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TWR beendet Kurzwelle für Südafrika

2016 hatte Trans World Radio die nach Namibia abgestrahlten, vom Evangeliums-Rundfunk in Wetzlar produzierten deutschsprachigen Sendungen eingestellt. Am 31. Dezember endet die Nutzung der betreffenden Frequenzen nun ganz: Die englischen Kurzwellensendungen für Südafrika entfallen ebenfalls.

Retirement of shortwave service to South Africa
Kampagnengraphik zur Einstellung der Kurzwellensendungen | © TWR

Nach eigenen Angaben hat TWR in Südafrika nach wie vor ein Publikum, das inzwischen jedoch meist andere Verbreitungswege nutzt. Deshalb wolle man diese Ressourcen in andere Teile Afrikas umlenken.

Hier geht es um einen morgendlichen Programmplatz auf der Sendestation von TWR in Swasiland, derzeit noch von 6.30 bis 9.00 Uhr MESZ. Dabei läuft ein Sender durchweg auf 4775 kHz, ein zweiter Sender von 6.30 bis 8.00 Uhr (am Wochenende erst ab 7.00 Uhr) auf 3200 kHz und von 8.00 bis 9.00 Uhr auf 6120 kHz.

In den letzten Wochen ab dem 27. Oktober verbleibt dann nur noch ein stark gekürzter Restbetrieb: An Arbeitstagen von 5.30 bis 6.00 Uhr MEZ auf 3200 und 4775 kHz, sonnabends von 5.30 bis 6.00 Uhr nur auf 4775 kHz sowie sonntags von 5.30 bis 6.35 Uhr auf 4775 kHz und von 6.00 bis 6.30 Uhr auf 6120 kHz.

Ansonsten sind für die Sendestation in Swasiland vom 27. Oktober 2019 bis 28. März 2020 noch folgende Ausstrahlungen auf Kurzwelle geplant:

04.30-05.15 Uhr: 4760 kHz; für Mosambik
15.18-15.53 Uhr: 9585 kHz; für Mosambik
15.18-16.55 Uhr: 7300 kHz; für Mosambik
15.53-16.25 Uhr: 9585 kHz; für Madagaskar
16.00-16.30 Uhr: 11780 kHz; für Somalia (So bis 16.45 Uhr)
Mo-Fr 16.30-16.45 kHz: 15105 kHz; für Südsudan
Mo-Sa 16.55-17.27 Uhr: 13580 kHz; für Ruanda/Burundi
Di + Sa 17.30-17.45 Uhr: 4760 kHz; für Mosambik
17.30-19.00 Uhr: 11660 kHz; für Äthiopien
19.00-19.30 Uhr: 6100 kHz; für Mosambik
18.45-19.15 Uhr: 9475 kHz; für Ostafrika (So bis 19.24 Uhr)
19.02-19.32 Uhr: 9500 kHz; für Ostafrika (So bis 19.49 Uhr)
19.20-21.05 Uhr: 6130 kHz; für Angola
20.05-21.05 Uhr: 15105 kHz; für Zentralafrika

Die Nutzung der Sender für Asien-Programme, etwa nach Pakistan, ist 2018 entfallen.

Für den Standort Swasiland (die 2018 erklärte Umbenennung des Landes wird von TWR ignoriert) entschied sich die evangelikale Radiomission, nachdem in den 60er Jahren Bemühungen, eine Lizenz in Südafrika zu erhalten, erfolglos blieben.

1968 entließ Großbritannien das zwischen Südafrika und Mosambik liegende Protektorat in die Unabhängigkeit. Damit entstand der nach Gambia zweitkleinste Staat in Afrika. TWR begann nun 1970 dort mit Verhandlungen, die 1973 auch zum Erfolg führten.

Schon ein Jahr später konnten die ersten Ausstrahlungen beginnen. Die in so kurzer Zeit errichtete Kurzwellenanlage war mit Sendeleistungen von 25 kW recht bescheiden. Die 2016 eingestellten Programme in deutscher Sprache gehörten hier von Anfang an zum Angebot.

Nach 1990 wurde die ursprüngliche Sendetechnik ausgetauscht. Auf einen kostspieligen Ausbau der Antennenanlage ist dabei verzichtet worden. Somit bleiben die Sendeleistungen weiter auf 50 oder bestenfalls 100 kW beschränkt.

Das führte 1995 doch noch zu Ausstrahlungen aus Südafrika. Diese fanden 2012 ihr Ende, als TWR die Tarife des südafrikanischen Staatsbetriebs Sentech nicht weiter zahlen wollte oder konnte. Im März 2019 hat Sentech die Kurzwellenanlage bei Johannesburg nun ganz außer Betrieb genommen.

Mit Drittkapazitäten verstärkt TWR seine Kurzwellensendungen in Afrika jetzt noch bei den Programmen für Äthiopien, Eritrea und Somalia. Genutzt wird dafür die Sendestation der Abu Dhabi Media; ab 27. Oktober täglich 4.30-4.45 Uhr auf 7245 oder 9655 kHz, von Donnerstag bis Sonntag auch 14.00-14.15 Uhr auf 17680 kHz.

Swasiland
© CIA

Weiter in den Vordergrund rückt auf der TWR-Station in Swasiland nun die Mittelwelle 1170 kHz. Sie wird seit 2016 mit einem 100 kW starken, gebraucht – angeblich für ein Zehntel des Neupreises – aus Deutschland erworbenen Transistorsender betrieben.

Seinerzeit hatte TWR drei solcher Sender übernommen. Es wäre ein recht sportlicher Ablauf, wenn es sich hier um Geräte handeln sollte, die noch bis zum Jahresende 2015 den Deutschlandfunk aus Bayern, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen abstrahlten.

Da konkrete Aussagen dazu nicht zu beschaffen sind, bleibt nur, die Standorte zu nennen, an denen vor 2015 ebenfalls Sender des betreffenden Typs TRAM 100 in Betrieb waren: Hamburg (972 kHz), Langenberg (720 kHz) sowie Mühlacker, Rohrdorf und Wolfsheim (576, 666, 1017 kHz).

Die anglophonen Länder des südlichen Afrika sind nicht das erste Sendegebiet, in dem TWR seine AM-Sendungen auf die Mittelwelle beschränkt. Die Kurzwellenprogramme für Westafrika hatte TWR bereits 2011 eingestellt und begnügt sich nun mit einem Mittelwellensender im Staat Benin, der jetzt noch für den Betrieb einer zweiten Frequenz ausgebaut werden soll.

2016 beendete TWR auch die letzten Kurzwellensendungen in Europa. Die hier zuletzt noch verbliebenen Programme in Russisch, Weißrussisch, Polnisch und Ungarisch laufen jetzt ausschließlich über Mittelwellensender in Estland (1035 kHz), Pridnestrowje (999, 1548 kHz) und Frankreich (RMC; 1467 kHz).

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Dr. Hansjörg Biener; Stand vom 17.10.2019