Österreich

Senderausfall in Moosbrunn

Die morgendliche Ausstrahlung von Österreich 1 auf der Kurzwelle 6155 kHz beginnt derzeit erst um 7.30 Uhr, mitten in der Sendestunde. Das ist so nicht beabsichtigt und lediglich die Folge eines Technikausfalls.

Sender Moosbrunn
Drehstandantenne der Sendestation Moosbrunn im Nebel (Foto via Brigitte Rieser, Creative Commons)

Derzeit sind auf der Kurzwellenstation der Österreichischen Rundfunksender GmbH (ORS) nur zwei Sender betriebsfähig. Ein dritter Sender ist ausgefallen, was dazu zwingt, bis 7.30 Uhr den sonst auf 6155 kHz genutzten Sender für eine Ausstrahlung von NHK World-Japan heranzuziehen.

Das für die Reparatur benötigte Ersatzteil (ein Vakuumkondensator) ist inzwischen bestellt. Nach dessen Lieferung und Einbau soll die Ausstrahlung von Ö1 wieder planmäßig von 7.00 bis 8.20 Uhr (am Wochenende bis 8.10 Uhr) laufen.


Die Sendestation in Moosbrunn bei Wien geht auf das einstige Radio Österreich International zurück, das bereits 2003 eingestellt wurde. Von den Umständen kündet der unten beigefügte Text. Die darin erwähnte „QSL Collection“ ist, jetzt als Dokumentationsarchiv Funk, nach wie vor aktiv.

Nach der Abwicklung von Radio Österreich International verblieb noch ein Restbetrieb unter dem Titel „Österreich 1 International“. 2010 gab der ORF den Auslandshörfunk schließlich ganz auf.

Seitdem betreibt die ORS ihre Kurzwellenanlage autark für andere Kunden. Das gilt auch für die technische Seite; Übertragungsleitungen aus den ORF-Studios in Wien gibt es nicht mehr.


Rechtlich ist die Sendestation Moosbrunn nach wie vor der Außendarstellung Österreichs gewidmet. Das macht es erforderlich, ohne Bestellung durch den ORF den Restbetrieb der Frequenz 6155 kHz am Morgen weiter fortzusetzen.

Wirtschaftliche Existenzgrundlage sind jedoch allein die Aufträge aus dem Ausland. Dabei überlebte die Sendestation Moosbrunn schon fast ein halbes Jahrzehnt länger, als es 2010 für möglich gehalten wurde.


Derzeit gibt es, neben der momentan gekürzten Alibisendung mit Ö1, die folgenden Ausstrahlungen. Einen Teil dieser Sendungen übernimmt die ORS als Subauftragnehmer für Babcock International und Media Broadcast.

Radio DARC
So 11.00-12.00 Uhr: 6070 kHz

MV Baltic Radio
So 10.00-11.00 Uhr: 6140 kHz (gelegentlich)

Radio Joystick
1. So im Monat 12.00-13.00 Uhr: 7330 kHz

BBC World Service
03.00-04.00 Uhr: 7360 kHz; Paschtunisch und Dari
14.00-14.30 Uhr: 15490 kHz; Französisch (für Afrika)

NHK World-Japan
07.00-07.30 Uhr: 5975 kHz; Englisch

IBRA-Radio
10.00-10.30 Uhr: 15260 kHz; Arabisch

Adventist World Radio
04.00-05.00 Uhr: 7385 kHz; Urdu und Punjabi
05.30-06.30 Uhr: 6120 kHz; Farsi und Türkisch
07.00-07.30 Uhr: 11955 kHz; Haussa
08.00-09.00 Uhr: 11880 kHz; Arabisch
10.00-10.30 Uhr: 15145 kHz; Französisch (für Afrika)
16.00-16.30 Uhr: 15440 kHz; Urdu
16.30-17.00 Uhr: 17605 kHz; Oromo
17.00-17.30 Uhr: 11955 kHz; Türkisch
17.30-18.30 Uhr: 15165 kHz; Punjabi und Urdu
18.30-19.00 Uhr: 11800 kHz; Farsi
20.00-21.30 Uhr: 11955 kHz; Arabisch und Haussa
21.30-22.00 Uhr: 15155 kHz; Französisch (für Afrika)
22.00-23.30 Uhr: 11880 kHz; Dyula, Französ., Engl.

Bible Voice Broadcasting
05.00-05.15 Uhr: 7325 kHz; Arabisch
Do 19.00-19.30, Fr 19.00-19.15, Sa 19.15-21.00, So 19.00-21.00:
15215 kHz; Englisch (für Nahost)

Reach Beyond
Sa 17.30-18.30 Uhr: 13800 kHz; Russisch und Tschetschenisch


Bis 2007 hatte Adventist World Radio, präziser gesagt das Medienzentrum der Siebenten-Tags-Adventisten in Darmstadt, aus Moosbrunn auch Sendungen in deutscher Sprache ausgestrahlt.

An die Stelle dieser Kurzwellensendungen trat seinerzeit die Astra-Plattform 19,2° Ost. Die dortigen Übertragungen (als „Hope Channel Radio“ und „Hope Channel HD“) werden seit 2015 wiederum von der ORS abgewickelt.
 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 14.04.2018

Radio Österreich International
2002: Letzte Ausgabe der Mediensendung „Intermedia“ mit Marianne Veit und Wolf Harranth, der vor Jahrzehnten leichtsinnig versprochen hatte, er werde in Frack und Zylinder aufhören


Wolf Harranth, 30. Juni 2003:

Adieu – der letzte Tag bei Radio Österreich International

08:30 – Noch etwas müde (wir sind gestern erst am späten Abend von der Ham Radio in Friedrichshafen zurückgekommen) im Funkhaus eingetroffen.

10:30 – Nach zwei Stunden sind der Kastenwagen und der Kombi entladen. Auf dem Flur stapeln sich die Schachteln und Boxen. Wir haben schätzungsweise 200.000 Karten aus knapp 60 Konvoluten übernommen. Heute ist der heißeste Tag des Jahres. Das Thermometer zeigt 36 Grad im Schatten an.

Alle sind am Packen. Der letzte Büroraum muss noch diese Woche besenrein übergeben werden. Das Problem: Einige haben an ihrem neuen Arbeitsplatz noch keine Bleibe.

Marianne Veit, zum Beispiel, unsere Produzentin. Sie räumt die Schränke leer. Da steigen mit jedem Ordner, mit jeder Mappe, mit jedem Bild Erinnerungen auf. Aufheben? Aber wo? Wegwerfen? Unmöglich.

Die letzte Gelegenheit, aus dem System Dateien zu speichern. „Hotline“ schaffen wir komplett, Aufatmen: Alle Sendungen auf CD konserviert. Bei „Intermedia“ schaffen wir nur das Jahr 2002. Daumen halten, dass der Server nicht schon morgen abgewürgt sein wird.

Zwischendurch kommen die letzten verbliebenen Mitarbeiter(innen) und fragen: Wie war's? Wir erzählen vom Hörertreffen, von den schmerzlichen Abschieden am Stand. Robert Theiler berichtet, dass pro Tag 200 Mails empörter Hörer eintreffen, die nun ihren Seewetterbericht nicht mehr bekommen.

Wir lesen Mails. Ein Hörer: Als wir begonnen hatten, war er gerade drei Jahre alt. Ein anderer: Als junger Mensch 1960 zu uns gestoßen, wir sind „ein Teil seines Tages und Lebens“ geworden. Ein österreichischer Missionar aus Brasilien, für den wir der einzige Kontakt zur Heimat waren ...

Die APA hat eine Adieu-Meldung gebracht, zwei Tageszeitungen übernehmen sie: Wir sind kein Thema mehr.

12:00 – Mittagspause. Johannes Stuhlpfarrer hat nur wenig Zeit. Er muss noch die aktuellen Nachrichten ins Netz stellen. Unsere Website ist bereits gewaltig abgemagert, aber wir haben uns vorgenommen, bis zum bitteren Ende ordentliche Arbeit zu liefern. Johannes ist ab morgen arbeitslos – einer der „freien“ Mitarbeiter, die auf der Strecke bleiben.

Gerhard Hoyer (der für unseren Internetauftritt sorgt) wurde überraschend aufgefordert, ein Projekt zu beginnen, das mehrere Tage in Anspruch nehmen würde. Aber: in fünf Stunden fährt er zum letzten Mal den Rechner herunter; auch er ist ab morgen arbeitslos.

Sabrina Adlbrecht, hören wir, hat doch noch eine Aufgabe im ORF erhalten. Auch sie war eines der Opfer. Jetzt darf sie als Karenzaushilfe noch ein paar Monate bleiben ...

12:45 – Zurück in die Redaktion, den Maurern und Malern ausweichend: Schon werden unsere Studios und Redaktionsräume für die künftige Verwendung adaptiert.

17:00 – Ich stehe da, den Karton mit den QSLs von OE1M in den Händen. Die Hörerbetreuung macht dicht, übergibt die „Erbmassse“. Wohin damit? Die Aufkleber für die Abschieds-Bestätigung sind noch nicht eingetroffen.

Ich kann die Schachtel quer über den Flur in die Räume der QSL COLLECTION bringen. Aber ab morgen ist ROI für die Poststelle nicht mehr existent. Na ja, zum Glück gibt's ja Postämter. Und für die vielen treuen Hörer, die aufs Rückporto „vergessen“ haben oder die deutsche Briefmarken beilgelegt haben, werden wir eben aus unserem Taschengeld das Porto beisteuern.

18:30 – Christiane Eichberger, die das Sekretriat betreut, geht stumm, nur mit einem Kopfnicken, an uns vorbei. Ein einziges Wort würde sie aus der mühsam gewahrten Balance bringen.

Kollegin Tosegi packt den Wasserkocher ein. Den haben wir immer gemeinsam benutzt, daher blieb er uns auch nach Einstellung der Esperanto-Sendungen erhalten.

Gerhard Hoyer bedankt sich bei mir für die gute Zusammenarbeit; er habe eine Menge gelernt. Er, der so viele unbezahlte und unbedankte Stunden in unseren Intermedia- und Hotline-Auftritt investiert hat, bedankt sich bei mir! Der Kerl spinnt. Ich schulde ihm Dank.

Da kommen wir eben darauf zu sprechen, wie wir all die Zeit miteinander umgegangen sind: Wie selbstverständlich wir uns die Arbeit geteilt haben, all die Jahre ohne ein einziges lautes Wort! Jetzt hängt Marianne die letzten Bilder ab; da druckst es auch sie.

Kein Brief, kein E-Mail von der Generaldirektion, von der Hörfunkdirektion. Unser Chefredakteur auf Dienstreise in seiner neuen Funktion. Niemand da, der Adieu sagt.

Wir lassen nicht die Gläser kreisen, denn wir wollen uns am Wochenende noch einmal treffen, alle, die dazu gehört haben, privat natürlich.

Es ist ein Abend, wie jeder anderer: Der letzte dreht das Licht aus und sperrt zu. Und in ein paar Stunden wird die Automatik (hoffentlich) Ö1 zuschalten, wenn bisher eines unserer Programme kam. Abschiedsworte oder irgendwas dergleichen sind nicht geplant.

Ich habe in Friedrichshafen Baldur Drobnica DJ6SI interviewt. Das war meine letzte Aktion für ROI. Ich speichere zum letzten Mal eine Datei ab, fahre zum letzten Mal die Software runter.

Im Unterschied zu den anderen werde ich, der Pensionist, morgen wieder ins Funkhaus kommen, nun aber definitiv auf die andere Seite des Flures, dorthin, wo die QSL COLLECTION residiert. Ich weiss noch nicht, wie die Infrastruktur funktionieren wird (von der Eintragung im Telefonbuch bis zum Leeren der Papierkörbe...), aber das wird sich weisen.

Jedenfalls ist dies, wenngleich nur ein halber Abschied, doch einer. Ich rechne ein bisschen nach: Februar 1946 bis Juni 2003, das macht knapp 57 Jahre. Davon fast 33, mehr als mein halbes Leben, beim Auslandsdienst.

Und jetzt steh ich halt so da und hab den Schlüssel in der Hand und mach den Laden dicht. Denn ich bin der Letzte. Und der Letzte macht das Licht aus.

Danke, Euch allen, von uns allen.