Nach Ausfall der Marianen-Sender

Radio Free Asia aus Deutschland

Nach dem Verlust der Sendeanlagen auf den Nördlichen Marianen blieben Bemühungen der amerikanischen Seite, eine Zulassung für Radio Free Asia in den Philippinen zu erhalten, erfolglos. Auch in Thailand besitzt RFA keine Sendelizenz. Die inzwischen umgesetzten Havarieschaltungen reichen deshalb bis nach Deutschland.

Sendersaal Lampertheim
Einige der jeweils 100 kW starken Kurzwellensender in Lampertheim | © Kai Ludwig

In Deutschland betreibt die U.S. Agency for Global Media weiterhin die Kurzwellenstationen von Radio Free Europe / Radio Liberty in Biblis und in Lampertheim. Deren Einsatzspektrum ist stark eingeschränkt, da die Antennenanlagen nur für Ausstrahlungen in die ursprünglichen Zielländer von RFE/RL ausgelegt sind.

Das ist in diesem Fall kein Problem, da die Zielländer von Radio Free Asia weitgehend hinter der früheren Sowjetunion liegen. Trotzdem sind, geschuldet den schon recht großen Distanzen, bei den zu erwartenden Resultaten Abstriche zu machen. Am günstigsten liegen die Verhältnisse noch für Sendungen in die rund 5500 Kilometer entfernten westlichen Regionen von China.

In größerem Umfang für RFA herangezogen werden jetzt auch die Sendeanlagen der USAGM in Kuwait. Sie werden derzeit noch weiter ausgebaut, da die in Kuwait sehr niedrigen Strompreise hier für entsprechend geringe Betriebskosten sorgen.

Hinzu kommen noch angemietete Drittkapazitäten in den Vereinigten Arabischen Emiraten und vor allem in Tadschikistan. Insgesamt dürften Programme von RFA auf Kurzwelle damit jetzt wie folgt laufen (Zeitangaben in Mitteleuropäischer Zeit):
 

Sender Biblis
01.30-02.30 Uhr: 9510 kHz; Burmesisch
13.00-14.00 Uhr: 11555 kHz; Tibetisch
18.00-21.00 Uhr: 9455 kHz; Mandarin
22.00-23.00 Uhr: 9410 kHz; Mandarin
23.30-00.30 Uhr: 9390 kHz; Khmer
Sender Lampertheim
00.00-01.00 Uhr: 9900 kHz; Mandarin
02.00-03.00 Uhr: 9310 kHz; Uigurisch
02.00-03.00 Uhr: 13795 kHz; Tibetisch
04.00-08.00 Uhr: 15340 kHz; Mandarin
11.00-12.00 Uhr: 15665 kHz; Tibetisch
11.00-12.00 Uhr: 17 MHz (siehe unten); Tibetisch
13.00-14.00 Uhr: 12055 kHz; Tibetisch
13.30-14.30 Uhr: 15155 kHz; Khmer
14.30-15.30 Uhr: 12130 kHz; Burmesisch
20.00-22.00 Uhr: 7520 kHz; Mandarin
22.00-23.00 Uhr: 9455 kHz; Mandarin
Sender Kuwait
00.00-01.00 Uhr: 7540, 9535 kHz; Tibetisch
00.00-01.00 Uhr: 9860, 11775 kHz; Mandarin
01.00-02.00 Uhr: 9910 kHz; Laotisch
02.00-03.00 Uhr: 9450, 9700, 12065 kHz; Uigurisch
02.00-04.00 Uhr: 11950 kHz; Tibetisch
03.00-04.00 Uhr: 9455 kHz; Tibetisch
03.00-04.00 Uhr: 11895 kHz; Tibetisch
04.00-05.00 Uhr: 11980 kHz; Mandarin
12.00-13.00 Uhr: 11550 kHz; Tibetisch
14.00-15.00 Uhr: 12050, 13650 kHz; Tibetisch
14.30-15.30 Uhr: 11795 kHz; Burmesisch
16.00-17.00 Uhr: 11 MHz (siehe unten); Mandarin
16.00-17.00 Uhr: 11805 kHz; Tibetisch
17.00-18.00 Uhr: 7565 kHz; Uigurisch
17.00-18.00 Uhr: 11 MHz (siehe unten); Uigurisch
20.00-22.00 Uhr: 5890 kHz; Mandarin
22.00-23.00 Uhr: 7520 kHz; Mandarin
23.00-24.00 Uhr: 7480, 9790 kHz; Tibetisch
23.30-00.30 Uhr: 11850 kHz; Khmer
Sender Abu Dhabi (Al-Dhabayya)
00.00-01.00 Uhr: 5970 kHz; Tibetisch
07.00-08.00 Uhr: 21680 kHz; Tibetisch
13.30-14.30 Uhr: 13735 kHz; Burmesisch
Sendeanlagen in Tadschikistan
23.00-01.00 Uhr: 7470 kHz; Tibetisch
02.00-03.00 Uhr: 7560 kHz; Uigurisch
02.00-03.00 Uhr: 11895 kHz; Tibetisch
02.00-04.00 Uhr: 9670 kHz; Tibetisch
05.00-08.00 Uhr: 11980 kHz; Mandarin
07.00-08.00 Uhr: 17815 kHz; Tibetisch
12.00-14.00 Uhr: 9315, 15745 kHz; Tibetisch
13.00-14.00 Uhr: 15375 kHz; Tibetisch
14.00-15.00 Uhr: 9315, 15375, 15745 kHz; Tibetisch
16.00-17.00 Uhr: 7540 kHz; Tibetisch
17.00-18.00 Uhr: 7545 kHz; Uigurisch


Die für China bestimmten Programme von RFA sind Ziel massiver Störsendungen. Seit einigen Jahren wird versucht, diese Störung zu erschweren, indem einige Ausstrahlungen an jedem Wochentag auf einer anderen Frequenz laufen. Der Erfolg ist sehr beschränkt: Die chinesischen Senderbetreiber folgen den täglichen Wechseln mühelos.

Trotzdem wird diese Strategie auch jetzt noch in drei Fällen beibehalten. Die Ausstrahlung um 11.00 Uhr aus Lampertheim läuft nacheinander, von Montag bis Sonntag, auf 17830, 17790, 17815, 17820, 17840, 17795 und 17855 kHz.

In Kuwait lautet diese Abfolge der Frequenzen in den Sendestunden ab 16.00 Uhr 11765, 11725, 11765, 11725, 11765, 11590, 11590 kHz sowie ab 17.00 Uhr 11800, 11775, 11805, 11780, 11885, 11890, 11775 kHz.
 

Vorerst eingestellt ist die Kurzwellenverbreitung der RFA-Programme in Kantonesisch und Koreanisch. Im Falle der koreanischen Sendungen überrascht diese Priorisierung nicht: Hier sind die inzwischen laufenden Mittelwellensendungen aus Südkorea eindeutig von größerer Bedeutung.
 

Nicht mit konkreten Frequenzen untersetzt ist zunächst eine andere sendetechnische Angabe, die der Direktor von Radio/TV Martí, Tomás Regalado, am 14. November 2018 machte: Von diesem Tage an sei man aus Greenville auch auf einer vierten Frequenz auf Sendung.

Wie Regalado weiter sagte, würden die neuen Sender der Station Greenville im kommenden Februar in Betrieb gehen. Gemeint sind die umgesetzten Geräte aus einer Sendestation in Sri Lanka, die wegen unbeherrschbarer Korrosion an den Antennen 2016 aufgegeben wurde. Auch hier hatte Radio Free Asia keine Sendelizenz erhalten.

Sowohl in Sri Lanka als auch in den Philippinen und in Thailand wollten die Regierungen keine Verwicklungen mit China riskieren. Das zeigt exemplarisch das Grundproblem des Konzepts, sich nicht auf die Voice of America als etablierten Auslandsdienst zu konzentrieren, sondern daneben noch weitere Sender mit „kämpferischem“ Namen zu betreiben.

Ein Schwerpunkt der Veranstaltung am 14. November war die Präsentation der umfassenden, mit, wie es hieß, „schweren Entscheidungen“ (eine Umschreibung für die Trennung von zahlreichen Mitarbeitern) verbundenen Neugestaltung des arabischen Fernsehprogramms Alhurra. Es wird zu bestimmten Tageszeiten jetzt in Dubai produziert.

Als Schwesterplattform des Fernsehprogramms genannt wurde der Hörfunk dabei nur noch für den Irak, wo man das bisherige Konzept eines Musikteppichs durch ein Nachrichtenformat ersetzt habe. Die anderen Programme von Radio Sawa werden so behandelt, als seien sie bereits abgeschaltet, was im Falle der Sendungen für Darfur in der Tat schon seit März der Fall ist.

Einen Seitenhieb gab es aus Sicht von Alhurra noch in Richtung der Wettbewerber: Diese würden Nordafrika vernachlässigen.

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Ivo Ivanov; Stand vom 02.12.2018