Indien

Kurzwellensender Thiruvanthapuram wieder aktiv

Entgegen dem generellen, auch um Indien keinen Bogen machenden Trend zum Abbau der Infrastruktur des Kurzwellenhörfunks gibt es eine Reaktivierung: Die Regionalstation in Thiruvanthapuram (Kerala) ist wieder auf den altbekannten Frequenzen im 60- und 41-Meterband aktiv.

Thiruvanthapuram / Trivandrum
© Sammlung University of Texas

Planmäßig vorgesehene Betriebszeiten des Senders in Thiruvanthapuram (die jetzt verpönte englische Version des Namens der Stadt: Trivandrum) sind 4.30-11.30/12.30 Uhr für die Tagfrequenz 7290 kHz sowie 2.20-4.05 und 13.30-19.40 Uhr für die Nachtfrequenz 5010 kHz. Gemeint ist MESZ, während der „Winterzeit“ ergeben sich also eine Stunde frühere Sendezeiten.

Dabei scheint diese Regionalstation derzeit nur ein eingeschränktes Programm auszustrahlen; bei einer beispielhaften Beobachtung endete es bereits um 18.10 Uhr. Auch völlige Sendeausfälle sind weiter an der Tagesordnung.

Bereits seit Januar wieder in Betrieb ist der regionale Kurzwellensender in Aizawl, im zwischen Bangladesch und Burma liegenden Zipfel von Indien. Zu sehr ähnlichen Zeiten gesendet wird hier auf den Frequenzen 7295 bzw. 5050 kHz.

Zum Zeitpunkt dieser Reaktivierung ahnte natürlich noch niemand etwas von der zwischenzeitlich eingetretenen Katastrophe. Mittlerweile ist Indien nach den USA und Brasilien das dritte Land, in dem die offizielle Zahl der Coronavirusfälle jenseits der Millionengrenze liegt.

Drastisch eingeschränkt hat All India Radio deshalb seinen Auslandsdienst. Hier gab es gerade einige Änderungen. Die Tamilisch-Sendung am hiesigen Mittag ist wieder entfallen, neu aufgenommen wurde dafür eine Sendung in Farsi von 6.00 bis 6.30 Uhr MESZ auf 11560 und 15210 kHz.

Auf 11560 kHz läuft nun das Programm in Paschtunisch bis 17.00 Uhr. Dem folgt bis 17.30 Uhr eine Sendung in Englisch, die bereits für Verblüffung sorgte, weil sie deutlich informativer ist als bislang gewohnt. Des Rätsels Lösung: Diese Sendung ist keine Eigenproduktion des Auslandsdienstes, sondern eine Übernahme von der Nachrichtenredaktion.

Auch das Unterhaltungsprogramm Vividh Bharati wird wieder auf Kurzwelle ausgestrahlt: In den Zeitblöcken 2.25-6.35, 10.30-14.10 und 14.45-19.40 Uhr jeweils auf der bekannten (siehe ganz unten) Frequenz 9380 kHz.

Unterdessen ist China mit seinen Störsendern am 6. Juli nach sechs Tagen den Frequenzänderungen gefolgt, die All India Radio bei seinen Auslandssendungen in Tibetisch und Chinesisch vorgenommenn hat. Damit gibt es keinen Zweifel an der gezielten Sabotierung dieser Übertragungen mehr.

Stand vom 21.07.2020


 

Archivmeldungen zum Rückbau des indischen Kurzwellenrundfunks:


September 2019:

All India Radio hat einen größeren Teil der Sendekapazitäten seines Auslandsdienstes aufgegeben. In Delhi bleibt nur noch einer der zuletzt sechs 250 kW-Sender in Betrieb. Ebenfalls stillgelegt wurde einer der sechs modernen Sender in Bangalore (Bengaluru).

In Aligarh sind nach den ersten, 1970 in Betrieb gegangenen Sendern nun auch die nächsten zwei Anlagen von 1983 stillgelegt. Hier verbleiben nur noch die beiden Thomcast-Sender von 2001. In Panaji, wo nur noch einer der beiden 250 kW-Sender von 1992 aktiv war, endete der Sendebetrieb für den Auslandsdienst ganz.

Als Senderstandort des Auslandsdienstes ebenfalls ganz aufgegeben ist Bombay (Mumbai). Hier liefen über einen 1984 installierten, 100 kW starken Sender noch die Frequenzen 7340 kHz (Urdu 10.30-13.30 Uhr) und 11935 kHz (Englisch 19.45-21.45 Uhr), die nun ersatzlos entfallen sind.

Stillgelegt wurden auch drei weitere Sender, die bislang der regionalen Versorgung dienten: In Port Blair (4760/7390 kHz), in Kurseong (4895/7230 kHz) und in Shillong (4970/7315 kHz).

Damit arbeitet am hiesigen späten Nachmittag auf 4760 kHz nun ausschließlich der Sender in Leh (Jammu und Kaschmir). Derzeit endet das tägliche Programm hier um 19.00 Uhr MESZ. Im Winter soll dann schon um 17.30 Uhr MEZ abgeschaltet werden.

 

Januar 2019:

Prasar Bharati, die staatliche Rundfunkgesellschaft von Indien, verfügte Einsparungen in ihrem Hörfunkzweig. Im Vordergrund steht die Einstellung des landesweiten, 1987 eingeführten Nachtprogramms „National Channel“.

Als zentral aus Delhi gesendetes Programm stellte „National Channel“ eine Besonderheit dar. Sonst gibt es bei All India Radio eine ausgeprägte Regionalisierung, bei der die in Delhi produzierten Programmteile mit umfangreichen Sendestrecken aus den örtlichen Funkhäusern verbunden werden.

Kern der Verbreitung dieses Nachtprogramms war eine 1000 kW starke, auf 1566 kHz betriebene Senderanlage auf der zentral im Land gelegenen Mittelwellenstation bei Nagpur. In der Vergangenheit war dieser Sender öfters bis nach Mitteleuropa zu hören.

Schon seit Jahren schien die Ausstrahlung aber nur noch mit stark reduzierter Leistung zu laufen. Bei günstigen Bedingungen kam auf der Frequenz nun eher ein Sender aus Südkorea durch.

Wenn hier weiterhin indisch anmutende Klänge wahrzunehmen sind, haben sie ihren Ursprung in viel geringerer Entfernung: Bei Vahon Hindustani Radio aus Den Haag, das ebenfalls auf 1566 kHz einen Kleinsender (offiziell angegebene Leistung: 1 kW) betreibt.

Neben dem Sender Nagpur kamen für das Nachtprogramm von All India Radio nach letztem Stand auch noch eine Stadtmittelwelle in Delhi sowie ein Sender der altbekannten Kurzwellenstation Aligarh zum Einsatz.

Presseberichte sprachen von einer Einstellung des Programms mit sofortiger Wirkung. Zunächst war es auch noch in der Nacht zum 5. Januar 2019 auf 9380 kHz zu hören ...

... wurde dann in der Nacht zum 10. Januar 2019 aber tatsächlich zum allerletzten Mal ausgestrahlt.

 

Autor: Kai Ludwig; mit Informationen von Jose Jacob und Ivo Ivanov