510 Arbeitsplätze

Sparmaßnahmen bei der BBC

Die BBC verkündete in zwei Runden am 28. und 29. Januar Pakete von Sparmaßnahmen, die insgesamt zum Abbau von 510 Arbeitsplätzen führen. Mit den vorgesehenen Maßnahmen wird der Schwerpunkt weg von den klassischen linearen Medien in den digitalen Bereich verlagert.

BBC
BBC-Zentrale in London | © dpa - Bildfunk

Als „Modernisierung“ verkauft die BBC das größere, 450 Arbeitsplätze kostende Sparpaket.

Es sieht vor, in der Nachrichtenredaktion künftig für alle Medien parallel zu produzieren. Bei dieser geänderten Arbeitsweise wird sich, wie die BBC selbst einräumt, die Anzahl der aufgegriffenen Themen reduzieren.

Ganz eingestellt werden die Sendungen „Victoria Derbyshire“ im Fernsehen und „World Update“ im Hörfunk-Weltprogramm. Die Fernsehsendung „Newsnight“ wird künftig weniger Beiträge enthalten. Für die Hörfunkwelle 5 Live ist zunächst nur vage ein Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt.

Beim englischen „World Service“-Radio wird es darüber hinaus noch weitere, einstweilen nicht konkret genannte Veränderungen geben.

Hierzu verweist die BBC auch auf die bereits laufenden Änderungen im Angebot für Asien, wo gerade die terrestrischen Sendungen nach Indien und Pakistan verschwinden. Der auf den World Service entfallende Anteil der abzuschaffenden Arbeitsplätze beläuft sich auf 50.

Zu einer Graphik aus der internen Präsentation des Sparpakets erschien der Kommentar, was es zu bedeuten habe, wenn „originaler Journalismus“ nur noch in einer unteren Ecke erscheint:

BBC News werde zum Aushangbrett der Wirtschaft, der Monarchie und des Staates. Das Diagramm selbst sehe aus, als hätte es der Redakteur eines Lifestyle-Magazins gezeichnet, aber kein politischer Journalist.

Bereits einen Tag zuvor angekündigt wurde der Abbau von 60 Arbeitsplätzen in der Hörfunkproduktion der BBC, die im Wettbewerb mit externen Produktionsfirmen steht. Hier geht es um einen in den kommenden Jahren erwarteten Rückgang der Aufträge von den nationalen Hörfunkwellen.

Stand vom 29.01.2020


 

Archivbericht vom 31. März 2019:

Die BBC plant, die Zeitfunksendungen von World Service und Radio 4 am Abend nacheinander von ein und demselben Team produzieren und präsentieren zu lassen.

Das betrifft die Sendungen Newshour im World Service und The World Tonight auf Radio 4. Sie sollen künftig von einem Studioteam am Stück von 20.00 Uhr durchweg bis 22.45 Uhr Ortszeit gefahren werden.

Die Journalistengewerkschaft NUJ nennt den Plan

„[...] Irrsinn, es sei denn, in Wirklichkeit soll The World Tonight unter den Bus gebracht werden.“

Es sei unmöglich, noch innenpolitische Themen zu vertiefen, wenn der Moderator sich weder über Entwicklungen des Abends informieren noch vorab Interviews aufzeichnen kann, da er zuvor bereits mit der Präsentation einer auf das Weltgeschehen fokussierenden Sendung beschäftigt ist.

Nach Darstellung der Gewerkschaft wurde dem Nachrichtenbereich der BBC auferlegt, Einsparungen im Volumen von 80 Millionen Pfund zu realisieren. Die gemeinsame Produktion der beiden Sendungen solle dazu 567.000 Pfund pro Jahr beitragen.

Dabei sieht die Gewerkschaft die Möglichkeit, einen erheblichen Teil der Einsparungen durch eine Reduzierung der Managementposten zu erreichen. Erst unlängst seien größere Beträge dafür aufgetrieben worden, Führungskräften eine erheblich über der Inflationsrate liegende Erhöhung ihrer Bezüge zu gewähren.

In einem Leserbrief appellieren frühere Moderatoren an die BBC, „The World Tonight nicht zu zerstören“.

Die NUJ erinnert auch an kritische Diskussionen darüber, wie Aufwendungen von zehn Millionen Pfund für die neue Plattform BBC Sounds mit Kürzungen in den Etats von Radio 2, Radio 3 und Radio 4 einhergehen. Außerhalb von Großbritannien ist zwar die Browserversion dieser Plattform nutzbar, nicht jedoch die Smartphone-Anwendung.

BBC Sounds wurde auch zu einem Fall für die Grundsatzdiskussion um die Bespielung von Drittplattformen durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, nachdem die BBC hier Google ausgeschlossen hatte. Wie bei Podnews.net nachzulesen, hat die BBC auch diese Kontroverse durch ihren Kommunikationsstil noch zusätzlich befeuert.

 

Autor: Kai Ludwig