Auslandshörfunk

Voice of Nigeria weiter terrestrisch

Die Voice of Nigeria verfügt inzwischen über zwei Alleinstellungsmerkmale: Sie ist die letzte noch auf Kurzwelle aktive Rundfunkstation in Nigeria und zugleich der letzte klassische Hörfunk-Auslandsdienst in Afrika, der noch eine über marginale Reste hinausgehende terrestrische Verbreitung unterhält.

Kurzwellensender Abuja-Lugbe
Die ehemals drehbare, jetzt festgelegte Antenne der Sendestation Abuja-Lugbe | © Voice of Nigeria

Auf Kurzwelle gesendet wird von etwa 8.00 bis 13.00 Uhr auf 7255 kHz und von etwa 17.00 bis 23.00 Uhr auf 11770 kHz. In beiden Fällen wird mitunter als Alternative auch die Frequenz 9690 kHz genutzt. Diese Sendezeiten beziehen sich auf Mitteleuropäische Sommerzeit; nach „Winterzeit“ liegen sie eine Stunde früher.

Abends sucht die Voice of Nigeria außerdem, sich ganz modern zu geben und auf 15120 kHz digital zu senden. Erreicht werden könnte damit allerdings nur ein extrem kleiner Kreis von Enthusiasten, und selbst das nur, wenn nicht Technikprobleme alles vereiteln. Schon seit Mai soll zwar ein HF-Signal in die Luft gehen, aber lediglich Stille enthalten.

Das Programm wird hauptsächlich in englischer Sprache, mit eingestreuten Sendungen in Französisch, Haussa, Arabisch, Igbo, Yoruba und Fulfulde, gestaltet. Online läuft es auch außerhalb der Kurzwellen-Betriebszeiten. Wenn auch hier wieder einmal die Technik ausfällt, bleibt noch ein selten bespielter und fast kein Publikum findender Youtube-Kanal.

Die heutige Kurzwellen-Sendestation der Voice of Nigeria befindet sich in Lugbe bei Abuja. 2009 gebaut und erst 2012 in Betrieb genommen wurde sie nur aus einem politischen Grund: Die neue Hauptstadt Abuja sollte auch sendetechnisch abgebildet werden, obwohl das für Hörer überhaupt nicht wahrnehmbar ist.

Von den ursprünglich drei Sendern (je 250 kW) ist einer schon nach wenigen Jahren aufgegeben und zur Ausschlachtung als Ersatzteilspender freigegeben worden. Auch die ursprünglich drehbare Antenne konnte bereits 2014 nicht mehr angesteuert werden; sie ist inzwischen festgelegt und wird für die AM-Sendungen in das benachbarte Westafrika genutzt.

Sender Ikorodu
Dieses Bild aus unerschlossenen Nachlässen zeigt Wartungsarbeiten auf der Sendestation Ikorodu | © Ein verstorbener Sendertechniker

Die alte Sendestation der Voice of Nigeria befindet sich in Ikorodu bei Lagos. Nach ihrer vollen Inbetriebnahme im Jahre 1977 wurden hier auch Programmteile in deutscher Sprache abgestrahlt.

Damit war es jedoch bald wieder vorbei. Im Laufe der 80er Jahre kam es zu einem rapiden Verfall der Anlagen, nach dem nur noch die Westafrika-Frequenz 7255 kHz betrieben werden konnte.

Später wurde die Sendestation noch einmal rekonstruiert, was jedoch keine dauerhafte Abhilfe brachte. Sie wurde auch nach der Inbetriebnahme des neuen Standorts noch für kurze Zeit parallel genutzt, scheint nun aber endgültig ausgefallen zu sein.

Für Erheiterung sorgte deshalb unter Beobachtern, wie 2015 der Direktor der Voice of Nigeria bei einem Besuch von Vertretern der Deutschen Welle eine Wiederaufnahme der deutschen Sendungen ankündigte. Das war offenkundig leeres Gerede, mit dem die Voice of Nigeria ihren Gästen aus Deutschland gefallen wollte.

Auch andere Kurzwellensendungen sind aus Nigeria wohl nicht mehr zu erwarten. Das zeigte sich 2017 bei einem Einsatz von europäischen Technikern, die geholt wurden, um die Sendestation Lugbe nach monatelangem Totalausfall wieder in Gang zu bekommen.

Nichts mehr ausrichten ließ sich in Gwagwalada, auf der Mittelwellenstation von Abuja. Dort war 2003 zusätzliche Kurzwellentechnik installiert worden, um die Frequenz 7275 kHz für die Inlandsversorgung in die Hauptstadt zu übernehmen. Der bei der Besichtigung festgestellte Zustand wurde mit einem Wort beschrieben: Schrott.

Sender Abuja-Gwagwalada
Dieses Foto zeigt vermutlich den Aufbau der Speiseleitung zur Kurzwellenantenne auf der Sendestation Gwagwalada | © Ein verstorbener Sendertechniker

Erfolgreicher war bei dem Besuch von 2017 die Anreise zur Sendestation bei Kaduna. Hier gelang es, einen fast 40 Jahre alten Sender auf 6090 kHz wieder zum Laufen zu bekommen, wenn auch nur mit geringer Leistung.

2018 verschwand das Signal schon wieder. Diesmal war allerdings nicht unbedingt ein Defekt der Grund: Berichtet wurde über Geldnot bei Radio Nigeria Kaduna, das den Betrieb seiner AM-Sender kaum noch finanzieren könne.

Das führte im Herbst 2018 unter eher dubiosen Umständen zu Ausstrahlungen von Radio Nigeria Kaduna über die Kurzwellensender in Frankreich. Nach wenigen Monaten verschwanden diese Übertragungen kommentarlos wieder.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 15.07.2020