Wirbelsturm „Yutu“

Sendeanlagen auf den Nördlichen Marianen schwer beschädigt

Die Verwüstung der Marianeninseln Saipan und Tinian durch den Wirbelsturm „Yutu“ traf auch Sendeanlagen der U.S. Agency for Global Media. Dadurch fand diese Unwetterkatastrophe – und damit wird sie zu einem Thema der Medienkritik – in den wenigen einschlägigen Fachmedien größere Aufmerksamkeit als in den allgemeinen Nachrichtenmedien.

Wirbelsturm Yutu
Nördliche Marianen (am rechten Bildrand) und „Yutu“ in der Nacht zum 27.10.2018 (Infrarotaufnahme) | © NOAA

Wie die Zeitung The Atlantic schreibt, lieferte von den großen US-Medien lediglich die Washington Post eigene Berichte über diesen, bezogen auf das Hoheitsgebiet der USA, schwersten Sturm seit 1935.

Alle anderen Medienhäuser hätten kaum mehr geboten als Agenturmaterial, im wesentlichen von AP und Reuters. Konkret nennt der Bericht neben der eigenen Zeitung die New York Times, CNN, die Los Angeles Times, das Wall Street Journal und ABC News.

Verweise auf die zeitliche Überschneidung mit den Paketbomben und dem Anschlag von Pittsburgh wollen Medienkritiker nicht gelten lassen. Im Vorjahr habe auch schon das Sturmereignis in Puerto Rico nicht die Aufmerksamkeit gefunden, die einer Naturkatastrophe mit fast 3000 Todesopfern angemessen sei.

Überhaupt keine Notiz mehr wurde schließlich davon genommen, was auf der weiteren Bahn von „Yutu“ geschah: Auf den Philippinen gab es mindestens 25 Tote, nur wenige Wochen nach dem Wirbelsturm „Mankhut“ mit 127 Todesopfern.

Eine von der Zeitung zitierte Stimme zeichnet den ganz großen Kontext: So, wie die US-Regierung mit ihren „Außengebieten“ umgehe, mache sie es auch mit dem Heer der Arbeiter in Detroit, dem Mittleren Westen und den Südstaaten, ebenso auch mit den verarmten Einwohnern der sonst im Mittelpunkt stehenden Küstenmetropolen.

Stand vom 17.11.2018


 

Bericht vom 26. Oktober 2018:


Ein Wirbelsturm hat die Nördlichen Marianen, eine zu den USA gehörende Inselgruppe im Pazifik, verwüstet. Davon betroffen ist auch die U.S. Agency for Global Media, die hier zwei Sendestationen für den Kurzwellenhörfunk betreibt bzw. betrieb. Zur Lage auf der Inselgruppe siehe den Bericht der der Washington Post.

Die Sendestationen der USAGM auf den Inseln Tinian und Saipan sind nach ersten Einschätzungen wenigstens für ein halbes Jahr abzuschreiben. In den Worten eines Verantwortlichen: „Die Antennen sind übel zugerichtet, die Dächer teilweise abgedeckt, die Zäune plattgewalzt.“ Von der Sendestation Tinian gibt es zwei Fotos: 1.), 2.).

Bis zur Umsetzung von Ersatzschaltungen entfallen damit pro Tag 41 Frequenzstunden in Chinesisch, zwölf Stunden in Koreanisch, neun Stunden in Tibetisch, sechseinhalb Stunden in Burmesisch, fünf Stunden in Khmer, je zwei Stunden in Uigurisch und Laotisch sowie eine halbe Stunde für Englischkurse mit Zielgebiet Burma.

Ein besonderes Problem für solche Ersatzschaltungen besteht in den Philippinen: Die dortige Sendestation der USAGM kann mangels Lizenz nicht für Radio Free Asia genutzt werden. Eine solche Lizenz haben die Philippinen bis heute nicht erteilt, um keine Belastung ihrer Beziehungen zu China zu riskieren.

Auf der anderen Seite ist, nachdem im Juni bereits die vietnamesischen Sendungen eingestellt wurden, auch das chinesische Hörfunkprogramm von RFA zur Abschaltung vorgesehen, da es so gut wie keine Hörer hat. Das ist nicht nur den massiven Störsendungen aus China geschuldet, die nicht mit den attackierten RFA-Programmen verwechselt werden sollten.

Vom Ausfall der Sender auf den Marianen betroffen sind auch die Medien des Vatikan. Hier war für das Winterhalbjahr 2018/19 vorgesehen, von Tinian aus jeweils 30 bis 45 Minuten lange Sendungen in Chinesisch, Vietnamesisch und Russisch abzustrahlen.

Sender Maxoqueira
Die frühere Sendeanlage Maxoqueira in Portugal | © RFE/RL

Die Sendestation Tinian ist eine regelrechte Umsetzung von einem Standort 40 km nordöstlich von Lissabon, beim Dorf Barrosa. Dort befand sich einst, wie hier beschrieben, eine Empfangsstation für die Kurzwellenstrecken aus Deutschland, mit denen die Programme von Radio Free Europe / Radio Liberty der Sendestation Glória do Ribatejo zugeführt wurden.

Mit der Ablösung dieser Kurzwellenstrecken erübrigte sich eine solche besondere, von den Sendeanlagen getrennte Empfangsstation. Der unter der Bezeichnung Maxoqueira geführte Standort wurde jedoch nicht aufgegeben, sondern zum Aufbau weiterer Sendetechnik genutzt.

Bei ihrer Inbetriebnahme im Jahre 1991 war die neue Sendestation eigentlich schon wieder überflüssig. Erste Einschränkungen bei den Kurzwellensendungen von RFE/RL mündeten bereits 1995, nach ganzen vier Jahren, in ihre Abschaltung.

Ein neues Aufgabengebiet eröffnete sich für diese Technik 1996, mit dem Start von RFA in seiner heutigen Ausprägung. Neben den Philippinen versagte auch Sri Lanka eine Sendelizenz, weshalb auch die dortigen, bis 2016 betriebenen Kurzwellensender der USA für RFA unzugänglich blieben.

Daher wurden 1999/2000 die sechs Sender und die Antennen der ehemaligen Sendestation Maxoqueira auf der Insel Tinian aufgebaut. 2001 folgten noch zwei Sender aus der Station Glória do Ribatejo, die 1996 ebenfalls aufgegeben wurde.

Super Rock KYOI
© KYOI

Die Sendestation auf Saipan wiederum wurde vom Auslandsrundfunk der USA nicht errichtet, sondern aufgekauft.

Sie ging ursprünglich 1982 für Super Rock KYOI in Betrieb. Diese Station zielte mit einem Rockformat auf Japan, konnte aber nicht die dort erhofften Werbeeinnahmen erzielen.

Das mündete 1986 in einen Verkauf an die Religionsgemeinschaft Christian Science, die seinerzeit ihre Zeitung Christian Science Monitor um ein ambitioniertes Hörfunkprojekt ergänzte und dazu auch Sendeanlagen in Maine und in South Carolina errichtete.

Die Sendestation auf Saipan wurde nach einer Übergangsphase 1989 mit der neuen Kennung KHBI versehen und um einen zweiten Sender sowie zwei neue Antennen ergänzt. Doch auch diese Widmung hatte keinen längeren Bestand: Monitor Radio wurde 1997 eingestellt.

Die Sendestationen in Maine und South Carolina übernahm World Harvest Radio, wobei der Standort bei Bangor 2009 aufgegeben wurde. In Saipan kam die Möglichkeit zur Nutzung der dortigen Sender hingegen RFA sehr gelegen.

Ab 1996 sendete Monitor Radio aus Saipan Programme von RFA, das die Anlagen 1998 ganz übernahm. 1999 erhielt die Station noch einen dritten Sender, der über eine ebenfalls neue Antennenweiche mit über eine der vorhandenen Antennen abstrahlt.
 

Einige Fotos und Daten der Sendestationen enthält das offizielle Handbuch.

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Glenn Hauser