Mit Sondersendungen zu Weihnachten

Hörfunk aus dem Vatikan

Nach dem Abgang des Kommunikationssekretärs Dario Viganò führt das einstige Radio Vatikan seine Hörfunksendungen auf Kurzwelle nun doch vorerst weiter. Das schließt auch 2018 wieder Sondersendungen zum Weihnachtsfest ein.

Sender Santa Maria di Galeria
Einige Antennen der Sendeanlage Santa Maria di Galeria, Zustand 2009 (Foto anonym via Wikipedia, Lizenz CC-BY-SA)

Die Sondersendungen beginnen am Heiligen Abend mit einer Studiomesse, die von 17.00 bis 17.50 Uhr in chinesischer Sprache gefeiert und auf 6055 sowie 7400 kHz ausgestrahlt wird. Für diese Sendungen, die regelmäßig unter anderem in Lateinisch laufen, wurde eigens eine Kapelle im Funkhaus eingerichtet.

Von 21.25 bis 23.30 Uhr folgt die Direktübertragung aus dem Petersdom. Nicht mehr über die Sendestation des Vatikan bei Rom abgestrahlt werden dabei schon seit Jahren die Sprachversionen in Deutsch und Spanisch.

Für die Reportagen in fünf anderen Sprachen sollen hingegen auch wieder Kurzwellensender eingeschaltet werden. Konkret vorgesehene Frequenzen sind für Englisch 6010 kHz, für Chinesisch 6185 und 7410 kHz, für Französisch 7365 kHz, für Arabisch 7435 kHz sowie für Portugiesisch 9700 kHz.

Mit Ausnahme der chinesischen Sprache gilt das auch für die Übertragung vom Petersplatz am 25. Dezember 2018, von 11.55 bis 12.30 Uhr. Frequenzen sind dann für Französisch 15585 kHz, für Arabisch 15595 kHz, für Englisch 15695 kHz und für Portugiesisch 17590 kHz.

Die Kurzwellenübertragung des arabischen Kommentars ist ein Novum. Hintergrund ist die 2017 getroffene Entscheidung, die letzten, bis dahin noch für West- und Mitteleuropa genutzten Kurzwellenkapazitäten auf Sendungen in den Nahen Osten umzulenken.

Unterdessen erreichen die, wie sie gerade der Papst nannte, „schwerwiegenden Skandale“ nun auch die katholischen Medien in den USA. Ein Hörfunkfeature berichtet über den Fall des Gründers von KNOM, einer Mittelwellenstation in Alaska.

Mit weiteren Folgen für das Image der katholischen Medienarbeit könnte hier auch deshalb zu rechnen sein, weil erst vor einem Jahr die kurzzeitige Inhaftierung des Radiopredigers und Sektenführers Ralph Gordon Stair in den USA einiges Aufsehen erregt hatte.

Stand vom 21.12.2018


 

Mehr dazu im
Bericht vom 24. November 2018:

Bei den Hörfunksendungen der Vatikan-Medien wurde eine neue Besonderheit eingeführt: Sonntags gibt es von 10.30 bis 11.50 Uhr auf 15595 und 17590 kHz einen zusätzlichen Sendeplatz für Studio-Gottesdienste. Dabei wird an jedem Wochenende eine andere Sprache geboten: Arabisch, Amharisch, Russisch oder Armenisch.

Damit laufen Eigenprogramme über die Sendestation Santa Maria di Galeria bei Rom jetzt insgesamt noch wie folgt:

07.20-08.00 Uhr: 11935 kHz; Gebet in Lateinisch
Mo-Sa 08.00-08.45 Uhr: 11935 kHz; Italienisch, Arabisch, Französisch
So 08.10-09.00 Uhr: 9645, 11740 kHz; Gottesdienst in Ukrainisch
So 09.10-10.20 Uhr: 7250, 9645 kHz; Gottesdienst in Rumänisch
So 10.30-11.50 Uhr: 15595, 17590 kHz; siehe oben
Fr 12.30-13.00 Uhr: 15595, 17590 kHz; Englisch
16.30-17.00 Uhr: 11620, 13830 kHz; Amharisch
17.00-17.40 Uhr: 6185, 7360 kHz; Armenisch, Russisch
17.00-18.00 Uhr: 13830 kHz; Suaheli, Somalisch, Englisch
17.30-18.00 Uhr: 7230, 9700 kHz; Arabisch
18.00-18.20 Uhr: 6185 kHz; Weißrussisch
18.00-18.30 Uhr: 7230 kHz; Französisch, Englisch
18.00-18.30 Uhr: 9705, 11625 kHz; Französisch, Tigrinisch
18.30-19.00 Uhr: 6185, 7360 kHz; Ukrainisch
19.00-19.30 Uhr: 9705 kHz; Portugiesisch
20.40-21.00 Uhr: 6010, 7235, 7365 kHz; Gebet in Lateinisch
21.00-22.00 Uhr: 6010, 7365 kHz; Englisch, Portugiesisch
22.00-22.30 Uhr: 7365 kHz; Portugiesisch
23.00-23.30 Uhr: 6185, 7410 kHz; Chinesisch

Zielgebiete sind neben China noch Osteuropa, Nahost und Afrika. Die letzten Ausstrahlungen für West- und Mitteleuropa waren zum 1. August 2017 entfallen.
 

Einige weitere Programme laufen über Sendeanlagen der U.S. Agency for Global Media. Dabei handelt es sich um ein Tauschgeschäft, bei dem der amerikanische Partner ein identisches Kontingent an Sendezeit in Santa Maria di Galeria erhält.

Aus den USA selbst werden die spanischen Vatikan-Sendungen von 2.45 bis 3.00 Uhr auf 7305 kHz und von 13.30 bis 13.45 Uhr auf 9695 kHz abgestrahlt. Das ist ein recht merkwürdiges Arrangement, da – falls hier nicht inzwischen eine Anpassung erfolgte – die Produktionen länger als 15 Minuten sind und somit die Ausstrahlung mitten im Wort abbricht.

Unklar ist die Situation bei den Übertragungen für Asien. Die in Klammern dargestellten Frequenzen sollten über die Sendeanlagen auf den Nördlichen Marianen laufen, die jedoch am 26. Oktober durch einen Wirbelsturm zerstört wurden.

Es ist nicht bekannt, inwieweit jetzt ersatzweise die Sender auf den Philippinen zum Einsatz kommen, wie es bei den anderen Frequenzen der Fall ist. Völlige Programmausfälle bedeutet das allerdings in keinem Fall; auch der chinesischen Sendung um 23.00 Uhr verbliebe immer noch die Direktausstrahlung aus Rom:

Sa 13.30-14.15 Uhr: (6115), 7485, 9560 kHz; Chinesisch
14.30-15.00 Uhr: 6145, (7435) kHz; Russisch
15.30-16.30 Uhr: 7250, 9505 kHz; Hindi, Tamilisch, Malaysisch
23.00-23.30 Uhr: (9580 kHz); Chinesisch
00.15-01.00 Uhr: (9580), 11900 kHz; Vietnamesisch


Ein weiterer Kooperationspartner ist die Firma MGLOB, in die eine frühere Sendestation von Radio Nederland Wereldomroep in Madagaskar ausgegliedert wurde. Während aus Rom einige Ausstrahlungen für Kunden von MGLOB laufen, kommen aus Madagaskar in den Zeitblöcken 17.00-18.00 und 18.30-19.00 Uhr auf 11625 kHz die vatikanischen Afrika-Sendungen.
 

Der oben erwähnte Dario Viganò war im Zuge der Kurienreform ab 2015 damit beauftragt, die Medien des Vatikan in eine zentrale Kommunikationsbehörde zusammenzulegen. Auftrag und Tätigkeit von Viganò stießen auf größere Kritik. So formulierte die Kirchenredaktion des Deutschlandfunks, das Projekt könnte hinauslaufen auf

„weniger Programme, weniger Mitarbeiter. Steht also das Ende eines vielfältigen Programms bevor, das nicht nur aus Papstmessen besteht, sondern auch aus internationaler Politik-, Musik- und Kultur-Berichterstattung?“

Weiter hieß es, „Gegner und Kritiker des Projekts, darunter nicht wenige betroffene Journalisten aus dem Vatikan“, würden befürchten,

„dass zukünftig die gesamte Kommunikation von einem einzigen Büro aus kontrolliert wird: von dem des allmächtigen Kommunikationsministers. Auf dem Spiel scheinen also Programmvielfalt und redaktionelle Unabhängigkeit zu stehen.“


Zum 17. Dezember 2017 verschwand Radio Vatikan dann auch als Medienmarke. An deren Stelle trat der einheitliche Auftritt „Vatican News“. Die Umsetzung wurde übers Knie gebrochen, um dem Papst das neue Produkt zum Geburtstag präsentieren zu können.

Dadurch startete „Vatican News“ als noch nicht fertige, mit Fehlern behaftete Plattform. Als Entschuldigung erhielten die Seiten den Kopfvermerk „Betaversion“ [Nachtrag: der erst nach einem ganzen Jahr entfernt wurde].
 

Drei Monate nach dem großen Relaunch kam es unvermutet zum Sturz von Viganò. Er war nicht mehr zu halten, nachdem er ein Schreiben des früheren Papstes Benedikt XVI. veröffentlicht und dabei einige kritische Anmerkungen, die das zu zeichnende Bild gestört hätten, unkenntlich gemacht hatte.

Viganò wollte die Sendestation Santa Maria di Galeria zum nächstmöglichen Termin abschalten lassen. Entsprechend greifbar war die Erleichterung des zuständigen technischen Planers, als er wenige Tage nach Viganòs Abgang über erneut geplante Sonderausstrahlungen zum Osterfest informierte.

 

Autor: Kai Ludwig