Auslandsrundfunk der USA

Haftstrafe für früheren USAGM-Chefstrategen

Der frühere Chefstratege der U.S. Agency for Global Media, Haroon Ullah, ist zu einer Haftstrafe von drei Monaten verurteilt worden. Er hatte sich im Laufe des Jahres 2018 mit gefälschten Reisekostenabrechnungen um mehr als 34.000 US-Dollar bereichert.

Haroon K. Ullah, (Former) Chief Strategy Officer
© usagm.gov

Mit diesem Urteil verwarf der Strafrichter einen Deal von Ullahs Verteidigung und der Staatsanwaltschaft. Aus seiner Sicht sei es erforderlich, an die Regierungsangestellten eine klare Warnung vor den Konsequenzen solchen Verhaltens zu senden.

Ullah war Ende 2017 vom State Department zur USAGM gekommen. Dort entwickelte er eine umfangreiche Reisetätigkeit und stand im Ruf, im Ausland besser bekannt zu sein als im Haus selbst. Auf vielen der von ihm abgerechneten Dienstreisen soll er kaum oder überhaupt nicht für die USAGM tätig geworden sein.

Im Juni 2019 gestand Ullah schließlich die Fälschung zahlreicher Rechnungen, die von ihm ebenfalls als Reisekosten eingereicht wurden. Einen Teil der fingierten Schriftstücke hatte er auf seinem Dienstlaptop angefertigt.

Ullah galt als „linke Hand“ des damaligen Geschäftsführers John Lansing, der ihn persönlich zur USAGM geholt haben soll. Verschiedenen Personen aus seinem Umfeld soll er zu unkündbaren Staatsdienstposten verholfen haben.

Lansing seinerseits beendete im September seine Amtszeit und übernahm inzwischen die Leitung des National Public Radio. Die Ernennung des bereits 2017 vom Weißen Haus nominierten Nachfolgers, Michael Pack, wird von den Demokraten hintertrieben. Damit steht die USAGM nun unter kommissarischer Leitung.

Tomás Regalado: Esta foto fue tomada en las called de Managua muy cerca de la universidad cuando un joven disparó un mortero casero y aterrizó A 2 piez de donde me encontraba.
Der „Anschlag“ im inzwischen nicht mehr zugänglichen Profil von Tomás Regalado junior | © Facebook

Nur wenige Tage nach dem Geständnis von Haroon Ullah wurde der Auslandsrundfunk der USA vom nächsten Skandal erschüttert: Der Sohn des damaligen Direktors von Radio/TV Martí und ein Kameramann fingierten in Managua einen Anschlag auf sie.

Der Direktor, Tomás Regalado senior, sah in der Tätigkeit seines Sohnes keinen Interessenkonflikt. Zu den Vorwürfen selbst wollte er sich nicht äußern und erklärte, seine Rolle bei Radio/TV Martí unverändert beibehalten zu wollen.

Das ließ sich offensichtlich nicht durchhalten: Kurz nach dem Rückzug von Lansing trat auch Regalado ohne Angabe von Gründen zurück. Damit wird Radio/TV Martí nun ebenfalls kommissarisch geleitet.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 30.11.2019