Kurzwelle

Trans World Radio in Afrika

2016 bzw. zum Ende des Jahres 2019 hatte Trans World Radio seine Kurzwellensendungen für Namibia und Südafrika eingestellt. Für einige andere Regionen von Afrika setzt die evangelikale Missionsgesellschaft hingegen weiter auf diesen Verbreitungsweg.

Trans World Radio, Swasiland/Eswatini
Das Technikgebäude der Sendestation in Swasiland/Eswatini | © TWR

Dafür nutzt TWR in erster Linie eine eigene Sendeanlage in Swasiland, dem zwischen Südafrika und Mosambik liegenden zweitkleinsten Staat von Afrika. 2018 wurde Swasiland von seinem absolutistischen Herrscher in Eswatini umbenannt.

In den 60er Jahren hatte sich TWR zunächst vergeblich um eine Sendelizenz in Südafrika bemüht. Nachdem Swasiland von Großbritannien 1968 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, versuchte man es dort. Die 1970 aufgenommenen Verhandlungen führten schließlich 1973 zum Erfolg.

Eine kleine Sendestation mit vier jeweils 25 kW starken Kurzwellensendern konnte bereits 1974 ihren Betrieb aufnehmen. Zu den übertragenen Programmen gehörten von Anfang an die 2016 eingestellten deutschsprachigen Beiträge für Namibia.

Diese Sendungen stammten vom deutschen TWR-Partner Evangeliums-Rundfunk, der seine Kurzwellenverbreitung in Europa (über Sender von RMC bei Monaco) 2007 eingestellt hatte. 2011 entfielen dann auch die Ausstrahlungen auf Mittelwelle, für die der ERF zuletzt statt der RMC-Sendeanlage Roumoules den Sender Mainflingen genutzt hatte.

Einige andere Programme von TWR werden auch heute noch aus Roumoules sowie über die Mittelwellensender in Grigoriopol (Pridnestrowje) abgestrahlt. Die letzten für Europa bestimmten Kurzwellensendungen von TWR (verblieben waren zuletzt noch Polnisch, Ungarisch und Russisch) entfielen 2016.

Die ursprünglichen Kurzwellensender der Station in Swasiland wurden nach 1990 ersetzt. Auf einen aufwendigen Umbau der Antennenanlage verzichtete TWR jedoch. Höhere Sendeleistungen als 50 bis 100 kW sind deshalb nicht möglich.

Das führte 1995 doch noch zu Ausstrahlungen aus Südafrika, die jedoch 2012 wieder ihr Ende fanden, nachdem TWR die vom dortigen Staatsunternehmen Sentech aufgerufenen Gebühren nicht weiter zahlen konnte oder wollte. Seit 2019 sind die Kurzwellensender in Südafrika nun ganz außer Betrieb.

Die TWR-Station Swasiland ist nicht nur auf Kurzwelle, sondern auch auf Mittelwelle aktiv. Im Einsatz ist hier seit 2016 ein 100 kW starker Sender, der gebraucht in Deutschland erworben wurde, angeblich für ein Zehntel des Neupreises.

Woher genau dieser Sender kam, ließ sich nicht ermitteln. Die bis Ende 2015 betriebenen Mittelwellenanlagen des Deutschlandfunks dürften aber kaum in Betracht kommen. Als denkbare frühere Einsatzorte bleiben damit Hamburg (NDR), Langenberg (WDR) sowie Mühlacker, Rohrdorf und Wolfsheim (SWR).

Swasiland
© CIA

In der am 25. Oktober 2020 beginnenden Wintersaison will TWR seine Kurzwellensender in Swasiland/Eswatini wie folgt nutzen (Zeitangaben in MEZ):

04.30-05.15 Uhr: 4760 kHz; für Mosambik
15.18-15.50 Uhr: 9585 kHz; für Mosambik
15.18-16.55 Uhr: 7455 kHz; für Simbabwe
15.53-16.25 Uhr: 9585 kHz; für Madagaskar
Mo-Fr 16.30-16.45 Uhr: 13580 kHz; für Sudan/Südsudan
16.00-16.30 Uhr: 11780 kHz; für Somalia, Sa+So bis 16.45
16.55-17.27 Uhr: 13580 kHz; für Ruanda/Burundi
Di und Sa 17.30-17.45 Uhr: 4760 kHz; für Mosambik
17.30-19.00 Uhr: 11660 kHz; für Äthiopien
18.00-18.30 Uhr: 6100 kHz; für Madagaskar
18.45-19.15 Uhr: 9380 kHz; für Zentralafrika, Sa+So bis 19.39
19.00-20.02 Uhr: 9500 kHz; für Horn von Afrika, Sa bis 19.47
19.20-21.05 Uhr: 6130 kHz; für Angola
20.05-21.05 Uhr: 15105 kHz; für den Kongo

Wegen der bereits recht großen Entfernung laufen einige TWR-Programme für das Horn von Afrika auch über die Kurzwellenstation Abu Dhabi: Montags, dienstags, donnerstags und sonntags jeweils von 4.30 bis 4.45 Uhr auf 7245 kHz sowie von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 14.00 bis 14.15 Uhr auf 17680 kHz.

Nicht bewährt hatte sich die Station Swasiland insbesondere für Sendungen nach Westafrika. Nachdem auch dort die Mittelwelle eine Alternative bietet, wurden diese Sendungen 2011, noch vor dem völligen Rückzug von den Sentech-Sendern, von der Kurzwelle genommen.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 15.10.2020