Kurzwelle

Einschränkungen bei US-Sendern in Hessen

Bis heute betreibt der Auslandsrundfunk der USA zwei Kurzwellenstationen in Hessen, die auch als anderweitiger Stützpunkt der Betriebsdirektion dienen. Hier kam es zum 31. Oktober 2021 jedoch zu (mindestens) einer Einschränkung, der weitere folgen könnten: Die für den Doppelstandort bereitgestellten Finanzmittel sollen gekürzt werden.

Sender Lampertheim
Der Senderraum in Lampertheim | © Kai Ludwig

Zu konstatieren ist der Wegfall der letzten von bislang drei täglichen Kurdisch-Sendungen der Voice of America. Sie soll laut technischen Planungen zwar weiterhin von 20.00 bis 21.00 Uhr aus Hessen abgestrahlt werden. Zu hören ist auf den koordinierten Frequenzen jedoch nichts mehr.

Das überrascht insofern nicht, als die Budgetplanungen für das neue US-Haushaltsjahr 2022 eine Kürzung der für diese Sendeanlagen bereitgestellten Mittel vorsehen. Nach 8,7 bzw. 7,5 Millionen Dollar in den Haushaltsjahren 2020 und 2021 sollen sie sich nun nur noch auf 5,6 Millionen Dollar belaufen.

Hier geht es um die Sendestationen bei Biblis und Lampertheim, die ab 1950 für Radio Free Europe und für Radio Liberty aufgebaut wurden. Den Anfang machte ein fahrbarer, 7,5 kW starker Sender, der wenig später nach Portugal umsetzte.

Die Reste dieses Fahrzeugs sind in Portugal erst vor kurzem wieder aufgetaucht. Die dortige, bereits 1996 stillgelegte Sendestation Glória do Ribatejo ihrerseits wurde jetzt von Netflix zum Sujet erkoren.

Die noch heute in Biblis und Lampertheim vorhandene Sendetechnik ist größtenteils in zwei Wellen 1977 und 1986 von einem US-amerikanischen Hersteller geliefert worden. 1990 folgten noch weitere Sender aus Frankreich.

Von 1991 bis 1993 hatte RFE/RL in Biblis und in Portugal bereits die Ausstrahlung des noch einmal aufgelegten deutschsprachigen Programms der VOA übernommen. 1994 wurde schließlich ein organisatorisches Dach für alle Auslandssender der USA geschaffen, die damit ihre Infrastruktur in einen gemeinsamen Technikpark einbrachten.

Bis dahin hatten RFE/RL und VOA teils in direkter Konkurrenz gegeneinander angesendet. Eine der ersten Entscheidungen des neuen Rundfunkrats war, die gleichzeitige Ausstrahlung von Programmen in derselben Sprache zu untersagen.

Wo eine solche Zersplitterung der Ressourcen besteht, müssen die parallel existierenden Hörfunkangebote nun wenigstens in zeitpartigierter Form gesendet werden. Das betrifft heute vor allem noch die Programme für Afghanistan.

Lampertheim, Sender Thomson-CSF
Zwei der zuletzt installierten französischen Sender in Lampertheim | © Kai Ludwig

Die Sender in Biblis und Lampertheim haben die verhältnismäßig geringe, für viele Fälle aber immer noch ausreichende Leistung von jeweils 100 kW. Das sorgt zugleich für vergleichsweise niedrige Betriebskosten. Dadurch konnten sich die beiden Standorte bis heute halten.

Eine umfassendere Ausnutzung dieses Umstands verhindern allerdings die beschränkten Antennenparks. Sie sind, entsprechend der ursprünglichen Aufgabe dieser Anlagen, nur für eine Versorgung des Gebiets von Mitteleuropa bis in die frühere Sowjetunion ausgelegt.

Als einzige Erweiterung entstanden in Lampertheim noch zwei zusätzliche Vorhangantennen, als bei RFE/RL in den 90er Jahren das zerfallende Jugoslawien als Sendegebiet hinzukam. Dank dieser Antennen kann heute wenigstens noch das Horn von Afrika erreicht werden.

Ansonsten werden neben den wenigen Hörfunksendungen, die RFE/RL jetzt noch in den postsowjetischen Raum abstrahlt, heute vor allem Programme in die neben und, von Hessen aus gesehen, hinter der früheren Sowjetunion liegenden Länder übertragen.

Dabei waren die Stationen Biblis und Lampertheim ein regelrechtes Rettungsboot für Radio Free Asia, als 2018 dessen Kurzwellenanlagen auf den Nördlichen Marianen schwere Sturmschäden erlitten. Die RFA-Sendungen für Tibet sollen nach wie vor aus Hessen mit übertragen werden.

Antennen in Lampertheim
Koaxialleitungen zu den Antennen in Lampertheim; rechts das nachträglich errichtete Antennenpaar für Sendungen nach Südosten | © Kai Ludwig

Einstweilen sind für den Winter 2021/2022 beide hessischen Standorte weiter eingeplant. Dabei sollte sogar noch eine neue Aufgabe hinzukommen: Die Ausstrahlung des VOA-Programms in Urdu, der Landessprache von Pakistan.

Grund ist die Umnutzung der bisher genutzten Mittelwellenfrequenz in Tadschikistan. Sie überträgt, einstweilen als vorsorgliche Ergänzung, jetzt die Programme für Afghanistan.

Aus Biblis sollen aktuell folgende Sendungen kommen:

02.30-03.00 Uhr: 7290 kHz; VOA Afghanistan
05.30-08.30 Uhr: 9895 kHz; RFE/RL Iran
07.00-08.00 Uhr: 17675 kHz; RFA Tibet
07.30-19.00 Uhr: 12005 kHz; RFE/RL Iran
11.00-14.00 Uhr: 17880 kHz; VOA Urdu
15.00-16.00 Uhr: 12045 kHz; RFE/RL Usbekisch
15.00-16.00 Uhr: 15270 kHz; VOA Kurdisch
15.00-16.00 Uhr: 17585 kHz; RFA Tibet
15.00-17.00 Uhr: 11965 kHz; RFE/RL Turkmenisch
16.00-16.30 Uhr: 15690 kHz; RFE/RL Farsi
17.00-18.00 Uhr: 9490 kHz; RFE/RL Usbekisch
17.00-20.00 Uhr: 7495 kHz; VOA Paschtu für Pakistan
18.00-19.00 Uhr: 7475 und 9390 kHz; VOA Kurdisch
(20.00-21.00 Uhr: 7225 und 9750 kHz; VOA Kurdisch)

Für Lampertheim ist angezeigt:

02.00-05.00 Uhr: 7470 kHz; VOA Paschtu für Pakistan
04.30-05.00 Uhr: 9825 kHz; VOA Somali
05.00-08.30 Uhr: 12050 kHz; RFE/RL Iran
06.30-16.30 Uhr: 13765 kHz; RFE/RL Iran
08.30-16.00 Uhr: 15690 kHz; RFE/RL Iran
14.30-17.30 Uhr: 11695 kHz; RFE/RL Iran
15.00-16.00 Uhr: 15490 kHz; RFE/RL Usbekisch
15.00-18.00 Uhr: 9470 kHz; RFE/RL Tadschikisch
16.00-18.00 Uhr: 13590 kHz; VOA Paschtu für Pakistan
16.30-18.30 Uhr: 7580 kHz; RFE/RL Iran
17.00-19.00 Uhr: 11905 kHz; VOA Somali
17.30-18.30 Uhr: 9975 kHz; VOA Afghanistan
18.00-19.00 Uhr: 9750 kHz; VOA Kurdisch
Mo-Fr 18.30-19.00 Uhr: 12040 kHz; VOA Oromo
(20.00-21.00 Uhr: 7485 kHz; VOA Kurdisch)

Diese Daten stammen aus der internationalen Frequenzkoordinierung. Tatsächliche Angaben zum Betriebsablauf sind vom Auslandsrundfunk der USA seit Jahren nicht mehr zu erhalten. Der lakonische Kommentar eines früheren Mitarbeiters: Sonst könnten die Sendungen womöglich von Hörern abgefangen werden ...

Ein großer Teil der genannten Programme wird zugleich auf anderen Frequenzen auch von anderen Standorten aus abgestrahlt. Umgekehrt kommen die hier genannten Frequenzen außerhalb der angegebenen Zeiten zum Teil wiederum von anderen Standorten aus zum Einsatz.

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Alexander Busneag; Stand vom 12.11.2021