Indien

Vividh Bharati nicht mehr auf Kurzwelle

Seit dem 4. September 2020 wird Vividh Bharati, das Unterhaltungsprogramm von All India Radio, nicht mehr auf 9380 kHz ausgestrahlt. Damit ist das Programm von der Kurzwelle verschwunden – möglicherweise erstmals seit seinem Start im Jahre 1957.

Vividh Bharati
© All India Radio

Geschaffen wurde das Programm damals, um dem sehr populären Radio Ceylon etwas entgegenzusetzen. Von der terrestrischen Einstrahlung der Programme aus Colombo nach Indien sind, hier vor allem geschuldet dem Niedergang der technischen Infrastruktur, inzwischen nur noch Reste verblieben.

Kurzwellen-Stammfrequenz von Vividh Bharati war über viele Jahre die sehr ungewöhnliche 10330 kHz. Sie wurde kurz vor 1995 ins 31-Meterband auf 9870 kHz gezogen.

Diese Frequenz ist mit den Einschränkungen des Betriebs der Kurzwellenstation Bangalore/Bengaluru entfallen. Danach wurde Vividh Bharati noch stundenweise auf die Aligarh-Frequenz 9380 kHz aufgeschaltet.

Erst vor wenigen Wochen hatte es beim Kurzwellenbetrieb in Indien wieder eine Erweiterung gegeben: Der regionale Sender Thiruvanthapuram (Kerala) ist wieder auf der Tagfrequenz 7290 kHz und der Nachtfrequenz 5010 kHz aktiv. Die Sendezeit scheint jedoch deutlich eingeschränkt zu sein; bei einer Beobachtung endete das Programm auf 5010 kHz bereits um 18.10 Uhr MESZ.

Der Auslandsdienst von All India Radio wiederum sendet weiterhin das drastisch eingeschränkte terrestrische Angebot, das nach der völligen Abschaltung im März seit Mai wieder aufgenommen ist.

Allerdings wurde die Sendung in Tamilisch wieder gestrichen. Das so freigesetzte Sendezeitkontingent nutzt der Auslandsdienst stattdessen jetzt für den Iran, mit einer Sendung in Farsi von 6.00 bis 6.30 Uhr auf 11560 und 15210 kHz.

Das Programm für Afghanistan läuft auf 11560 kHz nun bis 17.30 Uhr. Wieder entfallen ist wohl die Übernahme eines englischen Magazins der Nachrichtenredaktion, das Kurzwellenhörer verblüffte, da diese Sendung wesentlich informativer als der seit März nicht mehr terrestrisch verbreitete „General Overseas Service“ ist.

In Bezug auf die Störung der Sendungen in Tibetisch und Chinesisch lieferte die chinesische Seite am 6. Juli den Beweis dafür, All India Radio tatsächlich gezielt zu sabotieren: Nach sechs Tagen folgten die Störsender den als Versuchsballon vorgenommenen Frequenzänderungen.

Stand vom 08.09.2020


 

Archivmeldungen zu einigen dieser Aspekte:


September 2019:

All India Radio hat einen größeren Teil der Sendekapazitäten seines Auslandsdienstes aufgegeben. In Delhi bleibt nur noch einer der zuletzt sechs 250 kW-Sender in Betrieb. Ebenfalls stillgelegt wurde einer der sechs modernen Sender in Bangalore (Bengaluru).

In Aligarh sind nach den ersten, 1970 in Betrieb gegangenen Sendern nun auch die nächsten zwei Anlagen von 1983 stillgelegt. Hier verbleiben nur noch die beiden Thomcast-Sender von 2001. In Panaji, wo nur noch einer der beiden 250 kW-Sender von 1992 aktiv war, endete der Sendebetrieb für den Auslandsdienst ganz.

Als Senderstandort des Auslandsdienstes ebenfalls ganz aufgegeben ist Bombay (Mumbai). Hier liefen über einen 1984 installierten, 100 kW starken Sender noch die Frequenzen 7340 kHz (Urdu 10.30-13.30 Uhr) und 11935 kHz (Englisch 19.45-21.45 Uhr), die nun ersatzlos entfallen sind.

Stillgelegt wurden auch drei weitere Sender, die bislang der regionalen Versorgung dienten: In Port Blair (4760/7390 kHz), in Kurseong (4895/7230 kHz) und in Shillong (4970/7315 kHz).

Damit arbeitet am hiesigen späten Nachmittag auf 4760 kHz nun ausschließlich der Sender in Leh (Jammu und Kaschmir). Derzeit endet das tägliche Programm hier um 19.00 Uhr MESZ. Im Winter soll dann schon um 17.30 Uhr MEZ abgeschaltet werden.

 

Januar 2019:

Prasar Bharati, die staatliche Rundfunkgesellschaft von Indien, verfügte Einsparungen in ihrem Hörfunkzweig. Im Vordergrund steht die Einstellung des landesweiten, 1987 eingeführten Nachtprogramms „National Channel“.

Als zentral aus Delhi gesendetes Programm stellte „National Channel“ eine Besonderheit dar. Sonst gibt es bei All India Radio eine ausgeprägte Regionalisierung, bei der die in Delhi produzierten Programmteile mit umfangreichen Sendestrecken aus den örtlichen Funkhäusern verbunden werden.

Kern der Verbreitung dieses Nachtprogramms war eine 1000 kW starke, auf 1566 kHz betriebene Senderanlage auf der zentral im Land gelegenen Mittelwellenstation bei Nagpur. In der Vergangenheit war dieser Sender öfters bis nach Mitteleuropa zu hören.

Schon seit Jahren schien die Ausstrahlung aber nur noch mit stark reduzierter Leistung zu laufen. Bei günstigen Bedingungen kam auf der Frequenz nun eher ein Sender aus Südkorea durch.

Wenn hier weiterhin indisch anmutende Klänge wahrzunehmen sind, haben sie ihren Ursprung in viel geringerer Entfernung: Bei Vahon Hindustani Radio aus Den Haag, das ebenfalls auf 1566 kHz einen Kleinsender (offiziell angegebene Leistung: 1 kW) betreibt.

Neben dem Sender Nagpur kamen für das Nachtprogramm von All India Radio nach letztem Stand auch noch eine Stadtmittelwelle in Delhi sowie ein Sender der altbekannten Kurzwellenstation Aligarh zum Einsatz.

Presseberichte sprachen von einer Einstellung des Programms mit sofortiger Wirkung. Zunächst war es auch noch in der Nacht zum 5. Januar 2019 auf 9380 kHz zu hören ...

... wurde dann in der Nacht zum 10. Januar 2019 aber tatsächlich zum allerletzten Mal ausgestrahlt.

 

Autor: Kai Ludwig; mit Informationen von Jose Jacob und Ivo Ivanov