Nur noch Erinnerung

Die Kurzwellensender von Samara

Während die Fußball-Weltmeisterschaft am Spielort Samara genau auf einem früheren Standort des russischen Kurzwellenrundfunks stattfindet, gibt es ernsthafte Bestrebungen, das 15 km außerhalb der Stadt (an der Fernstraße nach Ufa) liegende Radiozentrum 1 als Museum wieder herzurichten.

Radiozentrum 3 in Samara
Das heute unter dem Stadion verschwundene Radiozentrum 3 in Samara (Foto: Wladimir Emeljanow)

Eine Initiative der Öffentlichen Kammer des Gebiets Samara zielt darauf, die Gänge des Objekts in größerem Umfang zu restaurieren und die Räume möglichst dicht an den ursprünglichen Zustand zu bringen. Angesichts des Zustands, den auch dieser Fernsehbericht zeigt, ist das eine beträchtliche Aufgabe.

Dieses Radiozentrum 1 in Nowosemejkino entstand 1941/42, seinerzeit unter der Tarnbezeichnung „Objekt 15“, für den Fall einer Eroberung von Moskau durch die Wehrmacht.

In einen Bunker eingebaut wurde eine Senderanlage mit 1200 kW und damit der seinerzeit stärkste Rundfunksender der Welt. Er konnte sowohl auf Mittel- als auch auf Langwelle arbeiten, wofür jeweils eine Antenne aus vier Türmen zur Verfügung stand.

Hinzu kam noch ein halbes Dutzend Kurzwellensender, das aus Sendestationen im Raum Moskau umgesetzt wurde. Die Leistung dieser Sender war mit 15 kW recht gering, was bereits 1985 in ihre Verschrottung mündete.

Die Mittel- und Langwellenanlage wurde hingegen bis auf 2 x 2000 kW ausgebaut. In diesem Endzustand übertrug der Langwellenteil auf 234 kHz das erste Programm des Allunionsradios, später als Radio-1 bekannt, bis in den 90er Jahren die Mittel für eine weitere Nutzung der leistungsstarken AM-Sender versiegten.

Der Mittelwellenteil wiederum lief auf 873 kHz. Letztmalig eingeschaltet wurde er am 9. Mai 2005 als Sonderaktion zum 60. Jahrestag des Kriegsendes.
 

Ein ausführlicher Beitrag über die Sendestation, dessen umfangreiche Bebilderung sich weitgehend auch ohne den Text erschließt:

Objekt No. 15: Swerchmostschny radiowestschatelny zentr w g. Kuibyschewe


Die Antennen der Sendestation wurden ab 2009 abgerissen. Hier gibt es Fotos aus diesen Jahren, die zeigen, wie bereits die Stromversorgung unterbrochen und der Verfall der Räume im Gang war.

Nach der Schließung übernahm noch das – inzwischen ebenfalls liquidierte – Radiozentrum 5 in Mechsawod die Ausstrahlung von Radio Rossii, bis die Rundfunkgesellschaft WGTRK vom Februar 2015 an ganz auf die Mittelwelle 873 kHz verzichtete.
 

Von einem dieser beiden Standorte kam bis in die 90er Jahre noch eine Spezialität: In Einseitenbandmodulation lief auf Funkdienstfrequenzen (oft bei 16 MHz) jenes Programm, das von Radio Moskau ansonsten aus Deutschland auf der Mittelwelle 1323 kHz ausgestrahlt wurde.

Das war eine Rückfallebene zu der sonst verwendeten, einst recht störanfälligen Übertragungsleitung in die DDR. Ursprüngliche Gegenstelle war eine professionelle Empfangsstation der Post in Beelitz.

Zuletzt thronte hierfür noch ein Kurzwellenempfänger auf dem Kontrollpult des Mittelwellensenders Wachenbrunn. Er lieferte meist durchaus brauchbaren Empfang – nur dann nicht, wenn wirklich mal eine Leitungsstörung eintrat ...

Blick über die Wolga zum Radiozentrum 3 in Samara (Quelle: vcfm.ru)

Die Sendeanlage, die jetzt dem Fußballgeschäft zu weichen hatte, lief ihrerseits als Radiozentrum 3. Sie entstand nach dem Krieg für den Auslandsrundfunk. Erste Ausstrahlungen begannen hier 1952.

Aufgebaut wurden 13 Sender einer 100 kW starken Konstruktion, teils zu Gesamtleistungen von 200 kW kombiniert. Später folgten noch sechs Sender neuerer Bauart mit jeweils 250 kW. Sie bildeten in den letzten Jahren das Rückgrat des Betriebs.

Schaut man auf die gängigen Kartendienste, dann sieht man bei Bing momentan noch zwei Gebäude, in denen die Sender installiert waren. Im neueren Bildmaterial von Yandex sind inzwischen auch diese letzten Reste getilgt.

Die Ausstrahlung der Auslandssendungen aus Moskau endete hier am 31. Dezember 2012. Was dann passierte, noch bevor ein weiteres Jahr verstrichen war, beschrieb Lenta seinerzeit unter dem Titel „Jetzt hört sie nur noch der Himmel“: Teper ich slyschat tolko nebesa (hilfsweise: eine Maschinenübersetzung)

 

Impressionen der jetzt spurlos verschwundenen Antennenanlage finden sich hier:

Radiozentr No. 3 (28. Januar 2013)
 

Nicht ohne weiteres zu beantworten ist, ab wann auch Sendungen ausländischer Programmveranstalter aus dem Radiozentrum 3 abgestrahlt wurden: Schon vor 1990 nutzten die Rundfunkanstalten von Afghanistan, Laos und Kuba die Kurzwellensender in der Sowjetunion.

Bekannt ist die Einbeziehung des Standorts Samara in Übertragungen der Deutschen Welle. Der entsprechende Ausstrahlungsvertrag war 1991 noch mit dem Kommunikationsministerium der UdSSR geschlossen worden.

Berlin, Sowjezk, Wachenbrunn, Moskau, Samara, Jekaterinburg, Krasnodar
Senderstandorte für deutschsprachige Sendungen aus Moskau, Stand 1998 | © Golos Rossii


Vom Geschehen seit der Jahrtausendwende künden mag eine kleine Auswahl aus den Meldungen, die über die Jahre an dieser Stelle erschienen:

18. Juli 1999

Radio Maryja aus Torun wird über die Anlagen in Samara von 21.30 bis 24.00 Uhr neuerdings auf 7380 kHz übertragen. Von 17.00 bis 21.00 Uhr wird unverändert 12010 kHz eingesetzt.

17. Oktober 1999

Aufmerksamkeit erregte die Neuaufschaltung des deutschen Programms der Deutschen Welle auf 11625 kHz. Hier wird seit dem 1.10. zwischen 14.00 und 18.00 Uhr ein Sender im Moskauer Umland zur Versorgung von Sibirien genutzt, ab 31.10. wird hier auf 12055 kHz gewechselt.

In der kommenden Wintersaison wird die DW russische Anlagen auch erstmals im 13-Meterband einsetzen: 10.00-10.30 Uhr für Afghanistan 21800 kHz vom Sendezentrum Tbilisskaja bei Krasnodar, 11.00-11.50 Uhr für das persische Programm 21780 kHz aus Samara.

2. Dezember 2000

Radio Rossii setzt Kurzwellensender wie folgt ein: […]
Samara, 100 kW, Zielrichtung Asien: 3.00-6.00 und 15.30-23.00 Uhr 6125 kHz, 6.30-15.00 Uhr 11990 kHz.

10. Juni 2001

Eine kurdische Gruppierung begann mit Sendungen unter dem Titel „Stimme Mesopotamiens“, die von 10.00 bis 12.00 Uhr auf 15230 kHz sowie von 16.00 bis 18.00 Uhr auf 15770 kHz ausgestrahlt werden, offenbar aus Samara.

5. August 2001

„Netsanet le-Ethiopia Radio“ sendet in Amharisch 19.00-20.00 Uhr auf 12110 kHz aus Samara.

16. September 2001

Durch Unterbrechungen der Stromversorgung kommt es zu Einschränkungen des Sendebetriebs auf Kurzwelle. Betroffen ist hiervon in erster Linie das Sendezentrum Samara. Ein Teil der Samara-Frequenzen wird derzeit ersatzweise aus Krasny Bor bei St. Petersburg betrieben (z.B. 18.05-18.40 Uhr 6205 kHz, 19.00-23.30 Uhr 6000 kHz).

2. Dezember 2001

Zu den seit kurzem zwischen 14.30 und 15.30 Uhr auf 9950 kHz zu hörenden Sendungen „Stimme Afghanistans“ (Paschtu „Da Afghanistan Ghaq Radio“, Dari „Radio Sada-e Afghanistan“): Produziert werden sie in London, ausgestrahlt aus Samara. Als Gründer dieser Station wird der „erfolgreiche Geschäftsmann“ Sayd Jalal Afghan genannt. Klarheit über die eigentlichen Betreiber besteht weiterhin nicht.

1. Dezember 2002

Für den Libanon bestimmte Oppositionsprogramme werden täglich von 17.00 bis 18.00 Uhr auf 11515 kHz ausgestrahlt. Der benutzte Senderstandort ist nicht mit Sicherheit bekannt, es scheint sich jedoch um Samara zu handeln.

Die Sendungen beginnen stets mit der libanesischen Hymne und einer Ansprache des Generals Aoun, dessen in Frankreich als Rassemblement Pour le Liban (RLP) operierenden Unterstützer auch die Urheber dieser Programme sind. International tritt diese Bewegung als Free Patriotic Movement auf.

23. März 2003

FEBA-Radio wird seine bisher genutzten eigenen Sender auf den Seychellen mit Ablauf des 29.3. stillegen. Für die ab 30.3. anderweitig anzumietenden Sendekapazitäten sind bislang folgende Einsätze bekannt: [...]

02.15-03.30 Uhr: 11800 kHz, Samara; Bengalisch […]
13.00-17.00 Uhr: 15400 kHz, Samara; Nepalesisch […]

17. November 2004

Family Radio [...] jetzt 20.00-21.00 Uhr aus dem Raum Moskau auf 6205 kHz, vom Sendezentrum Tbilisskaja auf 7240 kHz und aus Samara auf 7370 kHz, im letzteren Fall mit einem deutschsprachigen Programm. Darüber hinaus wird aus Samara 14.00-18.00 Uhr auf 7580 kHz in Richtung Indien gesendet. […]

1. April 2005

Änderungen ergaben sich in der Kurzwellenverbreitung des deutschen Programms der Stimme Rußlands. Das hierfür über viele Jahre eingesetzte Sendezentrum Tbilisskaja (typische Frequenzen waren Anfang/Mitte der 90er Jahre 7360 und 11980 kHz, später dann auch 7300 und 15455 kHz) wird nicht mehr genutzt.

Stattdessen wird das Abendprogramm von 17.00 bis 21.00 Uhr jetzt wieder auf der zuletzt Mitte der 90er Jahre genutzten Frequenz 12010 kHz aus Samara übertragen. 1997 war diese Frequenz an das polnische Radio Maryja abgegeben worden, das seine Verbreitung über russische Kurzwellenanlagen Ende 2003 wieder aufgegeben hatte.

Ebenfalls aus Samara läuft jetzt die nur von 11.00 bis 12.00 Uhr genutzte Frequenz 15455 kHz.

26. November 2006

Der BBC World Service hat Ausstrahlungen, die bisher über die Sendestation auf Zypern liefen, zu russischen Sendeanlagen verlagert. Dies betrifft auch die Europaversorgung des englischen Programms, für die zwischen 6.00 und 8.00 Uhr die Frequenz 12095 kHz jetzt vom Sendezentrum Tbilisskaja betrieben wird. [...]

06.00-07.00 Uhr: 9440 kHz, Englisch (Samara) [...]
07.00-08.00 Uhr: 15180 kHz, Arabisch, nur Mo-Sa (Samara)
09.00-10.00 Uhr: 15180 kHz, Arabisch, nur Mo-Sa (Samara) […]

12. Mai 2008

Rossijskaja Telewisionnaja i Radiowestschatelnaja Set (RTRS) wird seine Kurzwellensender in Samara stillegen.

Das 264 Hektar große Stationsgelände am nördlichen Stadtrand von Samara ist inzwischen von Gärten und anderweitigen Bauten umgeben. Bestrebungen, es als Bauland zu nutzen, sind bereits im Gange. Vor diesem Hintergrund wird der Wert des Grundstücks auf umgerechnet 260 Millionen Euro geschätzt.

28. Oktober 2008

Unklar ist, ob die Kurzwellensender in Samara tatsächlich, wie es zuvor etwas vage hieß, am 25.10. stillgelegt wurden. Für das deutsche Programm der Stimme Rußlands waren zunächst Ausstrahlungen aus Samara zwischen 17.00 und 18.00 Uhr auf 7290 kHz sowie zwischen 18.00 und 20.00 Uhr auf 7300 kHz vorgesehen. Später wurden diese Frequenzen gestrichen, nun sind sie aber doch in Betrieb.

20. November 2008

Die Sendeanlagen für den Kurzwellenrundfunk in Samara sind trotz des angekündigten Abbaus weiter in Betrieb. Dies war erst kurz vor dem Beginn der aktuellen Winterperiode klar. Noch wenige Tage zuvor konnte die deutsche Redaktion der Stimme Rußlands keine gesicherten Aussagen über die jetzt auf Kurzwelle genutzten Frequenzen machen.

9. März 2009

Deutsche Welle im Sommerhalbjahr 2009 […]
Samara 04.30-05.00 Uhr: 9845 kHz; Persisch […]

12. April 2009

Nach einer Unterbrechung von zwölf Tagen strahlt die Stimme Rußlands ihr deutsches Programm seit dem 10.4. auch wieder in analoger Form auf Kurzwelle aus. Eingesetzt werden von 17.00 bis 21.00 Uhr die Frequenzen 7330 kHz aus dem Gebiet Kaliningrad und 12010 kHz aus Samara.

Die Abschaltung der betreffenden Kurzwellen erfolgte zum 29.3. und war Teil einer größeren Umstrukturierung. Deren kurzfristige Umsetzung führte bei den Ausstrahlungen über Mittelwellensender in Deutschland zu tagelangen Fehlschaltungen.

Die kurzfristige Aktivierung der Kurzwellenfrequenzen ist das Resultat zahlreicher Hörerbeschwerden. Das deutsche Programm der Stimme Rußlands erreicht einen nennenswerten Hörerkreis, der sich nicht auf die Szene der Kurzwellenhobbyisten beschränkt.

7. Oktober 2011

Für das deutsche Programm aus Moskau verbleibt neben den Mittelwellensendern in Deutschland und der Schweiz noch abends von 17.00 bis 21.00 Uhr die Kurzwellenfrequenz 12010 kHz aus Samara, die in dieser Form bereits zu Zeiten der Sowjetunion eingeführt wurde. […]

29. Juli 2012

Seit dem 23.7. ist das deutsche Programm der Stimme Rußlands auch am Mittag wieder auf Kurzwelle zu hören. Gesendet wird von 11.00 bis 13.00 Uhr auf 15700 kHz. Zum Einsatz kommt dabei die Sendeanlage in Samara, über die das deutsche Programm am Abend von 17.00 bis 21.00 Uhr auf 12010 kHz läuft.

Den jetzt wieder eingeführten Sendeplatz gab es zuvor schon seit den Kürzungen, die beim damaligen Radio Moskau in den 90er Jahren vorgenommen wurden, nicht mehr. Bis dahin lief das deutsche Programm jeweils von 11.00 bis 13.00 Uhr über mehrere Kurzwellenfrequenzen und die Mittelwelle Wachenbrunn 1323 kHz.

22. Dezember 2012

Das deutsche Programm der Stimme Rußlands wird ab dem 1. Januar 2013 terrestrisch nur noch über den Sender Zehlendorf bei Oranienburg auf 693 kHz zu hören sein. Dies geht aus einer am 20.12. veröffentlichten Mitteilung der Redaktion hervor, die in euphemistischer Weise über „den neuen Wellen- und Frequenzplan für Winter 2013“ informiert.

Aus Kreisen von Trans World Radio bekannt wurde die völlige Schließung der Kurzwellenanlage in Samara zum 1.1. Auf Seiten von TWR sind hiervon die Programme für Pakistan (16.00-16.30 Uhr MEZ auf 6115 kHz) und Afghanistan (17.00-17.30 Uhr auf 7285 kHz) betroffen. Sie sollen ohne weitere Änderungen von einer Sendeanlage im Raum Nowosibirsk übernommen werden.

1. Januar 2013

Am 31.12. hat die Großsendetechnik in Krasny Bor bei St. Petersburg den Betrieb eingestellt. Auf der Kurzwellenstation Samara wurde der Sendebetrieb um Mitternacht Moskauer Zeit, entsprechend 21.00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, abgebrochen und die zu diesem Zeitpunkt aktive Frequenz 5940 kHz abgeschaltet.

Nach früheren Informationen sollte wie in Krasny Bor jetzt auch in Samara der Sendebetrieb auf Kurzwelle vollständig ruhen. Jedoch wurde das Kurzwellenprogramm der Rundfunkgesellschaft Tatarstan am 1.1. unverändert auf den bisher aus Samara genutzten Sendeplätzen gehört (5.10-6.00 Uhr auf 15105 kHz, 7.10-8.00 Uhr auf 9410 kHz, 8.10-9.00 Uhr auf 11610 kHz).

Bereits vor Jahren gab es in Samara Diskussionen, das Gelände der dort als „Radiozentrum 3“ bezeichneten Kurzwellenanlage, auf der offensichtlich nur noch einer der beiden Senderkomplexe in Betrieb war, als Bauland zu nutzen.

Dieses Thema wurde, unabhängig von den erst kurzfristig entschiedenen drastischen Einschnitten bei der Stimme Rußlands, in letzter Zeit wieder verstärkt aufgegriffen. So ist die Rede von Planunterlagen, die ein Stadion für die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahre 2018 genau auf dem Gelände der Sendestation zeigen.

3. Juni 2013

Entgegen anderslautenden Angaben, eingeschlossen offizielle Daten der russischen Fernmeldeverwaltung, überträgt die Kurzwellenanlage in Samara nach wie vor die von der regionalen Rundfunkgesellschaft in Kasan produzierten Sendungen „Na wolne Tatarstana“.

Zu den Hintergründen hält sich der Senderbetreiber RTRS bedeckt, bestätigte die Tatsache selbst aber ausdrücklich.

Derzeit kursieren Gerüchte, wonach Samara nicht in die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahre 2018 einbezogen und stattdessen Wolgograd einer der Spielorte werden soll. Bislang war geplant, ein Stadion auf dem heutigen Gelände der Kurzwellenstation zu errichten. Im Falle einer Streichung dieses Projektes würde auch der Druck entfallen, die Sendestation zu beseitigen.

Derzeit leiden die Sendungen unter einer teils extrem schlechten technischen Qualität (sehr dumpf, verzerrt, durch ein Gate abgehackt), was die Frage aufwirft, inwieweit der Programmveranstalter ernsthaft daran interessiert ist, hiermit Hörer zu erreichen.

12. November 2013

Die Ausstrahlung der Sendungen „Na wolne Tatarstana“ über die Kurzwellenanlagen in Samara ist nun offenbar doch eingestellt worden. Als Termin hierfür in Betracht kommt der Beginn der Winterperiode 2013/14 am 27.10.

Über die Sendeanlage Ojasch im Raum Nowosibirsk laufen jetzt die für den Fernen Osten bzw. für Westsibirien bestimmten Ausstrahlungen von 5.10 bis 6.00 Uhr auf 11790 kHz und von 7.10 bis 8.00 Uhr auf 9895 kHz.

Unterbrochen zu sein scheint hingegen die dritte Ausstrahlung für das europäische Rußland, die jetzt ab 9.10 Uhr über die Sendeanlage Tbilisskaja im Gebiet Krasnodar auf 12095 kHz laufen soll. Auch auf der bisherigen Frequenz 15195 kHz oder auf 11610 kHz, wo im Winterhalbjahr 2012/13 gesendet wurde, ist nichts zu hören.

Dem Vernehmen nach ist diese Europa-Ausstrahlung vorerst der russischen Bürokratie zum Opfer gefallen. Einerseits steht die Kurzwellenanlage in Samara offenbar nicht mehr zur Verfügung, andererseits ist bis jetzt aber auch keine Lizenz dafür erteilt worden, „Na wolne Tatarstana“ aus Tbilisskaja zu senden.

Neben Taldom im Raum Moskau sind Ojasch und Tbilisskaja die einzigen Kurzwellen-Senderkomplexe, die der russische Sendernetzbetreiber RTRS seit Anfang 2013 noch offiziell betreibt, nachdem die Stimme Rußlands ihre Ausstrahlungen auf Kurzwelle stark eingeschränkt hat. Inzwischen hat sie auch die jetzt noch genutzten Kurzwellenkapazitäten zum 1. Januar 2014 abgekündigt.

24. November 2013

Am 14.11. begann die Demontage der Kurzwellenstation in Samara. Bis zum Jahresende sollen bereits vier Nebengebäude und sechs der 34 Antennentürme beseitigt sein. Die Kosten des Abbaus werden auf 55 Mio. Rubel (1,2 Mio. Euro) beziffert.

Als substanzlos erweisen sich damit Gerüchte, Samara werde doch nicht in die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahre 2018 einbezogen. Bis zum Jahresende soll vielmehr die Entwurfsplanung für das 45.000 Besucher fassende Stadion vorliegen, für dessen Bau das Gelände des Radiozentrums 3 beansprucht wird. Die Baukosten werden mit 835 Mio. Rubel (18,8 Mio. Euro) angegeben.

5. Dezember 2013

Seit dem 1.12. läuft auch wieder die dritte Ausstrahlung von „Na wolne Tatarstana“ ab 9.10 Uhr auf 12095 kHz. Sie ist unverändert für Hörer im europäischen Rußland bestimmt.

Die scheinbar nicht dazu passende Abstrahlrichtung Nordwesten ist den technischen Gegebenheiten der Sendeanlage Tbilisskaja geschuldet, deren Kurzwellenantennen für Auslandssendungen, nicht aber eine solche Inlandsversorgung ausgelegt sind.

29. Dezember 2013

RTRS hat kurzfristig die Sendestation im Dorf Raduga bei Ojasch (Oblast Nowosibirsk) stillgelegt. Den Anstoß hierfür dürfte die ebenso kurzfristige, zum 18.12. wirksam gewordene Abkündigung der hier noch verbliebenen Ausstrahlungen der Stimme Rußlands gegeben haben.

Erst seit Ende Oktober kamen von hier auch die für Westsibirien und den Fernen Osten bestimmten Ausstrahlungen von „Na wolne Tatarstana“, nachdem der Abbruch der bis dahin genutzten Sendestation Samara begonnen hatte. Bislang ist nicht bekannt, was aus diesen Programmen geworden ist, nachdem sie nach nur zwei Monaten auch diesen Ausweichstandort verloren haben.

Bereits zum Jahresbeginn 2013 nach Raduga umgezogen waren die bis dahin ebenfalls aus Samara ausgestrahlten Sendungen von Trans World Radio. Ersatz ist hier die Sendestation Gavar/Noratus in Armenien. Damit dürfte die Nutzung von Kurzwellensendern in Rußland durch ausländische Veranstalter insgesamt ihr Ende gefunden haben.

5. Februar 2014

Zum 1.2. endete nun auch die Ausstrahlung von „Na wolne Tatarstana“ über die Sendeanlage Tbilisskaja.

Damit gibt es hier noch Kurzwellensendungen im Umfang von drei Stunden pro Woche. Hierbei handelt es sich um Produktionen der GTRK Adygeja aus Maikop, die nicht in russischer Sprache, sondern in Tscherkessisch (Adygeisch) sowie auch Arabisch und Türkisch gestaltet werden.

 

– Die Sendungen der GTRK Adygeja existieren auch im Sommerhalbjahr 2018 weiter; jetzt montags und freitags 20.00-21.00 Uhr sowie sonntags 21.00-22.00 Uhr jeweils auf 6000 kHz. Für Kenner noch immer zu erahnen ist hier der typische Klang der Tbilisskaja-Kurzwellen, wie er einst mit ungleich stärkerem Signal und deutschem Programm aus Moskau gewohnt war.

In der gesamten Russischen Föderation laufen Rundfunksendungen auf Kurzwelle ansonsten nur noch aus Jakutsk und aus Petropawlowsk-Kamtschatski.

Autor: Kai Ludwig; zuletzt aktualisiert am 23.06.2018