6000 kHz

Adygeja auf Kurzwelle

Nachdem es bereits so aussah, als hätte mit dem Jahr 2018 auch der russische Kurzwellenrundfunk sein Ende gefunden, wurde das letzte verbliebene Angebot am 11. Januar doch wieder gehört: Die Auslandssendung aus der Kaukasusrepublik Adygeja, mit Sendeplätzen auf 6000 kHz montags und freitags jeweils 19.00-20.00 sowie sonntags 20.00-21.00 Uhr MEZ.

Kubanski Radiozentr
Sendeanlagen bei Tbilisskaja, u.a. zwei Sätze Dipolwände (hohe/niedrige Frequenzen) für Kurzwelle | © RTRS

Die letzten beiden Sendungen im alten Jahr sind ausgefallen. Auch im Onlinearchiv wurden diese Ausgaben erst nachträglich, nach der geradezu berüchtigten russischen Feiertagspause, bereitgestellt.

Zielgebiet der Sendungen sind die Türkei und der weitere Nahe Osten. Folglich enthalten sie Beiträge in Tscherkessisch-Adygeisch sowie in Türkisch, Kurdisch und Arabisch, nicht jedoch in russischer Sprache.

In dieses Zielgebiet wird auch die terrestrische Ausstrahlung gerichtet. In Mitteleuropa ist sie deshalb nur mit schwachem Signal zu empfangen.

Überdies werden die Sendungen am Montag und Freitag ab 19.02 Uhr auch noch von einer ebenfalls auf 6000 kHz laufenden Ausstrahlung aus Bulgarien zugedeckt. Hier läuft das Programm des Sektenführers Ralph Gordon Stair, der ein Jahr nach seiner mehrwöchigen Inhaftierung voll im Geschäft ist, als wäre nichts gewesen.

Abgestrahlt wird aus dem Kubanski Radiozentr beim Ort Oktjabrski, unweit der Stadt Tbilisskaja. Für Übertragungen auf Kurzwelle mit 100 kW gibt es dort mindestens acht Sender (im Bild rechts davon die Bedienpulte der Antennenumschaltung).

Weitere vier Hochleistungssender mit 1000 kW waren insbesondere für Sendungen nach Nordamerika bestimmt. Einer dieser Sender übertrug bis weit in die 90er Jahre am frühen Abend auch das deutsche Programm aus Moskau. Der Empfang dieser Ausstrahlung erreichte vielfach Ortssenderqualität.
 

Die Sendungen der Rundfunkgesellschaft von Adygeja sind seit 2014 die einzigen, die in der gesamten Russischen Föderation noch kontinuierlich auf Kurzwelle laufen. Seinerzeit wurde die Rundfunkgesellschaft Golos Rossii, das frühere Radio Moskau, zusammen mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti liquidiert.

An deren Stelle trat die neue Informationsagentur Rossija Segodnja. Als Generaldirektor eingesetzt wurde hier der Propagandist Dmitri Kisseljow, als Chefredakteurin in Personalunion Margarita Simonjan, seit dessen Sendestart im Jahre 2005 bereits Chefredakteurin von RT (das, entgegen dem Namen, nicht von Rossija Segodnja veranstaltet wird).

Auf Simonjan geht auch die Entscheidung zurück, mit dem weiterhin produzierten Hörfunkangebot ganz aus dem AM-Rundfunk auszusteigen. Bedenken beantwortete sie mit dem Verweis auf das Verhältnis zwischen den hohen Betriebskosten und den zuletzt unter die Grenze der Nachweisbarkeit gefallenen Hörerzahlen.
 

Ebenfalls 2014 hatte auch die zentrale staatliche Rundfunkgesellschaft WGTRK ihre Sendungen auf Lang- und Kurzwelle eingestellt (die zunächst noch verbliebenen Mittelwellen entfielen 2015 ebenfalls). Dadurch gibt es außerhalb der von den UKW-Sendern erreichten Gebiete keine Hörfunkversorgung mehr.

Hier war zunächst die Republik Sacha eingesprungen und hatte erneute Ausstrahlungen über die Kurzwellensender bei Jakutsk organisiert. Seit April 2018 können diese Sendungen wegen Geldmangel jedoch nicht mehr aufrechterhalten werden.

Bestrebungen, die Kurzwellenversorgung in regionaler Verantwortung wieder aufzunehmen, gibt es auch auf Kamtschatka. Bis jetzt kamen sie jedoch nicht über einen kurzzeitigen Versuchsbetrieb hinaus.

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Ivo Ivanov; Stand vom 11.01.2019