10.30-11.50 Uhr: 15595, 17590 kHz; siehe Text (Liturgie)
Fr 13.30-14.00 Uhr: 15595, 17590 kHz; Englisch
17.30-18.00 Uhr: 11950, 15595 kHz; Arabisch
17.30-18.00 Uhr: 13830, 15565 kHz; Amharisch
18.00-18.30 Uhr: 11950 kHz; Französ., Engl.
18.00-19.00 Uhr: 9705, 11815 kHz; Armen., Russ., Ukrain.
18.00-19.00 Uhr: 15565 kHz; Suaheli, Somal., Engl.
19.00-19.20 Uhr: 9705 kHz; Weißrussisch
19.00-20.00 Uhr: 13830, 15565 kHz; Französ., Tigrin.
20.00-20.30 Uhr: 13835 kHz; Portugiesisch
So 20.40-21.00 Uhr: 9705, 9850, 13835 kHz; Latein (Liturgie)
22.00-23.00 Uhr: 7360, 9705 kHz; Engl., Französ.
23.00-23.30 Uhr: 7360 kHz; Portugiesisch
00.00-00.30 Uhr: 5985, 7410 kHz; Chinesisch

Einige weitere Ausstrahlungen laufen über Sendeanlagen der U.S. Agency for Global Media und über die frühere, jetzt als MGLOB firmierende Kurzwellenstation von Radio Nederland Wereldomroep in Madagaskar:

Madagaskar
18.00-19.00 Uhr: 7360 kHz; Suaheli, Somal., Engl.
Philippinen
14.30-14.50 Uhr: 9610, 11875 kHz; Russisch
Sa 14.30-15.15 Uhr: 7485, 9560 kHz; Chinesisch (Liturgie)
16.30-17.30 Uhr: 5920, 7320 kHz; Hindi, Tamil., Malays.
00.00-00.30 Uhr: 9580 kHz; Chinesisch
01.15-02.00 Uhr: 9580, 11900 kHz; Vietnamesisch
USA
03.45-04.00 Uhr: 7305 kHz; Spanisch
13.30-13.45 Uhr: 7305 kHz; Spanisch

Diese Übertragungen werden nicht bar bezahlt, sondern mit Sendezeit verrechnet, die USAGM und MGLOB auf der Kurzwellenstation bei Rom erhalten. Nach der weiteren Reduzierung der Eigenprogramme ist auch hier das Sendeschema inzwischen recht übersichtlich:

05.30-06.00 Uhr: 7260 kHz; VOA in Somalisch
06.30-07.00 Uhr: 7315 kHz; Radio Dabanga
07.00-07.30 Uhr: 9860 kHz; NHK in Englisch
07.00-07.30 Uhr: 11750 kHz; VOA in Haussa
09.00-09.30 Uhr: 12070 kHz; VOA in Haussa
12.30-13.00 Uhr: 15620, 17775 kHz; VOA in Somal.
Sa 13.00-13.30 Uhr: 17540 kHz; VOA in Französ.
15.00-16.00 Uhr: 17530 kHz; VOA in Somalisch
17.00-17.30 Uhr: 17700 kHz; VOA in Haussa
17.30-18.00 Uhr: 15550 kHz; Radio Dabanga
19.00-20.00 Uhr: 17655 kHz; VOA in Portugiesisch
Mo-Fr 23.30-24.00 Uhr: 11900 kHz; VOA in Bambara

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 07.05.2019