Kongo

Bukavu auf 6210 kHz

Von der einzigen Rundfunkstation, die im früheren Belgisch-Kongo jetzt noch auf Kurzwelle aktiv ist, traf gerade eine Schilderung der aktuellen Lage ein: Wenn auch bei guten Empfangsbedingungen nichts zu hören ist, kann das ganz schlicht an einer Unterbrechung der Stromversorgung liegen.

Radio Kahuzi
Richard McDonald am Sender | © Radio Kahuzi

In einer Nachricht von Radio Kahuzi an den Kurzwellenhörer Manuel Méndez liest sich das so:

„Auf Sendung sind wir fast jeden Morgen, aber durch stadtweite Probleme tagsüber und am Abend meist nur eine oder zwei Stunden!
Gestern hatte [der Stromversorger] SNEL gegen 18.45 Uhr abgeschaltet. Heute waren wir auf 6210 kHz von 8.26 bis 10.00 Uhr, dann hatten wir bis zum Abend keinen Strom. Bis 19.20 Uhr gab es mehrere Unterbrechungen, bis SNEL um 19.45 Uhr endgültig abschaltete.
Das Hauptproblem scheint die ungenügende Isolierung der Kabel zu sein. Die Aluminiumkabel sind nicht ausreichend gegen Regen und Kurzschlüsse geschützt.
Sie können sich vorstellen, wie schwierig es ist, auf Sendung zu bleiben und die Geräte zu schützen, wenn bei Kurzschlüssen in den Trafostationen die Spannung zwischen 180 und 380 Volt schwankt!“

Stand vom 02.06.2019


 

Radio Kahuzi wird in Bukavu, an der Grenze des Kongo zu Ruanda, von den US-amerikanischen Missionaren Richard und Kathy McDonald betrieben. Es startete 1992 zunächst auf UKW. 2001 folgte ein von Radio HCJB bereitgestellter Kurzwellensender mit 1 kW auf 6210 kHz.

In den letzten Jahren lief der Sender nur tagsüber. Jüngste Beobachtungen zeigten aber wieder die von früher bekannte Sendezeit bis 20.00 Uhr MESZ (ab 27. Oktober hierzulande dann nach MEZ 19.00 Uhr). Das eröffnet erneut die Chance, vor dem abendlichen Programmende das Signal auch in Europa zu erahnen.

Vorletzte Kurzwellenstation des Kinshasa-Kongo war Radio Candip, gegründet 1977 von einer Bildungseinrichtung in Bunia, ebenfalls im äußersten Osten des Landes. Radio Candip dürfte jetzt nur noch auf UKW senden; auf der Kurzwelle 5066 kHz wurde es zuletzt im Frühjahr 2017 gehört.

Drittletzte Kurzwellenstation war Radio Okapi, eines der Projekte von Vereinten Nationen und Stiftung Hirondelle (Schweiz). Ab 2001 nutzte Radio Okapi zunächst die alten Kurzwellensender in Kinshasa. Sie wurden 2005 durch einen nur noch stundenweisen Betrieb der Frequenzen aus dem Ausland ersetzt, der schließlich 2013 entfiel.

Schon länger nur noch Erinnerung sind die Kurzwellenübertragungen des Staatsfunks in Kinshasa. Auch auf rtnc.cd gab es bei der Zusammenstellung dieses Beitrags nichts als eine leere Seite. Für Europa bleibt damit einzig der an große Antennen gebundene Empfang des Satellitensignals im C-Band (2,8° Ost, 3,987 GHz rz).

Zum Zustand des Fernsehens in Kinshasa erschien bereits 2011 dieser Bericht:

 

Autor: Kai Ludwig