Indien

Betriebsversuch für Vividh Bharati

Durch die Schließung der Sendestation Aligarh hatte am 4. September 2020 die Kurzwellenaustrahlung von Vividh Bharati, dem Unterhaltungsprogramm von All India Radio, ihr Ende gefunden. Nun gibt es einen vorerst bis zum 22. März angesetzten Betriebsversuch aus Delhi.

Vividh Bharati
© All India Radio

Die Kurzwellenstation Delhi-Kingsway strahlt Vividh Bharati momentan von 6.30 bis 9.00 und noch einmal von 11.30 bis 13.00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit auf 5900 kHz ab.

Bei dieser Station handelt es sich um eine Großanlage mit nicht weniger als 17 verhältnismäßig modernen, zwischen 1983 und 2001 aufgebauten Sendern. Davon sind nach jüngsten Angaben jetzt nur noch zwei (Leistung jeweils 100 kW) in Betrieb.

Im Einsatz ist daneben auch noch die Ende der 80er Jahre errichtete, mit sechs Sendern der Leistungsklasse 500 kW ausgerüstete Kurzwellenstation bei Bangalore/Bengaluru. Mittlerweile ist nur noch ein einziger dieser Sender aktiv.

Als weitgehende Luftnummer entpuppte sich der im Januar großspurig angekündigte Neustart des Auslandsdienstes. Das Rumpfangebot, wie es seit Mai 2020 besteht, wurde kaum erweitert, sondern nur durchgeschüttelt. Es läuft auf Kurzwelle momentan, wiederum bezogen auf MEZ, wie folgt:

00.45-02.15 Uhr: 13695* kHz; Chinesisch
02.30-03.30 Uhr: 13695* kHz; Indonesisch
04.00-05.00 Uhr: 9950 kHz; Belutschi
05.00-06.00 Uhr: 11740, 15030* kHz; Nepalesisch
06.00-07.00 Uhr: 15030* kHz; Arabisch
09.00-09.30 Uhr: 15030* kHz; Farsi
09.45-10.30 Uhr: 11560, 17830* kHz; Paschtunisch
10.00-11.00 Uhr: 9950 kHz; Nepalesisch
13.15-14.15 Uhr: 15030* kHz; Suaheli
14.30-15.30 Uhr: 9950, 11560* kHz
20.30-21.30 Uhr: 9620* kHz; Französisch

Die mit einem Stern markierten Frequenzen kommen aus Bangalore. Ab 28. März ergeben sich aus mitteleuropäischer Sicht wieder jeweils eine Stunde spätere Sendezeiten.

Besonders bemerkenswert war bei der Umsortierung der (vorläufige) Entfall der terrestrischen Ausstrahlung des Tibet-Programms, das erst im vergangenen Sommer inhaltlich ausgebaut wurde. Diese Sendungen wurden von der Volksrepublik ebenso gestört wie die nach wie vor laufende chinesische Sendung.

Um das nachzuweisen, hatte All India Radio im Juli die Frequenzen geändert. Die chinesische Seite folgte mit ihren Störsendungen nach sechs Tagen, womit eventuellen Ausreden, es handele sich um einen „zufälligen Planungsfehler“, die Grundlage entzogen war.

Vividh Bharati wiederum wurde 1957 geschaffen, um dem seinerzeit sehr populären Radio Ceylon etwas entgegenzusetzen. Es lief wahrscheinlich in all’ den Jahren bis 2020 stets auch auf Kurzwelle.

Über lange Zeit kam dabei die ungewöhnliche Frequenz 10330 kHz zum Einsatz. Sie wurde in den 90er Jahren durch die im vergangenen Jahr nun entfallenen Ausstrahlungen im 31-Meterband ersetzt.

Zuletzt handelte es sich um die Aligarh-Frequenz 9380 kHz. Sie diente auch dem Nachtprogramm „National Channel“, das im Zuge von Sparmaßnahmen bereits Anfang 2019 entfallen ist. Seinerzeit wurde auch schon ein größerer Teil der Kurzwellen-Infrastruktur des Auslandsdienstes stillgelegt.

Bei Vividh Bharati ist unterdessen nach offizieller Lesart nun auch die offene Internetverbreitung vorerst weggefallen. Die bisher bekannte Adresse führt nur noch zu einer Aufforderung, die Smartphone-Anwendung von All India Radio zu installieren.

Wer das ignorieren und den unverändert aktiven Livestream trotzdem weiter über den Browser abrufen will, kann das über die Einbettung in einer Fanseite tun. Inoffiziellen Charakter hat auch eine weitere Homepage mit der Anmutung eines Brigadetagebuchs.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 20.03.2021