USA

Trumps Rundfunk-Sparpläne

Auch in ihrem vierten Jahr will die Trump-Regierung das Budget der U.S. Agency for Global Media kürzen, diesmal von 810 auf 637 Millionen Dollar. Die USAGM wärmt dafür weitgehend bekannte Sparpläne auf. Was daraus tatsächlich wird, hängt letztlich von den Entscheidungen des Kongresses ab.

Radio Sawa
Blick in ein Sendestudio von Radio Sawa | © MBN

Bei der Voice of America würden unter diesem Szenario von 1056 Arbeitsplätzen noch 856 übrig bleiben.

Ein Kahlschlag zeichnet sich bei den Studios bzw. Büros der VOA im Ausland ab. Davon sollen nur noch die in London und in Nairobi verbleiben. Mit einem schlichten „–“ abgefertigt werden die Standorte Moskau, Istanbul, Islamabad, Bangkok, Hongkong, Peking, Seoul, Jakarta, Dakar und Johannesburg.

Weitestgehend eingestellt werden sollen die Hörfunksendungen für Afghanistan. Das gilt allerdings nicht für Deewa Radio, das Programm für die paschtunischen Stammesgebiete in Pakistan.

In Mauretanien und in Libyen hat die VOA nach dem Rückzug von Radio Sawa dessen UKW-Frequenzen übernommen. In Bahrain, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist darauf verzichtet worden; die dortigen Sender wurden stillgelegt.

Auf den Frequenzen in Libyen will die VOA künftig auch spezielle Sendungen für Flüchtlinge ausstrahlen. Darin sollen sie mit Warnungen vor den Gefahren sowie mit Botschaften ihrer zurückgelassenen Familien davon abgebracht werden, eine Überquerung des Mittelmeeres zu versuchen.

Ein weiteres derartiges Projekt gibt es in Kenia: Zwei neue UKW-Frequenzen zur Versorgung der beiden größten Flüchtlingslager, deren Bewohner sich teils schon mehr als 30 Jahre dort aufhalten.

Zu einer besonderen Methode will die VOA dafür greifen, ihre Programme wieder in Burundi auf UKW hörbar zu machen: Dafür sollen Sender im benachbarten Kongo installiert werden.

Auch die Kurzwelle spielt für die VOA in Afrika noch immer eine Rolle. Derzeit läuft ein Ausbau der besonders kostengünstig zu betreibenden Sendestation in Kuwait, die damit in Zukunft verstärkt auch für dieses Zielgebiet genutzt werden kann.

Kryptische Andeutungen gibt es in Bezug auf Venezuela: Auf einem nicht näher beschriebenen Signal mit Reichweite in das Land sollen künftig Sendungen der VOA übertragen werden. Dieses Geraune erinnert unweigerlich an Strahlungsversuche mit ungenannt gebliebenem Zweck, die es 2017 beim Mittelwellensender von Trans World Radio in Bonaire gab.

Für Radio/TV Martí sieht das Kürzungsszenario den Wegfall von zehn der aktuell 91 Arbeitsplätze vor. Dem Kuba-Sender der USAGM standen 2018/2019 noch 29 Mio. Dollar zur Verfügung. Nach einer bereits vorgenommenen Kürzung auf 21 Mio. sollen 2020/2021 nur noch 13 Mio. Dollar verbleiben.

Wo man diese Einsparungen realisieren will, geht aus der Unterlage nicht hervor. Im Gegenteil gab es unlängst noch größere Investitionen in den Mittelwellensender Marathon, obwohl er in Kuba durch Gleichfrequenzsender großflächig unhörbar gemacht wird und somit weitgehend nutzlos ist.

Bei Radio Free Europe / Radio Liberty sollen im Sparszenario von den derzeit 829 ganze 503 Arbeitsplätze verbleiben. Diesen Kahlschlag will man jedoch ausdrücklich mit dem bereits angekündigten erneuten Aufbau einer Ungarn-Redaktion verbinden.

Wie schon seit Jahren steht Radio Mashaal, das Programm für die Stammesgebiete in Pakistan, erneut auf der Streichliste. Dort finden sich auch wieder die Sprachdienste in Georgisch, Tschetschenisch und Tatar-Baschkir.

Alhurra / Radio Sawa ragt damit heraus, seine bestehende Personalausstattung mit 870 Arbeitsplätzen in jedem Fall behalten zu sollen.

Nach dem starken Zurückfahren der Hörfunkaktivitäten ist hier auf einmal eine Gegenbewegung geplant: Das gerade erst eingestellte Programm für den Sudan soll wieder aufgenommen werden. An den noch zur Verfügung stehenden, jetzt von der VOA bespielten Mittelwellensender in Dschibuti scheint dabei allerdings nicht mehr gedacht zu sein.

Radio Free Asia soll im Sparszenario 217 seiner derzeit 280 Arbeitsplätze behalten. Das Sprachangebot in Vietnamesisch soll, nachdem es im Hörfunk bereits 2018 eingestellt wurde, nun ganz entfallen.

2020 sollen umfangreiche Reparaturen der Sendestationen auf den Nördlichen Marianen beginnen. Dort verursachte der Wirbelsturm „Yutu“ im Oktober 2018 große Zerstörungen an den Antennen, von denen bis jetzt nur wenige wieder betriebsfähig gemacht werden konnten. Dessen ungeachtet ist weiterhin vorgesehen, die Hörfunksendungen in chinesischer Sprache einzustellen.

Die Budgetunterlage stellt diesen Schritt sogar als bereits vollzogen dar. Da somit eine kurzfristige Abschaltung möglich ist, seien nachfolgend die Frequenzen und deren Senderstandorte für die aktuelle, noch bis zum 28. März 2020 laufende Wintersaison genannt (Zeitangaben in MEZ):

04.00-05.00 Uhr: 11980 kHz (Kuwait)
04.00-07.00 Uhr: 17660 kHz (Saipan)
04.00-08.00 Uhr: 15340 kHz (Saipan)
05.00-08.00 Uhr: 11980 kHz (Tadschikistan)
06.00-07.00 Uhr: 21770 kHz (Tinian)
07.00-08.00 Uhr: 17660 kHz (Tinian)
16.00-17.00 Uhr: 7420 kHz (Tadschikistan), 9790 kHz (Saipan)
16.00-17.00 Uhr: 11590/11725/11765 kHz (Kuwait)
16.00-18.00 Uhr: 5965 kHz (Tadschikistan)
17.00-18.00 Uhr: 9455/9720/9905 kHz (Saipan)
17.00-20.00 Uhr: 11590 kHz (Tinian)
18.00-21.00 Uhr: 9860 kHz (Saipan)
20.00-22.00 Uhr: 5890 kHz (Kuwait), 7520 kHz (Lampertheim)
20.00-23.00 Uhr: 9455 kHz (Saipan)
21.00-23.00 Uhr: 9410 kHz (Saipan)
22.00-23.00 Uhr: 7520 kHz (Kuwait), 9455 kHz (Lampertheim)
00.00-01.00 Uhr: 9860 kHz (Kuwait), 11520 kHz (Tinian),
11775 kHz (Saipan)

Bei Empfangsbeobachtungen sollten die Sendungen von Radio Free Asia nicht mit den gegen sie gerichteten Störsendungen aus China verwechselt werden.


Unterdessen will das Weiße Haus auch zum vierten Mal in Folge die staatliche Finanzierung des öffentlichen Rundfunks der USA einstellen. Die Corporation for Public Broadcasting scheint Trumps Beamten nicht einmal mehr eine Erwähnung wert zu sein; in dem von ihnen veröffentlichten Papier ist sie nicht aufzufinden.

Dessen Kapitel „Einstellung verschwenderischer und überflüssiger Ausgaben“ bedient dann aber doch noch den National Endowment for the Arts: Dessen Aktivitäten seien „keine Kernzuständigkeit des Bundes“ und machten ohnehin nur „einen kleinen Bruchteil der jedes Jahr von Kunstorganisationen ausgegebenen Milliarden“ aus.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 11.02.2020