Kurzwelle

Voice of Nigeria mit Frequenzwechseln

In den letzten Wochen kam etwas Abwechslung in den Frequenzeinsatz für den Auslandshörfunk aus Nigeria. Allzu große Überraschungen sind dabei nicht zu erwarten: Die Auswahl beschränkt sich auf die langjährigen Stammfrequenzen 7255, 9690 und 11770 kHz.

Kurzwellensender Abuja-Lugbe
Drehstandantenne der Sendestation Abuja-Lugbe | © Voice of Nigeria

Zuletzt deutete sich eine Tendenz an, morgens zunächst auf 7255 kHz zu beginnen und dann auf 11770 kHz umzuschalten. Dabei scheinen auch die Betriebszeiten ausgeweitet worden zu sein. Sie liegen jetzt ungefähr von 8.00 bis 12.30 und von 18.00 bis 23.00 Uhr MESZ.

Ausgestrahlt wird ein überwiegend englischsprachiges Programm mit einzelnen Sendungen in Französisch, Haussa, Arabisch, Igbo und Fulfulde. Online läuft dieses Programm ganztags.

Die heutige Sendestation der Voice of Nigeria befindet sich in Lugbe bei Abuja. Gebaut wurde sie 2009 nur aus einem politischen Grund: Der Umzug in die neue Hauptstadt sollte auch technisch abgebildet werden, obwohl das für das Publikum überhaupt nicht wahrnehmbar ist.

Dabei verzögerte sich die Bezahlung und Abnahme der neuen Anlage bis 2011. Tatsächlich in Betrieb genommen wurde sie erst 2012 – nur, um hier erneut ein Siechtum jener Art zu beginnen, wie es langjährige Kurzwellenhörer bereits von der alten Sendestation in Ikorodu bei Lagos kennen.

Wie schon dort kam es auch in Lugbe innerhalb kurzer Zeit zum Verfall der Ausrüstungen. Bereits 2014 war die Anlagensteuerung komplett ausgefallen. Als Notlösung wurde die drehbare Antenne festgelegt und starr mit einem der drei Sender verbunden.

Ein anderer Sender wurde fest auf die Frequenz 15120 kHz eingestellt und an eine der beiden klassischen Vorhangantennen angeschlossen. Damit versucht die Voice of Nigeria, sich ganz modern zu geben und nach Europa sowie Nordamerika digital zu senden.

Der dritte Sender ist bereits endgültig aufgegeben. Schon vor Jahren begann die Voice of Nigeria damit, ihn als Ersatzteilspender auszuschlachten.

Sender Ikorodu
Dieses Bild aus unerschlossenen Nachlässen zeigt Wartungsarbeiten auf der Sendestation Ikorodu | © Ein verstorbener Sendertechniker

Auch nach der Eröffnung der Sendestation Lugbe gab es noch Ausstrahlungen aus Ikorodu. Vor einigen Jahren sind die dortigen Sender nun aber wohl irreparabel ausgefallen.

Ab 1977 wurden aus Ikorodu auch Programmteile in deutscher Sprache abgestrahlt. Sie fielen, zusammen mit allen anderen Sendungen nach Europa, jedoch im Laufe der 80er Jahre der immer weiteren Verschlechterung des Zustands der Sendeanlage zum Opfer.

Für Erheiterung sorgte deshalb unter Beobachtern, wie 2015 der Direktor der Voice of Nigeria bei einem Besuch von Vertretern der Deutschen Welle eine Wiederaufnahme der deutschen Sendungen ankündigte. Das war offenkundig leeres Gerede, mit dem die Voice of Nigeria ihren Gästen aus Deutschland gefallen wollte.

Auch andere Kurzwellensendungen als die der Voice of Nigeria sind aus diesem westafrikanischen Land wohl nicht mehr zu erwarten. Das zeigte sich 2017 bei einem Einsatz von europäischen Technikern, die geholt wurden, um die Sendestation Lugbe nach monatelangem Totalausfall wieder in Gang zu bekommen.

Nichts mehr ausrichten konnten die Techniker auf einer anderen Sendestation (Gwagwalada), die 2003 neue Kurzwellentechnik erhalten hatte, um die Frequenz 7275 kHz für die Inlandsversorgung nach Abuja zu übernehmen. Der bei der Besichtigung festgestellte Zustand der Anlage wurde mit einem Wort beschrieben: Schrott.

Sender Abuja-Gwagwalada
Dieses Foto zeigt vermutlich den Aufbau der Speiseleitung zur Kurzwellenantenne auf der Sendestation Gwagwalada | © Ein verstorbener Sendertechniker

Erfolgreicher war hingegen die Anreise zur Sendestation bei Kaduna. Hier gelang es, einen fast 40 Jahre alten Sender auf 6090 kHz wieder zum Laufen zu bekommen, wenn auch nur mit geringer Leistung.

2018 verschwand das Signal schon wieder. Diesmal ist allerdings nicht unbedingt ein Defekt der Grund: Berichtet wurde über Geldnot bei Radio Nigeria Kaduna, das den Betrieb seiner AM-Sender kaum noch finanzieren könne.

Das führte im Herbst 2018 unter eher dubiosen Umständen zu Ausstrahlungen von Radio Nigeria Kaduna über die Kurzwellensender in Frankreich. Nach wenigen Monaten verschwanden diese Übertragungen kommentarlos wieder.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 17.07.2019