Sender Meyerton

Kurzwelle in Südafrika abgeschaltet

Die Ära des Kurzwellenrundfunks fand am 30. März 2019 nun auch in Südafrika ihr Ende. Die letzte Frequenz, 3320 kHz mit Radio Sonder Grense, wurde kurz nach 22.30 Uhr MEZ (23.30 Uhr Ortszeit) abgeschaltet.

Sender Meyerton
Sendeanlage Meyerton (Foto: Sentech)

Nicht zweifelsfrei auszumachen war, ob zumindest hier in den letzten Moderationen auf die bevorstehende Einstellung der Kurzwellenübertragung hingewiesen wurde.

Keinerlei einschlägige Kommunikation wahrzunehmen war bis zuletzt bei Channel Africa. Dessen lineares Hörfunkprogramm läuft nun nur noch über den Intelsat 20 (68,5° Ost) und die inzwischen weitestgehend außer Gebrauch gekommene Internettechnologie Flash.

Eine wirkliche Bestätigung der Schließung gab es erst sechs Tage vorher, in der letzten aus Meyerton gesendeten Ausgabe des Rundspruchs „Amateur Radio Today“, der nun nur noch auf Amateurfunkfrequenzen läuft.

Wie es in einer ergänzenden Mitteilung hieß, habe das Betreiberunternehmen Sentech sich nicht früher in der Lage gesehen, die Schließung zu bestätigen, und ausdrücklich darum gebeten, von entsprechenden Aussagen abzusehen.

Den ausländischen Kunden hatte Sentech den Standort bereits im Februar abgekündigt. Sie ersetzten ihre Meyerton-Planungen inzwischen durch andere Arrangements. Somit dürfte es bei den Befindlichkeiten und Vorbehalten allein um die South African Broadcasting Corporation gegangen sein.

Zur Würdigung des letzten Sendetages schrieb ein BBC-Experte diesen Beitrag über eine Besonderheit, die SABC und Sentech auch nach dem Ende der Apartheid nie zugegeben haben: Harte Propaganda, die ohne Angabe der Herkunft, also als „Geheimsender“, nach Simbabwe, Angola und Mosambik abgestrahlt wurde.

Stand vom 30.03.2019



Die Hintergründe im
Bericht vom 25. Februar 2019:

In Betrieb gegangen war die Station Meyerton 1966 mit dem Start eines Auslandsdienstes des südafrikanischen Rundfunks SABC. Dieser Auslandsdienst präsentierte sich als Radio RSA, er sendete ab 1967 auch auf Deutsch.

Geldmangel führte 1990, kurz nach dem Beginn der Präsidentschaft von Frederik Willem de Klerk, zur Einstellung der Sendungen für Zielgebiete außerhalb von Afrika, somit auch des Angebots in deutscher Sprache. 1992 erhielt der Dienst seinen heutigen Namen, Channel Africa.

Die jetzt noch verbliebenen Ausstrahlungen laufen grundsätzlich nur an Arbeitstagen:

04.00-04.55 Uhr: 6155 kHz; Englisch
04.00-05.55 Uhr: 3345 kHz; Englisch
07.00-07.55 Uhr: 11925 kHz; Englisch
06.00-16.00 Uhr: 7230 kHz; Engl. (-13.00) u.a.
16.00-16.55 Uhr: 17770 kHz; Suaheli
16.00-17.00 Uhr: 7260 kHz; Englisch
17.00-18.55 Uhr: 15235 kHz; Französ., Engl.

Darüber hinaus verbreitete die Station Meyerton einst mit vier Sendern Inlandsprogramme. Verblieben ist jetzt noch eine Übertragung des Programms in der Burensprache (Afrikaans), Radio Sonder Grense. Sie läuft rund um die Uhr, und zwar 6.00-8.55 Uhr auf 7285 kHz, 9.00-18.55 Uhr auf 9650 kHz sowie 19.00-5.55 Uhr auf 3320 kHz.

Vom südafrikanischen Amateurfunkverband SARL kommt eine weitere, ebenfalls aus Meyerton abgestrahlte Sendung: „Amateur Radio Today“, jeweils sonntags 9.00-10.00 Uhr auf 7205 und 17760 kHz mit einer Wiederholung ab 17.30 Uhr auf 4895 kHz.

Ein unpolitisch-nostalgischer Rückblick:

Nach dem Niedergang des einstigen Radio RSA begann Sentech damit, die Station Meyerton auch ausländischen Programmveranstaltern anzubieten. Das nutzte die BBC, um sich 1996 von den bis dahin eingesetzten Kurzwellensendern in Lesotho zu trennen.

Inzwischen ist die BBC der größte Kunde in Meyerton. Dem Vernehmen nach war es auch eine Ankündigung der BBC, das bisherige Sendevolumen nicht mehr weiter zu bestellen, die jetzt zum gänzlichen „Aus“ führte. Mit den noch zu erwartenden Anforderungen wäre ein wirtschaftlicher Betrieb der Station nicht mehr möglich.

Im Frühjahr 2018 gab es beim BBC World Service bereits interne Ankündigungen über bevorstehende Einschnitte bei den Hörfunksendungen für Afrika. Es ist deshalb nicht vordergründig eine technische Frage, welche der jetzt noch in Meyerton gefahrenen Ausstrahlungen der BBC durch die Nutzung anderer Sendekapazitäten ersetzt werden.

06.00-07.00 Uhr: 3255, 6190, 9915 kHz; Englisch
Sa 06.00-07.00 Uhr: 11945, 15490 kHz; Kinyarw./Kirundi
So 06.29-07.00 Uhr: 11945, 15490 kHz; Kinyarw./Kirundi
07.00-08.00 Uhr: 6190, 12095, 15420 kHz; Englisch
08.00-09.00 Uhr: 6190, 15420, 15490 kHz; Englisch
Sa 12.30-15.00 Uhr: 17745 kHz; Somalisch (Sport)
13.00-13.30 Uhr: 17870 kHz; Französisch
Mo-Fr 15.00-15.30 Uhr: 17640 kHz; Haussa
15.00-16.00 Uhr: 17745 kHz; Somalisch
16.00-17.00 Uhr: 15420 kHz; Englisch
17.00-18.00 Uhr: 3255, 6190, 12095 kHz; Englisch
Mo-Fr 17.30-18.00 Uhr: 17870 kHz; Kinyarw./Kirundi
18.00-19.00 Uhr: 3255, 6190, 9410 kHz; Englisch
Mo-Fr 18.30-19.30 Uhr: 12095 kHz; Äthiopien-Prog.
19.00-19.30 Uhr: 7395 kHz; Französisch
19.00-19.30 Uhr: 9465, 11875 kHz; Somalisch
19.00-21.00 Uhr: 3255, 6190 kHz; Englisch
Mo-Fr 19.30-20.30 Uhr: 9885 kHz; Äthiopien-Prog.

Ein Blick auf die Sendestation Meyerton:

Eine Reihe von Programmveranstaltern hat die seit den 90er Jahren aufgenommene Nutzung der Sendestation Meyerton bereits wieder beendet. Erst in den letzten Jahren zurückgezogen haben sich Radio France Internationale, NHK World und Trans World Radio.

Damit werden bis zum 30. März neben den Programmen aus Südafrika und Großbritannien noch die folgenden weiteren Sendungen aus Meyerton abgestrahlt [Nachtrag: die Sendungen von Radio Dabanga sind schon zum 1. März entfallen]:

Deutsche Welle
07.30-08.00 Uhr: 15200 kHz; Haussa
11.00-12.00 Uhr: 17710 kHz; Suaheli
19.00-20.00 Uhr: 15200 kHz; Haussa
Voice of America
Mo-Fr 17.30-18.00 Uhr: 11850 kHz; Englisch
17.30-18.00 Uhr: 15260 kHz; Suaheli
Mo-Fr 18.30-19.00 Uhr: 12040 kHz; Oromo
19.00-20.00 Uhr: 12040 kHz; Amharisch
Adventist World Radio
18.00-18.30 Uhr: 11800 kHz; Suaheli
18.30-19.00 Uhr: 15490 kHz; Maasai
20.30-21.00 Uhr: 9850 kHz; Igbo
20.30-21.00 Uhr: 11790 kHz; Fulfulde
21.00-22.00 Uhr: 9780 kHz; Französ., Yoruba
Radio Dabanga
05.30-06.00 Uhr: 9600 kHz
16.30-17.00 Uhr: 15350 kHz

Wie auch im Falle der BBC laufen diese Ausstrahlungen fast immer im Verbund mit weiteren, aus anderen Ländern abgestrahlten Frequenzen. Bei der Abwicklung ist üblicherweise der Dienstleister Encompass zwischengeschaltet.

 

Autor: Kai Ludwig; Zeitangaben in MEZ