Nach dem Wegfall des Hörfunks

BBC beendet Fernsehsendungen in Pakistan

Am 31. Dezember 2019 hatte die BBC ihre terrestrischen Hörfunksendungen nach Pakistan eingestellt. Daran zu erinnern ist wegen einer aktuellen Entwicklung: Wie die BBC am 15. Januar 2021 mitteilte, hat sie die Zusammenarbeit mit einem Fernsehsender in Pakistan mit sofortiger Wirkung beendet.

BBC Urdu TV ends broadcasts on Aaj TV
© BBC

Die dazu herausgegebene Pressemitteilung umschreibt den Grund als „Interferenzen“. Darunter sind keine technischen Störungen zu verstehen, sondern Schnittbearbeitungen oder, falls es sich bei der übernommenen BBC-Sendung um eine Direktübertragung handelte, deren Unterbrechung.

Auf solche Eingriffe durch Ausstrahlungspartner reagiert die BBC, wenn Kontaktaufnahmen keine Abhilfe bringen, in der Regel mit dem konsequenten Abbruch der Zusammenarbeit. Dies geschah zuvor 2017 in Burma und 2013 in Sri Lanka.

Die Voice of America hat mit Aaj TV in den letzten Monaten die gleichen Erfahrungen gemacht wie die BBC, betreibt allerdings nach wie vor ein Hörfunkprogramm in Urdu. Der jetzt von der BBC gegebene Verweis auf das Internet würde hier nur begrenzt helfen: Die VOA-Seiten in Urdu und Paschtunisch sind seit 2018 in Pakistan gesperrt.

Gegenüber der VOA lehnte es Aaj TV ab, sich zu diesem Thema zu äußern. Laut Insidern geht, so berichtet die VOA, der Druck zur Ausübung von Zensur von den unterschiedlichsten Seiten aus: Regierungsstellen und Behörden, die Justiz, extremistische Islamisten. Die intensivsten Einschüchterungen kämen jedoch vom Militär.

Im Gegensatz zur VOA hatte die BBC ihre Hörfunksendungen in Urdu am 31. Dezember 2019 eingestellt. Sie liefen zuletzt noch für eine Stunde am Abend; außer auf Kurzwelle auch über den Mittelwellen-Großsender der BBC in Oman. Auslöser des Schrittes war ein 2018 festgestellter drastischer Rückgang der Hörerzahlen.

Am 31. Januar 2020 endeten dann auch die BBC-Sendungen in Hindi. Indische Zeitungen wie The Print und Hindustan Times berichteten von bestürzten Reaktionen und verwiesen darauf, wie die BBC ihre Hindi-Sendungen schon 2011 abschalten wollte.

Bemerkenswert war die Einstellung der Sendungen in Urdu und Hindi, weil die BBC sie wegen der Abschaltung des Internetzugriffs in Kaschmir erst im August 2019 nochmals erweitert hatte.

Seinerzeit gab der Direktor des BBC World Service, Jamie Angus, gegenüber CNN einen Kommentar, nach dem die nur wenige Wochen später vollzogene Abschaltung durchaus nicht zu erwarten war: Zwar seien bei der Kurzwelle die Hörerzahlen im Niedergang, aber es handele sich noch immer um „eine wichtige Lebensader als Weg, die Leute zu erreichen“.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 19.01.2021