Personalie

Leiter von BBC Persian wechselt zu Iran International

Der bisherige Leiter des Iran-Programms der BBC, Sadeq Saba, ist zu Iran International gewechselt. Die Zeitung „Evening Standard“ zitiert ihn mit einer Äußerung zum Bericht des „Guardian“ über die Geldgeber des Senders.

Iran International
Hinweis auf die terrestrische Ausstrahlung des Fernsehtons | © Iran International

Demnach werde Iran International von „einem saudischen Bürger“ finanziert. Der Sender sei trotzdem redaktionell unabhängig.

Aus exiliranischen Kreisen ist deutliche Kritik an Iran International zu vernehmen.

Wieder ruhig geworden ist es um die Störung der terrestrischen Ausstrahlung des Fernsehtons. Diese läuft nach letztem Stand auf Kurzwelle von 5.00 bis 13.00 Uhr MEZ auf 11570 kHz und sonst auf 6270 kHz. Unterschiedliche Meinungen gibt es dazu, ob hier nun die Sender in Armenien oder in Usbekistan genutzt werden.

Zusätzlich hinzugenommen wurde inzwischen auch noch die Mittelwelle 801 kHz. Hier handelt es sich wahrscheinlich um einen Sender in Tadschikistan. Die Frequenz suggeriert zwar zunächst eine Sendeanlage im Nordwesten von Jordanien. Es ist jedoch schon fraglich, ob dieser Sender Jahre nach der Abschaltung überhaupt noch betriebsfähig wäre.

Stand vom 11.01.2020


 

Bericht vom 30. November 2019:

Große Aufmerksamkeit widmet die Islamische Republik offensichtlich Iran International, einem seit 2017 aus London sendenden Fernsehprogramm. Zum 19. November hatte Iran International die Verbreitung seines Programms erweitert, auch um eine Übertragung des Fernsehtons auf Kurz- und Mittelwelle.

Am 18. November kam es kurzzeitig zu Störungen der Übertragung auf der Hotbird-Plattform, wie sie während der Präsidentschaft Ahmadineschād in großem Umfang praktiziert wurden. Dies blieb eine Episode, die sich nicht wiederholte.

Tage später meldete sich Iran International mit der Mitteilung einer einschlägigen Beschwerde. Nicht auszuschließen ist eine Verwechslung mit der Störung der Übertragungen auf Kurzwelle.

Zu beobachten sind hier zunächst die seit langer Zeit bekannten, in der Vergangenheit vor allem gegen die damals in den Iran abgestrahlten „Geheimsender“ gerichteten Wobbelsignale.

Diesmal werden diese alten Wobbelsender zusätzlich durch die Rundfunk-Großstation bei Sirdschan verstärkt. Vom 20. bis 25. November geschah das in sehr auffälliger Weise mit einem voll ausgesteuerten 1000-Hertz-Ton. Inzwischen wurde wieder dazu übergegangen, die Sender mit einem der IRIB-Auslandsprogramme zu modulieren.

Wegen dieser Störsendungen sind die für Iran International genutzten Kurzwellenfrequenzen bereits mehrfach geändert worden. Nach letztem bekanntem Stand, der sich jederzeit wieder ändern kann, läuft die Übertragung von 5.00 bis 13.00 Uhr MEZ auf Frequenzen um 11590 kHz, in den übrigen Stunden des Tages auf 6270 kHz. Eingesetzt wird wahrscheinlich die Kurzwellenstation bei Taschkent.

Genutzt wird darüber hinaus die Mittelwelle 1395 kHz aus Armenien. Als Sendezeiten gemeldet wurden dafür 16.00-17.00 und 18.45 bis 4.00 Uhr. In der Unterbrechung läuft auf der Frequenz weiterhin das Minderheiten- und Auslandsprogramm des Armenischen Rundfunks.

Die Übertragungen auf Kurz- und Mittelwelle begannen am 19. November. Zugleich – und das legt die Bereitstellung zusätzlicher Mittel durch die Geldgeber nahe – begann Iran International auch mit der Nutzung zusätzlicher Satellitenkapazitäten.

Besonders bemerkenswert ist hier die Nutzung eines Transponders von Sky UK auf Astra 2G (28,2° Ost). Die Ausleuchtzone diese Satelliten endet über dem Schwarzen Meer. Erreichen lassen sich hier also nur Zuschauer in Europa; in erster Linie in Großbritannien und Irland.


Veranstalter von Iran International ist eine „Global Media Circulating Limited“. 2018 berichtete der „Guardian“ über eine Finanzierung des Programms durch Saudi-Arabien. Iran International hat dieser Darstellung widersprochen und erklärt, der Sender werde von Privatpersonen betrieben.

Aus Sicht der Islamischen Republik zählt Iran International zu den „Feindsendern“. Es gehört neben den persischen Diensten der BBC und der Voice of America sowie Manoto TV zu den Medien, die internationale Nachrichtenagenturen nicht mit Material aus dem Iran beliefern, um eine Schließung ihrer Büros in Teheran zu vermeiden.

Folgt man der Darstellung des „Guardian“, dann sind die Störsendungen gegen den Fernsehton von Iran International nicht ohne Ironie: Im Frühjahr bis Frühsommer 2018 wurden umgekehrt die Kurzwellen des arabischen IRIB-Programms aus Saudi-Arabien gestört.

In Europa ist die Methode der Störung terrestrischer Hörfunksendungen 1988 „aus der Mode gekommen“. Seinerzeit noch undenkbar war deren Praktizierung durch ein Land, das der NATO angehört und einen Beitritt zur heutigen Europäischen Union konkret anstrebt(e). Genau dies ist nun schon mehr als einen Monat für die Türkei zu konstatieren.

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Wolfgang Büschel