Auch nach einem Jahr

Trans World Radio ignoriert Umbenennung von Swasiland

Die vom dortigen absolutistischen Herrscher getroffene Entscheidung, Swasiland in Eswatini umzubenennen, wird bei Trans World Radio offensichtlich ignoriert. Auch ein Jahr später ist den dort abgestrahlten Sendungen unverändert die bekannte Ansage vorangestellt: „This is Trans World Radio, Swaziland.“

Swasiland
© Sammlung UTexas

Eigentlich wollte die evangelikale Radiomission sich in Südafrika niederlassen. Bemühungen, dort eine Lizenz zu erhalten, blieben in den 60er Jahren jedoch vergeblich. 1968 entließ dann Großbritannien sein Protektorat Swasiland, gelegen zwischen Südafrika und Mosambik, in die Unabhängigkeit. Damit entstand der nach Gambia zweitkleinste Staat in Afrika.

TWR begann nun 1970 dort mit Verhandlungen, die 1973 auch zum Erfolg führten. Schon ein Jahr später konnten die ersten Ausstrahlungen beginnen. Die in so kurzer Zeit errichtete Kurzwellenanlage war mit Sendeleistungen von 25 kW recht bescheiden.

Vom Start an wendete sich die Swasiland-Station von TWR auch in deutscher Sprache an Hörer in Namibia und Südafrika. Diese Sendungen vom Evangeliums-Rundfunk, dem TWR-Partner in Deutschland, entfielen 2016. Die betreffenden Programmplätze am Morgen werden jetzt nur noch mit Beiträgen in Englisch bespielt.

Die ursprüngliche Sendetechnik ist nach 1990 ausgetauscht worden. Auf einen kostspieligen Ausbau der Antennenanlage wurde dabei verzichtet. Somit bleiben die Sendeleistungen weiter auf 50 oder bestenfalls 100 kW beschränkt.

Das führte 1995 doch noch zu Ausstrahlungen aus Südafrika. Diese fanden 2012 ihr Ende, als TWR die Tarife des südafrikanischen Unternehmens Sentech nicht weiter zahlen wollte oder konnte. Die Kurzwellensendungen nach Westafrika waren zuvor schon 2011 entfallen; hier konzentriert TWR sich jetzt ganz auf den Betrieb eines Mittelwellensenders in Benin.

Für das „Horn von Afrika“ bucht TWR stattdessen jetzt Sendeplätze von 15 Minuten in Abu Dhabi: Außer sonnabends um 5.30 Uhr auf 9655 kHz sowie von Donnerstag bis Sonnabend um 15.00 Uhr auf 17680 kHz.

Eine weitere Ostafrika-Sendung läuft von 20.00 bis 20.30 oder 20.45 Uhr auf 9940 kHz über die Sendestation Grigoriopol in Pridnestrowje/Transnistrien. Von hier kommen auch TWR-Sendungen für Asien (Urdu 18.00-18.30 Uhr auf 9610 kHz, indische Sprachen in verschiedenen Zeitfenstern zwischen 15.45 und 17.45 Uhr auf 12160 kHz).

Die Kurzwellensendungen aus Grigoriopol sind eine Zugabe zu den auf Mittelwelle abgestrahlten Sendungen für Osteuropa und den Balkan (20.00-22.00 Uhr auf 999 kHz, 19.00-21.25/21.45 Uhr auf 1548 kHz). Dadurch erscheint mitunter auch hier das alte Pausenzeichen von TWR Monaco, das eigentlich nur die Mittelwellenprogramme für Europa einrahmen soll.

Empfang einer Sendung aus Swasiland in Europa

Im Sommerhalbjahr 2019 kommen die TWR-Sendungen aus, wie weiterhin angesagt, Swasiland auf Kurzwelle wie folgt (alle Zeitangaben in MESZ):

05.00-05.45 Uhr: 3240 kHz; für Mosambik
06.30/07.00-08.00 Uhr: 3200, 4775 kHz; Englisch
08.00-09.00 Uhr: 4775, 6120 kHz; Englisch
16.20-17.25/17.55 Uhr: 6025 kHz; Englisch u.a.
Mo-Fr 16.20-16.35 Uhr: 7315 kHz; für Mosambik
So 16.20-16.50 Uhr: 7315 kHz; für Mosambik
16.55-17.25 Uhr: 9585 kHz; für Madagaskar
17.00-17.30 Uhr: 9500 kHz; für Somalia
Mo-Fr 17.30-17.45 Uhr: 11820 kHz; für Sudan
Mo-Fr 17.57-18.27 Uhr: 13580 kHz; für Ruanda/Burundi
Di, So 18.30-18.45 Uhr: 3200 kHz; für Mosambik
18.30-20.00/20.32 Uhr: 9500 kHz; für Äthiopien
19.00-19.30 Uhr: 6100 kHz; für Mosambik
19.45-20.00/20.15 Uhr: 9475 kHz; für Ostafrika
20.20/20.50-22.05 Uhr: 6130 kHz; für Angola
21.05-21.50/22.05 Uhr: 9940 kHz; für Zentralafrika

Darüber hinaus ist die Sendestation auch auf der Mittelwelle 1170 kHz aktiv. Seit 2016 arbeitet hier ein 100 kW starker Transistorsender, der gebraucht aus Deutschland erworben wurde; angeblich für ein Zehntel des Neupreises. Wie später zu erfahren war, hatte TWR noch zwei weitere solcher Geräte erworben.

Es wäre ein recht sportlicher Ablauf, wenn es sich hier um jene Sender handeln sollte, die noch bis zum Jahresende 2015 den Deutschlandfunk aus Bayern, Baden-Württemberg bzw. Nordrhein-Westfalen abstrahlten. Telefunken-Transistorsender dieser Leistung betrieben in der Vergangenheit ansonsten auch der NDR (972 kHz), der WDR (720 kHz) sowie der SWR (576, 666, 1017 kHz).

 

Autor: Kai Ludwig. mit Informationen von Ivo Ivanov; Stand vom 01.05.2019