Frequenzwechsel

Armenischer Rundfunk jetzt auf 1395 kHz

Ein Dreivierteljahr nach der Abschaltung seiner letzten Kurzwelle 4810 kHz hat der Armenische Rundfunk die Ausstrahlung auf Mittelwelle von der bisher genutzten 1314 kHz auf eine in Europa inzwischen nur noch von einigen Kleinstsendern genutzte Frequenz umgezogen und damit auch hierzulande hörbar gemacht.

Sender Gawar
Einige Kurzwellenantennen der Sendestation bei Gawar | © Radio GmbH

Der jetzt auf 1395 kHz laufende Programmblock kommt wohl unverändert von 17.00 bis 20.45 Uhr MESZ, ab 27. Oktober dann 16.00-19.45 Uhr MEZ. Er enthält nacheinander Segmente in den Sprachen Assyrisch, Griechisch, Kurdisch, Nordkurdisch/Jesidisch, Türkisch, Aserbaidschanisch, Persisch und Arabisch.

Dieser Programmblock ist sowohl für ethnische Minderheiten in Armenien selbst als auch für die Nachbarländer bestimmt. Bis 2018 lief er auch über die Kurzwelle 4810 kHz. Mit deren Abschaltung verschwand die letzte der klassischen, vor Jahrzehnten in der Sowjetunion eingeführten Frequenzen im 60-Meterband.

Alle anderen Auslandssendungen auf höheren Frequenzen (es gab sie bereits ab 1959) waren schon 2006 entfallen. Das 1994 eingeführte Angebot in deutscher Sprache fand 2016 dann auch im Internet sein Ende.

Öffentliches Radio Armeniens
Das 2016 zunächst eingefrorene, 2019 schließlich ganz gelöschte deutschsprachige Angebot armradio.info/ger/


Ebenfalls 1994 begann eine kommerzielle Vermarktung der Sendeanlagen. Erster Kunde war das Missionswerk Mitternachtsruf aus der Schweiz (siehe auch relinfo.ch). Zur Ankündigung dieser Sendungen hieß es allen Ernstes, man nutze „einen der stärksten Sender des KGB“, der „auf dem Berge Ararat steht“.

In den folgenden Jahren machten von der Sendemöglichkeit in Armenien noch weitere Missionswerke Gebrauch, bis diese Ausstrahlungen schließlich 2003 entfielen. Einer der Nutzer ließ seinerzeit durchblicken, er habe für die Sendezeit schon länger nichts mehr gezahlt.
 

Später etablierte sich eine anderweitige Vermarktung der Sendeanlagen bei der Ortschaft Noratus, auf der nordöstlich von Gawar (vormals Kamo) in den Sewansee ragenden Landspitze. Deren Betreiber firmiert, ins Deutsche übersetzt, heute schlicht als „Radio GmbH“.

Ausländische Nutzer der Mittelwellensender sind jetzt noch Radio Free Europe / Radio Liberty (4.00-5.00 und 17.00-18.00 Uhr auf 864 kHz) sowie Trans World Radio (18.10-19.55 Uhr auf 864 kHz, 20.00-20.45/21.15 Uhr auf 1350 kHz, 19.00-22.00 Uhr auf 1377 kHz).
 

Ein großer Kunde für die Kurzwellentechnik wiederum ist inzwischen die BBC. Sie ersetzt damit sowie mit weiteren Anmietungen in Zentralasien ihre eigene Sendestation in Thailand, deren Lizenz nach dem Ablauf des Jahres 2016 nicht mehr verlängert wurde, da die BBC wegen kritischer Berichte bei der Militärregierung in Ungnade gefallen war.

Daneben laufen über die Kurzwellensender in Armenien wiederum Programme von Trans World Radio (für Asien 15.15-16.30 Uhr auf 9910 kHz und 15.15-18.00 Uhr auf 9300 kHz) sowie von Adventist World Radio (Telugu 17.00-17.30 Uhr auf 15590 kHz, Hindi 17.30-18.00 Uhr auf 15285 kHz, Englisch für Asien 18.00-18.30 Uhr auf 9490 kHz).

Hinzu kommen noch Sendungen der ebenfalls religiösen Veranstalter IBRA Radio (für Äthiopien 18.00-19.00 Uhr auf 9540 kHz und 19.30-20.00 Uhr auf 7510 kHz), FEBA Radio (ebenfalls nach Äthiopien 18.00-19.00 Uhr auf 12150 kHz) und Bible Voice (Englisch sonntags 20.30-21.30 Uhr auf 6130 kHz nach Europa, tageweise 4.00-4.30 Uhr auf 11945 kHz nach Südasien).
 

Auch hier ergeben sich ab 27. Oktober nach MEZ jeweils eine Stunde frühere Sendezeiten, bei den Kurzwellen verbunden mit fallweisen Frequenzänderungen. Die Kurzwellensender fallen öfters durch eine schlechte Übertragungsqualität auf, so auch bei den Weihnachts-Sondersendungen des NDR.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 08.10.2019