Österreich

Besuch beim Sender Moosbrunn

Beim Besuch einer Kurzwellen-Sendestation ist eine bestimmte Frage inzwischen nahezu unvermeidlich. In Moosbrunn bei Wien, bei der heutigen Österreichischen Rundfunksender GmbH, fiel die Antwort betont optimistisch aus.

Sender Moosbrunn
Drehstandantenne der Sendestation Moosbrunn im Nebel (Foto via Brigitte Rieser, Creative Commons)

Aus dem mit Fotos ausgestatteten Besuchsbericht:

„Herr Spitzbart ist in dem Sinne ‚Alleinunterhalter‘ in dieser Sendeanlage. Er steuert die Technik, er kommuniziert, er repariert buchstäblich alles allein. Selbst im Urlaub ist er mit dem Handy bei seinem Sender.
... und gleich am Anfang sagte er mir, auf meine vorsichtig gestellte Frage, ‚wie lange sendet Moosbrunn noch?‘, er wird den Betrieb noch 5 Jahre aufrecht erhalten, dann scheidet er aus dem Dienst aus und hofft natürlich auf einen Nachfolger....“


Im Winter 2018/19 sind in Moosbrunn folgende Ausstrahlungen vorgesehen:

ORF – Österreich 1
07.00-08.20 Uhr: 6155 kHz

Adventist World Radio, Sendeblock am Morgen
03.00-03.30 Uhr: 5970 kHz; für Pakistan
03.30-04.00 Uhr: 5975 kHz; für Indien
04.30-05.00 Uhr: 6170 kHz; für den Iran
05.00-05.30 Uhr: 6185 kHz; für die Türkei
06.00-06.30 Uhr: 9630 kHz; für Westafrika (Haussa)
07.00-08.00 Uhr: 11880 kHz; für Nordafrika (Arabisch)
09.00-09.30 Uhr: 15145 kHz; für Nordafrika (Französ.)

Adventist World Radio, zweiter Sendeblock
15.00-15.30 Uhr: 12025 kHz; für Pakistan
15.30-16.00 Uhr: 17605 kHz; für Äthiopien (Oromo)
16.00-17.00 Uhr: 11955 kHz; für Türkei und Indien
17.00-17.30 Uhr: 9445 kHz; für Pakistan
17.30-18.00 Uhr: 9770 kHz; für den Iran
19.00-20.00 Uhr: 7225 kHz; für Nordafrika (Arabisch)
20.00-20.30 Uhr: 7275 kHz; für Westafrika (Haussa)
20.30-21.00 Uhr: 9780 kHz; für Zentralafrika (Französ.)
21.00-21.30 Uhr: 7310 kHz; für Westafrika (Lokalsprache)
21.30-22.30 Uhr: 7270 kHz; für Westafrika (Französ., Engl.)

NHK World
06.00-06.30 Uhr: 6155 kHz; Englisch für Europa

BBC World Service
01.30-03.00 Uhr: 5930 kHz; Afghanistan-Programm

Bible Voice Broadcasting
Sonntags 20.30-21.15 Uhr: 7425 kHz; für Nahost

Radio DARC
Sonntags 11.00-12.00 Uhr: 6070 kHz

Radio Joystick
Erster Sonntag in Monat 12.00-13.00 Uhr: 7330 kHz

MV Baltic Radio (nur gelegentlich)
Sonntags 10.00-11.00 Uhr: 6140 kHz


Die umfangreiche Nutzung der Sendestation Moosbrunn durch die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten begann 2001, als die Anlagen durch eine erste Einschränkung der Sendungen des damaligen Radio Österreich International nicht mehr ausgelastet waren.

Diesen Großkunden konnte die ORS seinerzeit dem Betreiber der Rundfunksender in der Slowakei abluchsen. Dessen Kurzwellenanlage in Rimavská Sobota ist seit 2011 generell nicht mehr in Betrieb, jedoch für Eventualfälle konserviert, siehe hier.

2015 übernahm die ORS für die Adventisten auch die Programmverbreitung über Astra 19,2° Ost. Dabei geht es inzwischen nur noch um ein Fernsehprogramm („Hope Channel“, 11,244 GHz h). Der lineare Hörfunk in deutscher Sprache, der bis 2007 ebenfalls aus Moosbrunn kam, ist seit dem 1. Juli 2018 eingestellt.

Die Sendungen von Radio DARC laufen unter rundfunkrechtlicher Verantwortung des ORF. Die anderen Einzelsendungen ausländischer Veranstalter übernimmt die ORS als Subauftragnehmer für Media Broadcast und Encompass (hier ist die Eingliederung des bisherigen Babcock-Geschäftsfelds Rundfunktechnik seit dem 27. September wirksam).

Inzwischen hat die Sendestation Moosbrunn das einstige Radio Österreich International bereits anderthalb Jahrzehnte überlebt. Auch die frühere, unten erwähnte „QSL Collection“ ist weiterhin aktiv, heute als DokuFunk.
 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 04.11.2018

Radio Österreich International
2002: Letzte Ausgabe der Mediensendung „Intermedia“ mit Marianne Veit und Wolf Harranth, der vor Jahrzehnten leichtsinnig versprochen hatte, er werde in Frack und Zylinder aufhören


Wolf Harranth, 30. Juni 2003:

Adieu – der letzte Tag bei Radio Österreich International

08:30 – Noch etwas müde (wir sind gestern erst am späten Abend von der Ham Radio in Friedrichshafen zurückgekommen) im Funkhaus eingetroffen.

10:30 – Nach zwei Stunden sind der Kastenwagen und der Kombi entladen. Auf dem Flur stapeln sich die Schachteln und Boxen. Wir haben schätzungsweise 200.000 Karten aus knapp 60 Konvoluten übernommen. Heute ist der heißeste Tag des Jahres. Das Thermometer zeigt 36 Grad im Schatten an.

Alle sind am Packen. Der letzte Büroraum muss noch diese Woche besenrein übergeben werden. Das Problem: Einige haben an ihrem neuen Arbeitsplatz noch keine Bleibe.

Marianne Veit, zum Beispiel, unsere Produzentin. Sie räumt die Schränke leer. Da steigen mit jedem Ordner, mit jeder Mappe, mit jedem Bild Erinnerungen auf. Aufheben? Aber wo? Wegwerfen? Unmöglich.

Die letzte Gelegenheit, aus dem System Dateien zu speichern. „Hotline“ schaffen wir komplett, Aufatmen: Alle Sendungen auf CD konserviert. Bei „Intermedia“ schaffen wir nur das Jahr 2002. Daumen halten, dass der Server nicht schon morgen abgewürgt sein wird.

Zwischendurch kommen die letzten verbliebenen Mitarbeiter(innen) und fragen: Wie war's? Wir erzählen vom Hörertreffen, von den schmerzlichen Abschieden am Stand. Robert Theiler berichtet, dass pro Tag 200 Mails empörter Hörer eintreffen, die nun ihren Seewetterbericht nicht mehr bekommen.

Wir lesen Mails. Ein Hörer: Als wir begonnen hatten, war er gerade drei Jahre alt. Ein anderer: Als junger Mensch 1960 zu uns gestoßen, wir sind „ein Teil seines Tages und Lebens“ geworden. Ein österreichischer Missionar aus Brasilien, für den wir der einzige Kontakt zur Heimat waren ...

Die APA hat eine Adieu-Meldung gebracht, zwei Tageszeitungen übernehmen sie: Wir sind kein Thema mehr.

12:00 – Mittagspause. Johannes Stuhlpfarrer hat nur wenig Zeit. Er muss noch die aktuellen Nachrichten ins Netz stellen. Unsere Website ist bereits gewaltig abgemagert, aber wir haben uns vorgenommen, bis zum bitteren Ende ordentliche Arbeit zu liefern. Johannes ist ab morgen arbeitslos – einer der „freien“ Mitarbeiter, die auf der Strecke bleiben.

Gerhard Hoyer (der für unseren Internetauftritt sorgt) wurde überraschend aufgefordert, ein Projekt zu beginnen, das mehrere Tage in Anspruch nehmen würde. Aber: in fünf Stunden fährt er zum letzten Mal den Rechner herunter; auch er ist ab morgen arbeitslos.

Sabrina Adlbrecht, hören wir, hat doch noch eine Aufgabe im ORF erhalten. Auch sie war eines der Opfer. Jetzt darf sie als Karenzaushilfe noch ein paar Monate bleiben ...

12:45 – Zurück in die Redaktion, den Maurern und Malern ausweichend: Schon werden unsere Studios und Redaktionsräume für die künftige Verwendung adaptiert.

17:00 – Ich stehe da, den Karton mit den QSLs von OE1M in den Händen. Die Hörerbetreuung macht dicht, übergibt die „Erbmassse“. Wohin damit? Die Aufkleber für die Abschieds-Bestätigung sind noch nicht eingetroffen.

Ich kann die Schachtel quer über den Flur in die Räume der QSL COLLECTION bringen. Aber ab morgen ist ROI für die Poststelle nicht mehr existent. Na ja, zum Glück gibt's ja Postämter. Und für die vielen treuen Hörer, die aufs Rückporto „vergessen“ haben oder die deutsche Briefmarken beilgelegt haben, werden wir eben aus unserem Taschengeld das Porto beisteuern.

18:30 – Christiane Eichberger, die das Sekretriat betreut, geht stumm, nur mit einem Kopfnicken, an uns vorbei. Ein einziges Wort würde sie aus der mühsam gewahrten Balance bringen.

Kollegin Tosegi packt den Wasserkocher ein. Den haben wir immer gemeinsam benutzt, daher blieb er uns auch nach Einstellung der Esperanto-Sendungen erhalten.

Gerhard Hoyer bedankt sich bei mir für die gute Zusammenarbeit; er habe eine Menge gelernt. Er, der so viele unbezahlte und unbedankte Stunden in unseren Intermedia- und Hotline-Auftritt investiert hat, bedankt sich bei mir! Der Kerl spinnt. Ich schulde ihm Dank.

Da kommen wir eben darauf zu sprechen, wie wir all die Zeit miteinander umgegangen sind: Wie selbstverständlich wir uns die Arbeit geteilt haben, all die Jahre ohne ein einziges lautes Wort! Jetzt hängt Marianne die letzten Bilder ab; da druckst es auch sie.

Kein Brief, kein E-Mail von der Generaldirektion, von der Hörfunkdirektion. Unser Chefredakteur auf Dienstreise in seiner neuen Funktion. Niemand da, der Adieu sagt.

Wir lassen nicht die Gläser kreisen, denn wir wollen uns am Wochenende noch einmal treffen, alle, die dazu gehört haben, privat natürlich.

Es ist ein Abend, wie jeder anderer: Der letzte dreht das Licht aus und sperrt zu. Und in ein paar Stunden wird die Automatik (hoffentlich) Ö1 zuschalten, wenn bisher eines unserer Programme kam. Abschiedsworte oder irgendwas dergleichen sind nicht geplant.

Ich habe in Friedrichshafen Baldur Drobnica DJ6SI interviewt. Das war meine letzte Aktion für ROI. Ich speichere zum letzten Mal eine Datei ab, fahre zum letzten Mal die Software runter.

Im Unterschied zu den anderen werde ich, der Pensionist, morgen wieder ins Funkhaus kommen, nun aber definitiv auf die andere Seite des Flures, dorthin, wo die QSL COLLECTION residiert. Ich weiss noch nicht, wie die Infrastruktur funktionieren wird (von der Eintragung im Telefonbuch bis zum Leeren der Papierkörbe...), aber das wird sich weisen.

Jedenfalls ist dies, wenngleich nur ein halber Abschied, doch einer. Ich rechne ein bisschen nach: Februar 1946 bis Juni 2003, das macht knapp 57 Jahre. Davon fast 33, mehr als mein halbes Leben, beim Auslandsdienst.

Und jetzt steh ich halt so da und hab den Schlüssel in der Hand und mach den Laden dicht. Denn ich bin der Letzte. Und der Letzte macht das Licht aus.

Danke, Euch allen, von uns allen.