6000 kHz

Adygeja auf Kurzwelle

Falls es sich diesmal nicht doch um mehr handelt als die geradezu berüchtigte russische Feiertagspause, dann sollten demnächst wieder die letzten regulären Sendungen zu hören sein, die in der gesamten Russischen Föderation noch auf Kurzwelle ausgestrahlt werden: Die aus der Kaukasusrepublik Adygeja.

Kubanski Radiozentr
Sendeanlagen bei Tbilisskaja, u.a. zwei Sätze Dipolwände (hohe/niedrige Frequenzen) für Kurzwelle | © RTRS

Vorgesehen sind dafür Sendeplätze auf der Frequenz 6000 kHz, und zwar jeweils eine Stunde am Montag und Freitag ab 19.00 Uhr sowie am Sonntag ab 20.00 Uhr MEZ (ab 29. März nach MESZ dann jeweils eine Stunde später). Die Produktionen werden auch online bereitgestellt.

Die Ausstrahlung ist in die Türkei und den weiteren Nahen Osten gerichtet. In Mitteleuropa ist sie deshalb nur mit schwachem Signal zu empfangen. Dem Zielgebiet entsprechend enthalten die Sendungen Beiträge in Tscherkessisch-Adygeisch sowie in Türkisch, Kurdisch und Arabisch, nicht jedoch in russischer Sprache.

Das Sendesignal kommt aus dem Kubanski Radiozentr bei der Ortschaft Oktjabrski, unweit der Stadt Tbilisskaja in der Region Krasnodar, und zwar konkret aus diesem von insgesamt acht Kurzwellensendern mit jeweils 100 kW Leistung, die Ende der 60er Jahre installiert wurden.

Golos Rossii
Werbung der 2014 liquidierten „Stimme Russlands“ mit Foto des Funkhauses ul. Pjatnizkaja 25

Im Kubanski Radiozentr gibt es für die Kurzwelle außerdem vier Hochleistungssender für Ausstrahlungen mit bis zu 1000 kW. Bis ins vergangene Jahrzehnt wurden hier mit reduzierter Leistung auch Programme der Deutschen Welle verbreitet.

Über viele Jahre übertrug einer dieser Sender am frühen Abend das deutsche Auslandsprogramm aus Moskau. Der Empfang erreichte vielfach Ortssenderqualität. Die einzige Einschränkung lag in der Heranführung des Programms; die Übertragungsleitungen litten unter einem hohen Geräuschpegel, dem mit einer charakteristischen, harten Stummschaltung begegnet wurde.

Davon ist inzwischen nichts mehr übrig, nachdem die Rundfunkgesellschaft Golos Rossii, das frühere Radio Moskau, 2014 abgewickelt und durch die neue Informationsagentur Rossija Segodnja ersetzt wurde.

Generaldirektor von Rossija Segodnja ist der Propagandist Dmitri Kisseljow, was bei einer aktuellen Eskalation in Estland eine maßgebliche Rolle spielt. Chefredakteurin ist in Personalunion Margarita Simonjan, seit dessen Sendestart im Jahre 2005 bereits Chefredakteurin von RT (das nicht, wie der Name suggerieren könnte, von Rossija Segodnja veranstaltet wird).

Auf Simonjan geht auch die Entscheidung zurück, mit dem (inhaltlich seit 2014 anders ausgerichteten) Hörfunkangebot ganz aus dem AM-Rundfunk auszusteigen. Bedenken beantwortete sie mit dem Verweis auf das Verhältnis zwischen den hohen Betriebskosten und den zuletzt unter die Grenze der Nachweisbarkeit gefallenen Hörerzahlen.

Radio Rossii wsled sa Majakom uchodit is dalnego efira
2014: Meldung zur AM-Abschaltung von Radio Rossii und Radio Majak

Ebenfalls 2014 hatte auch die zentrale staatliche Rundfunkgesellschaft WGTRK ihre Sendungen auf Lang- und Kurzwelle eingestellt (die zunächst noch verbliebenen Mittelwellen entfielen 2015 ebenfalls). Dadurch gibt es außerhalb der von den UKW-Sendern erreichten Gebiete keine Hörfunkversorgung mehr.

Hier war zunächst die Republik Sacha eingesprungen und hatte erneute Ausstrahlungen über die Kurzwellensender bei Jakutsk organisiert. Seit April 2018 können diese Sendungen wegen Geldmangel jedoch nicht mehr aufrechterhalten werden.

Bestrebungen, die Kurzwellenversorgung in regionaler Verantwortung wieder aufzunehmen, gibt oder gab es auch auf Kamtschatka. Bis jetzt kamen sie jedoch nicht über einen kurzzeitigen Versuchsbetrieb hinaus.

Ein weiterer Versuchsbetrieb begann im Spätsommer 2019 in Komsomolsk am Amur, in diesem Fall mit digitalen Ausstrahlungen für den autonomen Kreis der Tschuktschen. Empfangsbeobachtungen dieser Sendungen aus dem Fernen Osten blieben rar gesät.

Zumindest sind hier auch für die laufende Wintersaison bis zum 28. März wieder Frequenzen geplant worden, von denen zu bestimmten Zeiten jeweils eine eingeschaltet werden könnte: 21.00-11.00 Uhr 5935 kHz, 23.00-2.00 Uhr 11860 kHz, 2.00-7.00 Uhr 15325 kHz, 7.00-11.00 Uhr 6025 kHz.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 08.01.2020