Radio Free Asia

Erneute Ausstrahlungen aus Saipan und Tinian

Nach den schweren Sturmschäden vom 26. Oktober 2018 soll die Kurzwellenstation Tinian seit dem 2. April mit vorerst einem Sender wieder aktiv sein. Wie es weiter heißt, sei zugleich der im Februar zunächst mit einem Sender wieder aufgenommene Betrieb der Station Saipan auf zwei Sender erweitert worden.

Sendestation Saipan
Die kleine Antennenanlage der Kurzwellenstation Saipan | © RFA

Damit soll für die beiden Standorte nun folgender Sendeplan gelten (Zeitangaben in MESZ):

Tinian
00.30-01.30 Uhr: 15275 kHz; Khmer
02.30-03.30 Uhr: 15700 kHz; Burmesisch
06.00-07.00 Uhr: 21505 kHz; Chinesisch
08.00-09.00 Uhr: 17810 kHz; Chinesisch
12.00-13.00 Uhr: 21455 kHz; Tibetisch
13.00-14.00 Uhr: 15195 kHz; Laotisch
14.30-16.30 Uhr: 11805 kHz; Burmesisch
16.30-17.00 Uhr: 12140 kHz; Khmer
17.00-18.00 Uhr: 13720/13790 kHz; Tibetisch
18.00-19.00 Uhr: 11610 kHz; Chinesisch
Saipan
01.00-02.00 Uhr: 15555 kHz; Chinesisch
05.00-07.00 Uhr: 17690 kHz; Chinesisch
08.00-09.00 Uhr: 13790 kHz; Chinesisch
17.00-19.00 Uhr: 9850 kHz; Koreanisch
17.00-21.00 Uhr: 11985 kHz; Koreanisch
19.00-21.00 Uhr: 9990 kHz; Koreanisch
21.00-23.00 Uhr: 9355 kHz; Chinesisch

Wie zu erkennen ist, bleiben die Sendezeiten deutlich eingeschränkt und Programmen von Radio Free Asia vorbehalten. Es gibt weiterhin keine Ausstrahlungen der Voice of America und der Vatikan-Kommunikation, mit der die U.S. Agency for Global Media eine gegenseitige Bereitstellung von Sendekapazitäten vereinbart hat.

Zumindest im Februar wurden allerdings in den USA selbst Zweifel laut, ob es sich tatsächlich um erneute Signale von den Nördlichen Marianen handelt. Der Kurzwellenexperte Glenn Hauser fragte offen, ob hier „Fake News“ gestreut werden, um von illegalen Sendungen aus den Philippinen oder/und Thailand abzulenken.

Wie es generell um die Glaubwürdigkeit der USAGM steht, zeigen aktuell deren Verlautbarungen über einen angeblich eindrucksvollen Anstieg der Nutzerzahlen. Ein Beitrag des früheren Hörerforschers Kim Andrew Elliott weist nach, warum diese Darstellungen nicht haltbar sind.

Dabei ist offenkundig, für wen die „alternativen Fakten“ bestimmt sind: Für die Abgeordneten des Kongresses, die ein drittes Mal in Folge die vom Weißen Haus für die USAGM geplante Budgetkürzung verhindern sollen.

Einige Beachtung fand in den USA gerade auch der Beitrag An American Tale, der die Tätigkeit der US-Auslandssender in der Zeit des kalten Kriegs eindeutig dem Bereich der Propaganda zuweist.

Interessant ist in diesem Zusammenhang das, was hier sichtbar wird: Das State Department legt offensichtlich Wert auf gewisse Änderungen am Entwurf einer Richtlinie zum Umgang mit dem „Smith-Mundt Act“, der es dem Auslandsrundfunk verbietet, ein Publikum in den USA selbst anzusprechen.

Die USAGM steht hier im Fokus, seit Radio Free Europe / Radio Liberty im vergangenen Sommer damit auffiel, bei Facebook gezielte Ausspielungen an Nutzer der Plattform in den USA zu buchen. Von hoher Brisanz ist dieses Thema wegen einschlägiger, maßgeblich von Stephen Bannon ausgehender Bestrebungen.

Mit Informationen von Ivo Ivanov; Stand vom 03.04.2019


 

Vom Ausfall der Marianen-Sender besonders betroffen waren die koreanischen Sendungen von Radio Free Asia. Dazu der

Bericht vom 11. November 2018:

Wie Radio Free Asia berichtet, ist ein Offizier der auch für den Personenschutz der Kim-Familie zuständigen Einheit „963“ der nordkoreanischen Armee von der Bildfläche verschwunden, nachdem er beim Abhören des Senders überrascht wurde.

Dieser Nachrichtenoffizier habe die Funkzentrale eines Bergwerks inspiziert und dabei einen Empfänger auf Radio Free Asia eingestellt. Ein anderer Angehöriger der Einheit habe das beobachtet und gemeldet. Danach sei der betreffende Offizier verschwunden.

Wie es weiter heißt, seien anschließend die gesamte Einheit durchleuchtet und mehrere weitere Offiziere entfernt worden.

Diese Schilderung könnte sich auf eine Kurzwellenfrequenz beziehen und damit einen einstweilen verlorenen Verbreitungsweg: Ein Wirbelsturm hat am 26. Oktober die hierfür eingesetzten Sendeanlagen auf den Nördlichen Marianen weitgehend zerstört.

Speziell für das koreanische Programm ließen sich von Europa aus zunächst keine Anzeichen für Ausstrahlungen von anderen Standorten finden. Die betreffenden Frequenzen wären 5885, 9590 und 9985 kHz zwischen 16.00 und 20.00 Uhr bzw. 7485, 9860 und 9985 kHz zwischen 22.00 und 23.00 Uhr (jeweils MEZ).

Das Haupthindernis für Havarieschaltungen ist dabei nicht technischer, sondern (medien-)politischer Art. Speziell in den Philippinen, wo seit 1953 Sendestationen der Voice of America bestehen und von dieser auch für ihr koreanisches Programm genutzt werden, besitzt Radio Free Asia keine Sendelizenz.

Eine Nutzung dieser Anlagen für RFA wäre daher nur inoffiziell möglich. Dazu gibt es schon seit Jahren Branchengerüchte, die aber mit großer Zurückhaltung aufgenommen werden müssen, speziell was angebliche Eigenmächtigkeiten der amerikanischen Seite betrifft.

Für das koreanische Programm von RFA ist der Verlust der Kurzwellensender kein Totalausfall, da es auch auf Mittelwelle ausgestrahlt wird. Nachdem die Nutzung einer für den Koreadienst von Radio Moskau gebauten Sendeanlage bei Wladiwostok ab 2014 nicht weiter möglich war, konnte inzwischen Ersatz in Südkorea gefunden werden.

Dort läuft der vierstündige Hauptblock des Programms über den Mittelwellensender Bangsan bei Incheon, im Südwesten von Seoul. Dieser Sender mit der Kennung HLKX war von US-amerikanischen Missionaren errichtet und 1956 in Betrieb genommen worden.

Bangsan 1188 kHz, 100 kW
© FEBC

 

Autor: Kai Ludwig