Tannfeld und Nordkirchen

Antennen der Mittelwelle 549 kHz abgerissen

Nachdem am 27. Februar 2018 die Antenne des Mittelwellensenders Tannfeld bei Thurnau abgerissen wurde, verschwanden am 21. März auch die beiden Masten des Senders Nordkirchen in Nordrhein-Westfalen. Diese beiden Anlagen hatten von 1978 bis 2015 das Programm des Deutschlandfunks auf 549 kHz abgestrahlt.

Sender Tannfeld
Fuß des Mittelwellenmastes in Tannfeld | © Dr. Hansjörg Biener

Mit dem Bau dieser Sendestationen wurde das Mittelwellennetz des Deutschlandfunks umgestaltet und erweitert. Zuvor wurde die – bis 1978 noch 548 kHz lautende – Frequenz aus Schandelah bei Braunschweig und aus Bad Dürrheim abgestrahlt, was kaum mehr als eine Duplizierung der Sendungen auf 756 kHz war.

Mit der Sendestation in Nordkirchen erhielt der Deutschlandfunk erstmals auch einen Mittelwellenstandort im Westen von Deutschland. Aufgebaut wurden zwei Masten von knapp 100 Meter Höhe, die eine bestimmte Richtwirkung gestatteten.

Diese Sendestation arbeitete auf 549 kHz im Gleichwellenbetrieb mit dem – ursprünglich offiziell unter „Bayreuth“ geführten – Standort Tannfeld. Der dortige Sender sollte jenen Bereich auffüllen, in den die Ausblendung fiel, die beim Sender Schandelah auf 756 kHz nachts erforderlich war.

Im Raum Ostthüringen machte der Sender Tannfeld das untere Ende der Mittelwellenskala zum Hotspot dieses Wellenbereichs. Dort fanden sich ab 1978 gleich nebeneinander der Deutschlandfunk und, am unteren Anschlag, Radio DDR 1 (Sender Wiederau, 531 kHz).

Dafür entstand in Tannfeld ein 240 Meter hoher Mast. Die Senderanlage bestand aus zwei Einzelsendern des Typs Telefunken S 4002, die zu einer Gesamtleistung von 200 kW zusammengeschaltet wurden. Diese verhältnismäßig moderne Konstruktion arbeitete bereits mit einer dynamischen Trägersteuerung zur Reduzierung des Energieverbrauchs.

In den 90er Jahren wurde die Sendeleistung in Tannfeld auf 100 kW reduziert. Nun arbeitete, jeweils im wöchentlichen Wechsel, nur noch einer der beiden Sender. In Nordkirchen war von vornherein nicht mit mehr als 100 kW gearbeitet worden.

Um 2005 erhielten beide Standorte neue, wiederum jeweils 100 kW starke Transistorsender. Bei dieser Modernisierung sind mit größerem Aufwand auch die Antennen für einen digitalen Sendebetrieb ertüchtigt worden. Von dieser Möglichkeit wurde, abgesehen von kurzzeitigen Tests in der Aufbau- und Abnahmephase, letztlich nie Gebrauch gemacht.

Wie unterdessen zu vernehmen ist, soll es bei der Eliminierung der AM-Sender auch in der Karwoche keine Pause geben. Gerüchteweise kursiert als Termin, an dem die beiden Masten des Langwellensenders Aholming fallen werden, der Gründonnerstag.

Sender Tannfeld
Technikgebäude des Senders Tannfeld, davor die Satellitenantennen der Programmzuführung | © Dr. Hansjörg Biener
Sender Tannfeld
Sendemast Tannfeld, im Vordergrund ein Isolator in einer Pardune (Fachbegriff für die Abspannungen) | © Dr. Hansjörg Biener

 

Autor: Kai Ludwig, Stand vom 24.03.2018